• The Wall Street Journal

Fitch senkt Argentinien um fünf Stufen herab

Nach dem Urteil eines US-Gerichts zur Zahlung ausstehender Schulden Argentiniens hat die Ratingagentur Fitch die Kreditwürdigkeit des Landes um fünf Stufen herabgesetzt. Die Abstufung des Ratings auf CC von B geschehe vor dem Hintergrund, dass ein Zahlungsausfall Argentiniens wahrscheinlich sei, teilten die Kreditwächter mit. Das Rating rangiert damit nur knapp über der niedrigsten Bewertung. Schuldner mit einer schlechten Bonitätsnote müssen bei der Kapitalaufnahme sehr hohe Zinsen bezahlen.

Argentinien leidet immer noch unter den Folgen der Staatspleite vor elf Jahren. Damals musste das Land einen Offenbarungseid leisten.

Vor einem US-Gericht hat das südamerikanische Land jüngst eine schwere Schlappe erlitten. Richter Thomas Griesa entschied, dass Argentinien auch jene Gläubiger befriedigen müsse, die sich nicht auf eine Umschuldung eingelassen hatten, sondern auf ihren kompletten Forderungen beharren. Der Richter wies Argentinien an, alte Schulden von 1,3 Milliarden US-Dollar bis zum 15. Dezember an die Umtauschverweigerer auszuzahlen.

Zugleich untersagte das Gericht die Zahlung von 3 Milliarden Dollar an jene Gläubiger, die auf einen Teil ihrer Forderungen verzichtet haben. Zunächst müsse die Regierung die 1,3 Milliarden Dollar für Inhaber von Schuldtiteln aufbringen, die sich an dem Schuldenschnitt nicht beteiligt hatten.

Für das Urteil gab es heftige Kritik. Als denkbar schlechtestes Ergebnis für Argentinien bezeichnete Anwalt Eugenio Bruno von der argentinischen Kanzlei Estudio Garrido die Gerichtsentscheidung. Er vertritt etliche Gläubiger, die das Angebot akzeptiert haben. Argentiniens Wirtschaftsminister Hernan Lorenzino sprach nach dem Urteil gar von „juristischem Kolonialismus". Die Staatsanleihen sind nach dem Urteil eingebrochen.

Sollte sich die Regierung in Buenos Aires weigern zu zahlen, käme es zu einem technischen Zahlungsausfall für Schuldtitel im Volumen von rund 24 Milliarden Dollar, die bei den Umschuldungsrunden 2005 und 2010 ausgegeben wurden. Der Rechtsstreit wird weithin beobachtet, weil er die Marschrichtung für künftige Staatspleiten vorgeben könnte.

Agence France-Presse/Getty Images

Der Rechtsstreit wird beobachtet, weil er eine Marschrichtung für künftige Staatspleiten vorgeben könnte und strategischen Investoren Hinweise für ihr eigenes Vorgehen. Möglicherweise werden es sich einige Anleger künftig genau überlegen, ob sie in Umschuldungsverhandlungen einsteigen, wenn ihre Forderungen anschließend von denen blockiert oder verzögert werden, die sich diesem Prozess verweigert haben.

.„Was bedeutet das für künftige Umschuldungen", fragt Alberto Bernal, Research-Chef bei Bulltick Capital Markets. „Niemand, der bei vollen Verstand ist" würde noch einem Schuldenschnitt zustimmen, wenn er nach einiger Zeit und unter Zuhilfenahme des richtigen Anwalts die vollen 100 Prozent zurückbekommt, sagte Argentiniens Wirtschaftsminister Lorenzino.

Argentiniens Kampf mit den Umschuldungsverweigerern, die das Land selbst als „Geierfonds" abqualifiziert, geht auf das Jahr 2001 zurück, als das Land unter einer Schuldenbelastung von 100 Milliarden Dollar zusammenbrach. Der überwiegende Teil der Gläubiger beteiligte sich an zwei Umschuldungsrunden in den Jahren 2005 und 2010 bei dem sie 33 Cent je Dollar erhielten. Doch eine kleine Gruppe wartete ab und zerrt das Land vor Gericht, um die komplette Forderung einzuklagen.

Kontakt zum Autor: andreas.plecko@dowjones.com

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