Von BEN WORTHEN, PAUL SONNE und JUSTIN SCHECK
CAMBRIDGE – Als die Softwarefirma Autonomy noch ganz am Anfang stand, führte ihr Gründer Mike Lynch die Besucher in seinen Büroräumen in der historischen Universitätsstadt Cambridge gern an einer ganz bestimmten Tür vorbei. „Zutritt nur für Befugte", stand dort auf einem Schild zu lesen. Dahinter arbeiteten 500 Ingenieure an streng geheimen Projekten, erzählte er den staunenden Gästen. Aber bitte: „Pssst!"
In Wahrheit befand sich hinter der mysteriösen Tür nichts anderes als eine Besenkammer, wie Lynch bei einer Rede im Jahr 2010 zugab. Als er seinen Vortrag hielt, hatte sich die 1996 gegründete Autonomy längst zu einer der größten und am schnellsten wachsenden Softwarefirmen Europas gemausert. Hewlett-Packard kaufte sie im Oktober 2011 für mehr als elf Milliarden Dollar.
In der vergangenen Woche beschuldigte HP Autonomy, „eindeutig falsche Angaben" gemacht zu haben, um ihre Finanzergebnisse künstlich aufzublähen. Und die zuständigen US-Behörden versuchen nun, sich ein Bild zu machen, ob ein Großteil des Geschäfts der Softwarefirma vielleicht auch nur aus einer Fassade bestand. Doch wie konnten die mutmaßlichen Unregelmäßigkeiten HP vor dem Kauf von Autonomy nur entgangen sein? Besonders wenn man bedenkt, dass einige unabhängige Analysten seit Jahren ihre Zweifel an der Buchführung der Briten vorgebracht hatten?
Im Mai gab HP dem Autonomy-Gründer Lynch den Laufpass. Sein Bereich entwickele sich zu schlecht, hieß es zur Begründung. In der vergangenen Woche schrieb der US-Konzern den Wert von Autonomy um 8,8 Milliarden Dollar ab. Mehr als die Hälfte der Belastung sei auf die irreführende Rechnungslegung von Autonomy zurückzuführen, teilte HP mit.
Knallharte Verkaufskultur
Lynch wehrt sich mit aller Macht. Was HP da behaupte, „sei komplett und restlos falsch". In einem Interview vom Montag verteidigte er die Praktiken von Autonomy. Viele der Anschuldigungen rührten von den Unterschieden her, die zwischen den US-Bilanzierungsrichtlinien und den internationalen Regeln, denen Autonomy folge, bestünden. Es gehe dabei meistenteils „um eine Menge spezifischer Detailfragen zu kleinen Einnahmebeträgen bei gewissen Transaktionen". Jeder Verkauf von mehr als 100.000 Dollar wäre von den Wirtschaftsprüfern von Autonomy untersucht worden, sagt Lynch.
„HP hat eine Reihe von Behauptungen aufgestellt, ohne irgendwelche Beweise dafür zu liefern. Wir hätten gern Beweise", fordert Lynch. „Was haben sie eigentlich in der Hand?"
Eine knallharte Verkaufskultur habe bei Autonomy geherrscht, berichten ehemalige Firmenmitarbeiter, Geschäftspartner und mit dem Fall vertraute Rechtsanwälte in Kalifornien und England. Lynch sei von dem Wunsch getrieben worden, Autonomy zu schnellem Wachstum zu verhelfen. Gebieterisch sei Lynch aufgetreten. In einigen Fällen habe er Mitarbeiter sogar beschimpft, wenn sie seine Erwartungen nicht erfüllten.
Autonomy habe in dieser Zeit aggressive Buchhaltungsgepflogenheiten angewendet. Damit sollte sicher gestellt werden, dass die Einnahmen aus der Softwarelizenzierung stets zunahmen – womit gleichzeitig die Bewertung für das britische Unternehmen aufgebessert wurde. Die Firma verbuchte Einnahmen im Voraus ergebniswirksam, die nach den US-Bilanzierungsregeln abgegrenzt worden wären, heißt es. Außerdem seien sogenannte „Rundreisetransaktionen" geschmiedet worden. Dabei hätte Autonomy Produkte oder Dienste eines Kunden gekauft, während der Kunde wiederum Software von Autonomy erworben hätte, berichten Insider.
