Von NICHOLAS CASEY und DAVID LUHNOW
Der Antivirus-Pionier John McAfee wird im Zusammenhang mit einem Mordfall von der Polizei in Belize gesucht. Am Wochenende war der Baulöwe Gregory Faull, ein Nachbar des Softwarespezialisten, mit einem Kopfschuss getötet worden. Das berichteten Polizeibeamte am Montag.
Ein Sprecher des belizischen Ministeriums für nationale Sicherheit erklärte, es sei zu früh, McAfee als Verdächtigen zu bezeichnen. Sollte „seine Geschichte jedoch nicht glaubwürdig sein, könnte er gefangen genommen und vor Gericht gestellt werden". Der Technologie-Blog Gizmodo hatte zuerst von der polizeilichen Suche nach McAfee berichtet.
Der 67-jährige McAfee gründete vor vielen Jahren die Firma McAfee. Der Antivirus-Gigant versorgt Unternehmen und Privatleute weltweit mit Verschlüsselungs- und Firewall-Lösungen. McAfee verließ das Unternehmen 1994 und ließ sich in Zentralamerika nieder, wo ihm eine Bootsfirma gehört.
Die Polizei berichtete, der 52-jährige Faull sei am Sonntagmorgen in seinem Haus in San Pedro von einer Haushaltshilfe gefunden worden. San Pedro ist eine Insel in der Nähe der mexikanischen Grenze und beliebt bei ausländischen Rentnern. Die Beamten gehen von Mord aus. Es habe keine Anzeichen für ein gewaltsames Eindringen ins Haus gegeben. Allerdings würden Computer und Telefon des Opfers vermisst. McAfee konnte am Montag nicht für eine Stellungnahme erreicht werden.
Dem Wired-Magazin erzählte McAfee, er wisse nichts über die Schießerei. Als die Polizei gekommen sei, um sein Grundstück zu durchsuchen, habe er sich mit einem Karton vor dem Gesicht im Sand vergraben, um atmen zu können. Er verstecke sich auch weiterhin, sagte McAfee, der befürchtet, die Polizei werde ihn töten, sollte er gefangen genommen werden.
Beschwerden beim Bürgermeister
Die Beamten sind sich noch nicht sicher, in welcher Beziehung McAfee und Faull gestanden haben. Faull hatte sich erst kürzlich bei Bürgermeister Daniel Guerrero über McAfee beschwert. Faull hätte beanstandet, dass das Sicherheitspersonal von McAfee unerlaubt sein Anwesen überquert habe und auch die Hunde von McAfee sollen ein Kritikpunkt gewesen sein.
Guerrero erklärte, er habe McAfee erst vor einigen Tagen gesehen. Er habe auf der Polizeistation eine Zahlung geleistet, und nichts habe darauf hingewiesen, dass etwas nicht in Ordnung sei.
Im April war die Polizei einem Hinweis auf ein illegales Drogenlabor auf dem Anwesen McAfees gefolgt und hatte das Grundstück durchsucht. Dabei wurden mehrere Waffen, fast 300 Schrotpatronen, Laborausrüstung und 20.000 US-Dollar gefunden, sagt Raphael Martinez, Sprecher des Ministeriums für nationale Sicherheit. Allerdings habe es keine Anklage gegeben, da McAfee eine Erlaubnis für den Besitz der Waffen gehabt habe. Es konnte auch nicht nachgewiesen werden, dass der Softwarespezialist die Laborausrüstung zur Herstellung illegaler Drogen verwendet hatte.
Wo blieb Michelangelo?
McAfee war 1994 aus dem von ihm gegründeten Unternehmen ausgestiegen. Er verkaufte seinen Anteil für 100 Millionen Dollar wenige Monate nachdem er davor gewarnt hatte, dass ein Computervirus namens Michelangelo Millionen von Rechnern infizieren könnte. Das geschah jedoch nie.
Als seine Tage im Silicon Valley gezählt waren, suchte sich McAfee neue Hobbies. Er schrieb ein Buch über Yoga, kaufte ein riesiges Grundstück in Woodland Park, Colorado, und baute ein 930 Quadratmeter großes Yogazentrum.
Anschließend widmete sich McAfee einer Sportart namens „Aerotrekking" und steckte mehr als 11 Millionen Dollar in den Bau eines Netzwerkes aus 8 Flughäfen in New Mexico und Arizona. „Geld macht etwas Merkwürdiges mit dir. Es gibt dir ein Gefühl der Allmacht", sagte McAfee 2007 dem Wall Street Journal. „Doch irgendwann wird dir klar, dass Du auch nur ein Mensch bist. Und dann schaut man sich um und sieht all die Dinge, die man geschaffen hat. Dann fragt man sich, wie man das alles jemals benutzen soll."
2009 erklärte McAfee im Gespräch mit der New York Times, sein Vermögen sei wegen der weltweiten Finanzkrise auf 4 Millionen Dollar gesunken. Vor einigen Jahren zog er dann nach Belize. Dort gründete er eine Firma namens Quorumex, mit der er pflanzliche Antibiotika vertreibt.
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