• The Wall Street Journal

Lufthansa-Flugbegleiter bekommen deutlich mehr Geld

Fluggäste der Lufthansa können aufatmen. Der schwierige Tarifkonflikt mit den Flugbegleitern ist gelöst. Die Airline und die Gewerkschaft der Kabinenmitarbeiter haben sich auf zum Teil deutlich höhere Gehälter geeinigt. Nach den heftigen Flugausfällen zum Ende der Sommerferien wird es keine Streiks in der Vorweihnachtszeit geben.

2013 sollen die Gehälter in der Summe um fast 4,6 Prozent steigen. Neben höheren Grundgehältern, die zwischen 6 und 18 Prozent angehoben werden, erhalten alle Mitarbeiter eine Einmalzahlung von 320 Euro und zusätzlich eine Erfolgsbeteiligung. Den langwierigen Streit schlichtete der ehemalige Wirtschaftsweise Bert Rürup.

Das starre Tarifgefüge konnte die Lufthansa aufbrechen. Berufsanfänger werden künftig etwas besser entlohnt, dafür fallen die Gehaltssteigerungen in späteren Jahren geringer aus.

Im Gegenzug musste die Lufthansa aber eine Stellengarantie bis Ende 2014 aussprechen. Auf den Einsatz von Leiharbeit verzichtet die Lufthansa bis Ende 2016. Flugbegleiter, die zu Germanwings wechseln, werden auch künftig nach den Konditionen der Lufthansa bezahlt - für sie gibt es also keine Gehaltseinbußen.

Besonders dieser Punkt war strittig. Die Lufthansa will ihre Kosten senken und wird dazu ab 2013 viele Direktflüge nur noch mit der günstigeren Germanwings anbieten. 1.200 Mitarbeiter werden dadurch bei der Lufthansa überflüssig. Stewards und Stewardessen fürchteten, den Wechsel zu Germanwings mit Gehaltseinbußen zu bezahlen.

Thomas Lohnes/dapd

Erfolgreiche Einigung: Schlichter Bert Rürup (Mitte) brachte Gewerkschaftschef Nicoley Baublies (rechts) und Lufthansa-Verhandlungsführer Peter Gerber an einen Tisch.

„Die Empfehlung ist weit mehr als ein kurzfristiger Kompromiss, sondern eine langfristige und ausgewogene Strukturreform", sagte Schlichter Rürup. „Sie macht die Lufthansa dauerhaft wettbewerbsfähig, ist gleichzeitig in hohem Maße sozial ausgewogen und bietet dem fliegenden Personal ein hohes Maß an Zukunftssicherheit."

Auch die Lufthansa zeigte sich zufrieden. Die Kosten für den neuen Tarifvertrag bezifferte Lufthansa-Personalvorstand Peter Gerber für 2013 auf 33 Millionen Euro. Allerdings seien positive Effekte wie die flexiblere Arbeitszeiten oder die neue Tarifstruktur darin nicht enthalten.

Die Gewerkschaft Ufo wird nun ihre Mitglieder über den Schlichterkompromiss abstimmen lassen. Spätestens Mitte Dezember dürfte diese Urabstimmung beendet sein.

Rürup hatte mit seinem Amt keine leichte Aufgabe. Die Tarifpartner haben seit 15 Monaten nach einem gemeinsamen Nenner gesucht. Selbst drei Streiktage mit heftigen Flugausfällen brachten die Kontrahenten nicht näher.

Lufthansa beharrte vor allem auf dem eingeschlagenen Sparkonzept. Damit die Airline auch künftig ausreichend Geld für den Kauf von neuen Flugzeugen und für die Entwicklung neuer Produkte hat, will sie bis zum Jahr 2015 das Betriebsergebnis um rund 1,5 Milliarden Euro verbessern. Dazu sollen alle Sparten des Konzerns beitragen. Lufthansa Passage soll aber den Löwenanteil bringen.

Deutschlands größte Fluggesellschaft leidet wie viele andere Airlines gegenwärtig besonders unter hohen Treibstoffkosten. Der harte Wettbewerb macht es aber unmöglich, diese Belastungen vollständig auf die Ticketpreise umzulegen und so kostendeckend zu fliegen. Als Ausweg rufen viele Fluggesellschaften umfangreiche Sparprogramme aus, die auch Stellenstreichungen beinhalten.

Kontakt zum Autor: kirsten.bienk@dowjones.com

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