Auch die SEC ermittelt
„Die Richtlinien sind nicht so kompliziert", sagt Dan Mahoney, der sich bei der Bilanzierungs-Research-Firma CFRA mit Autonomy beschäftigte, bis die Briten übernommen wurden. Autonomy habe die Kennzeichen einer Firma aufgewiesen, die Einnahmen zu aggressiv ausweist. Weder nach den US-Regeln noch nach den internationalen Richtlinien sei es gestattet, noch nicht erhaltene Einnahmen von Kunden, die möglicherweise gar nicht zahlen, ergebniswirksam zu verbuchen. Dies scheine jedoch bei einigen der Transaktionen von Autonomy der Fall zu sein, meint Mahoney.
HP sei überzeugt, dass die Geschäfte selbst gemäß den internationalen Bilanzierungsregeln, auf die sich Lynch beruft, unzulässig sind, sagt eine mit den Nachforschungen von H-P vertraute Person. „Wir haben uns das sehr genau angeschaut."
„Bei der in Gang gesetzten Untersuchung der Aktivitäten gewisser ehemaliger Autonomy-Mitarbeiter durch H-P wurden zahlreiche Transaktionen aufgedeckt, die eindeutig darauf abzielten, die zugrunde liegenden Finanzmessgrößen der Firma vor ihrer Akquisition aufzublähen", schrieb HP in einer am Samstag veröffentlichten Mitteilung.
Auf Drängen von HP überprüfen die US-Börsenaufsicht SEC und das FBI die Praktiken von Autonomy. HP-Chefin Meg Whitman rechnet damit, dass die Ermittlungen „eine mehrere Jahre dauernde Reise durch die Gerichte" in den USA und in Großbritannien nach sich ziehen werden. Über irgendwelche Prozesse oder Ermittlungen sei er formell nicht in Kenntnis gesetzt worden, hatte Lynch am Montag gesagt.
Lynch wuchs in England als Sohn eines Feuerwehrmanns auf. Er studierte Ingenieurwesen an der Cambridge University und erwarb einen Doktortitel in mathematischer EDV. Autonomy, die in einem Gründerzentrum für junge Unternehmen in Cambridge ins Leben gerufen wurde, entwickelte ein Computerprogramm, mit dem sich Dokumente, Webseiten, Präsentationen, Videos, Telefongespräche und E-Mails durchforsten ließen.
Die Technologie war laut Lynch in der Lage, die Bedeutung von Wörtern zu erfassen und entsprechend Daten aufzuspüren. Suche man innerhalb der Server einer Firma zum Beispiel nach dem Wort „Obszönität", erhalte man Suchergebnisse, die eine Reihe unterschiedlicher Schimpfwörter auflisteten und nicht nur den Begriff selbst. Auch Dow Jones & Co, der Herausgeber des Wall Street Journal, hat die Suchsoftware von Autonomy auf seinen Kunden-Websites eingesetzt.
Begeisterter Fan von James-Bond
Lynch erwies sich beim Verkauf und im Marketing als genauso effektiv wie bei der Entwicklung von Software, erinnern sich ehemalige Mitarbeiter, Kunden und Geschäftspartner. Anders als sonst im Universitätsstädtchen Cambridge üblich, „herrschte eine sehr verkaufsorientierte Kultur mit einem sehr geschäftstüchtigen CEO", erzählt Simon Galbraith, der Gründer und Chef von Red Gate Software, deren Büros Autonomy gegenüber liegen.
Die Geschichte von HP
Lynch hegt eine ausgeprägte Vorliebe für den fiktiven Meisterspion James Bond und lebte sie aus, wo immer es ging. Konferenzräume taufte er in Anspielung auf Bond-Filme – einen der großen Sitzungsräume nannte er zum Beispiel „GoldenEye". Wo immer möglich, ließ er den Filmhelden in seine Reden oder Präsentationen einfließen. Und natürlich fuhr er einen Aston Martin, das Bond-Auto schlechthin. Ganz nach dem Geschmack des Agentenerfinders Ian Fleming wären wohl auch die Piranhas gewesen, die Lynch eine Zeit lang im Büro im Aquarium hielt. Manchmal sei die Atmosphäre bei Autonomy genau so auf Konfrontation ausgelegt gewesen wie in einem Bond-Streifen und manchmal sei sie auch einfach nur erniedrigend gewesen, sagen frühere Angestellte.
Ein ehemaliger Mitarbeiter aus der Marketing-Abteilung sei aus dem Büro in Cambridge hinausgeschickt worden, um draußen auf der Straße Zigarettenstummel aufzusammeln, erzählen zwei Augenzeugen. Ein anderer früherer Marketingexperte der Firma erinnert sich, wie er auf einer Geschäftsreise in Miami losziehen musste, um Unterwäsche für Sushovan Hussain, den Finanzchef von Autonomy, zu kaufen, weil der nicht genug Wechselwäsche eingepackt hatte. Die Fluktuation in der Verkaufs- und Marketingabteilung war hoch. Eine Sprecherin von Hussain bestätigte, dass sich der Vorfall so zugetragen hat. Der Finanzvorstand sei aber einfach für einen Termin zu spät dran gewesen und hätte sein Gepäck verloren. Viele Mitarbeiter seien in der aggressiven Atmosphäre bei Autonomy regelrecht aufgeblüht, andere allerdings nicht, sagte Lynch am Montag.
Gegengeschäfte angeboten
Spitzenmanager von Autonomy hätten die Angewohnheit gehabt, bei Transaktionsverhandlungen in letzter Minute dazu zu stoßen und die Geschäfte zum Abschluss zu bringen. In einigen Fällen habe das für die Leute aus dem Verkauf zu Einbußen bei den Provisionen geführt, in anderen Fällen hätten die Führungskräfte andere Vereinbarungen mit den Kunden ausgehandelt, wie aus rechtlichen Eingaben und den Aussagen ehemaliger Mitarbeiter hervorgeht. Eine Sprecherin von Lynch bestritt, dass es deswegen zu Provisionskürzungen gekommen sei.
Video auf WSJ.com
Manchmal haben die Autonomy-Verkäufer Deals offensichtlich über die Bühne gebracht, indem sie anboten, die Produkte der Kunden zu kaufen. Im Juli 2009 verkaufte Autonomy Software im Wert von neun Millionen Dollar an den New Yorker Datenanbieter VMS Information, berichten der ehemalige VMS-Chef Peter Wengryn und drei Ex-Autonomy-Mitarbeiter. Gleichzeitig willigten die Briten ein, Lizenzen für Daten von VMS über rund 13 Millionen Dollar zu erwerben.
Die Einnahmen aus dem VMS-Geschäft verbuchte Autonomy als Umsatz. Die Kosten für die erworbenen Daten wanderten dagegen in die Rubriken Verkauf-, Marketing- oder andere Aufwendungen und damit in die Bereiche der Gewinn- und Verlustrechnung, die oft als Schlüsselindikator für die Kernrentabilität einer wachsenden Tech-Firma erachtet werden, sagen drei mit der Angelegenheit vertraute Personen.
VMS, die Daten über die Sehgewohnheiten von Fernsehzuschauern verkaufte, hatte seit Anfang der 2000er Jahre Autonomy-Software genutzt, sagt Wengryn. Bei dem Abschluss im Jahr 2009 habe man eingewilligt, gewisse Technologie-Angebote von Autonomy zu nutzen, um das Geschäft zu verbessern. Dass Autonomy eingewilligt habe, die VMS-Daten zu kaufen, habe den Weg für den Großeinkauf von VMS bei Autonomy geebnet.
„Die Tatsache, dass sie daran interessiert waren, unsere Daten zu lizensieren, hat diese Art von Geschäft ganz sicher und zweifelsohne einfacher gemacht", räumt Wengryn ein. „Wir waren schon an einem Abschluss interessiert, aber vielleicht nicht in der Größenordnung, bei der wir schließlich gelandet sind."
Nach Angaben einer Sprecherin von Lynch habe Autonomy die VMS-Daten für Präsentationen im Vorverkauf genutzt, um ein Autonomy-Produkt zu zeigen, das die Datenströme in sozialen Medien analysierte. Und deswegen habe die Firma den Kauf als Marketing-Aufwendung verbucht. Derartige Deals seien gemäß den internationalen Bilanzierungsrichtlinien, die Autonomy nutzte, erlaubt.
Selbst erstelltes programm genutzt
VMS beantragte im Jahr 2011 Gläubigerschutz. In einer behördlichen Eingabe behauptete Autonomy, VMS habe der Firma zum Zeitpunkt des Bankrotts 6,4 Millionen Dollar geschuldet, die sich aus einer Geschäftsvereinbarung im Dezember 2010 ergeben hätten.
HP wirft Autonomy zudem vor, Einnahmen aus Abschlüssen mit Wiederverkäufern vorgetragen zu haben. Zu den Transaktionen, die H-P dahingehend derzeit unter die Lupe nimmt, gehört ein Deal über rund vier Millionen Pfund Sterling aus dem Jahr 2010, den Autonomy mit dem Reseller Tikit Group abgeschlossen hatte, berichtet eine mit dem Geschäft vertraute Person. Der britische Softwareanbieter Tikit beliefert vor allem Wirtschaftsprüfer und Rechtsanwälte. In jenem Jahr war der Bestand von Tikit auf 4,1 Millionen Pfund in die Höhe geschnellt, verglichen mit nur 89.000 Pfund im Vorjahr. Die Entwicklung sei auf die „Stärkung unserer Beziehung zu einem maßgeblichen Softwareanbieter" zurückzuführen, steht im Jahresbericht der Firma zu lesen.
Autonomy verbuchte den gesamten Deal als Einnahme, heißt es. Aber Tikit habe immer nur dann an Autonomy gezahlt, wenn sie die Software tatsächlich an Kunden verkaufte. Eine Sprecherin von Tikit wollte dazu keine Stellungnahme abgeben. Lynch behauptet, dass die Firma den Bilanzierungsrichtlinien zufolge, denen Autonomy gefolgt sei, Einnahmen ordnungsgemäß in den Büchern ausweisen könne, wenn alle Produkte an einen Wiederverkäufer ausgeliefert wurden. Bei einem Endkunden verhalte sich das anders.
Autonomy nutzte ein selbst erstelltes Computerprogramm namens SMS, um die Kontakte der Verkäufer mit potenziellen Kunden festzuhalten und ihre Erfolgsquoten bei Abschlüssen zu berechnen. Führungskräfte zogen diese Daten zuweilen heran, um für einen großen Verteiler vorgesehene E-Mails zu verfassen, in denen sie erfolglose Verkäufer anprangerten, erinnert sich ein früherer Angestellter in der Verkaufsabteilung. Diejenigen, deren Quoten weiter abfielen als um die Standardabweichung, die die Manager errechnet hatten, seien offen kritisiert oder gleich gefeuert worden.
Unter einigen Hochschulabsolventen in Cambridge war Autonomy als Arbeitgeber bekannt, bei dem man sich nach dem Studium ein hohes Einstiegsgehalt verdienen konnte, dann den Druck für ein Jahr aushielt und den man nach der opulenten Weihnachtsfeier, die jedes Jahr in einem Fünf-Sterne-Hotel in einer anderen europäischen Stadt abgehalten wurde, schleunigst verließ, erzählen Ex-Angestellte.
Praktiken nie ernsthaft in Zweifel gezogen
Im Jahr 2010 hatte ein amerikanischer Autonomy-Topmanager seine Vorgesetzten auf einige Bilanzierungspraktiken hingewiesen, die seiner Meinung nach problematisch waren, berichten mit der Angelegenheit Vertraute. Dazu gehörte auch die Art und Weise, wie Autonomy Einnahmen für Produkte verbuchte, die an Wiederverkäufer veräußert worden waren. Der Manager wurde letztendlich gefeuert, heißt es. Er habe seine Beschwerden dann bei den externen Wirtschaftsprüfern von Autonomy, bei der US-Wertpapieraufsicht SEC und bei Branchenwächtern in Großbritannien vorgebracht.
SEC-Vertreter hätten damals gesagt, sie seien nicht für Autonomy zuständig, weil die Firma in Großbritannien gehandelt wurde, sagen an den Gesprächen Beteiligte. Schließlich ließ sich der Spitzenmanager auf einen Vergleich ein, der es ihm untersagte, sich öffentlich zu Autonomy zu äußern, heißt es.
Der Mitarbeiter sei entlassen worden, weil zwei von ihm betreute Angestellte in Betrügereien bei der Lohnabrechnung verwickelt gewesen seien, teilt eine Sprecherin von Lynch mit. Der Rechnungsprüfungsausschuss des Verwaltungsrats von Autonomy sei über die Behauptungen unterrichtet worden und habe eine unabhängige Untersuchung mit unabhängigen Buchprüfern in die Wege geleitet, die Autonomy bestanden habe. Diese Prüfung sei während des Due-Diligence-Prozesses von H-P beim Kauf der Firma Thema gewesen, sagt die Sprecherin.
Die Wirtschaftsprüfer von Deloitte hätten zwar Fragen zu einzelnen Abschlüssen gestellt, aber die Praktiken von Autonomy nie ernsthaft in Zweifel gezogen, sagen mit der Angelegenheit Vertraute. Die britische Tochter der Firma hatte in der vergangenen Woche „kategorisch dementiert", Kenntnis von Bilanzierungsunregelmäßigkeiten oder falschen Darstellungen in den Finanzausweisen von Autonomy zu haben. Deloitte lehnte eine weitere Stellungnahme ab.
Im Jahr 2010, dem letzten vollständigen Geschäftsjahr von Autonomy vor ihrer Übernahme durch H-P, legten die Briten glänzende Ergebnisse vor. Die Einnahmen erhöhten sich binnen Jahresfrist um 18 Prozent auf die Rekordhöhe von 870 Millionen Dollar. Der Gewinn kletterte um 14 Prozent auf 377 Millionen Dollar.
HP fühlt sich hinters Licht geführt
Zu dem Zeitpunkt, als sich HP zum Erwerb von Autonomy entschloss, war der damalige Konzernchef Léo Apotheker gerade dabei, die Firma mit aller Macht zum Software-Giganten umzubauen. Mögliche Probleme mit dem Geschäft von Autonomy machten sich schon kurz nach dem Abschluss der Transaktion Anfang dieses Jahres bemerkbar, sagen Insider. Das Unternehmen forderte einen Teil der Provisionen wieder ein, die an Verkäufer gezahlt worden waren, die zweifelhafte Bilanzierungsmethoden angewendet hatten, berichten sie.
Autonomy habe versucht, an gewissen Buchungspraktiken festzuhalten, die die neue Muttergesellschaft nicht mehr dulden wollte. Im Mai wurde Lynch gefeuert. Und bald danach berichtete ein Manager, der Lynchs engstem Kreis von Vertrauten angehört hatte und der weiter bei HP arbeitete, dem Chefjustiziar des Unternehmens über mögliche Bilanzierungsprobleme.
HP sei vorsätzlich in die Irre geführt worden, was die finanziellen Ergebnisse von Autonomy angehe, hatte Whitman in der vergangenen Woche bei der Vorlage der Quartalsergebnisse von H-P deutlich gemacht. Fünf Milliarden Dollar der Abschreibung bei Autonomy seien auf die Bilanzierungsschwierigkeiten zurückzuführen, sagte sie, wollte aber nicht erklären, wie die Probleme sich zu einer derart hohen Summe aufaddieren konnten.
Lynch behauptet, Misswirtschaft durch HP sei für die Verschlechterung des Geschäfts von Autonomy verantwortlich. HP habe von den unterschiedlichen Bilanzierungsstandards gewusst, die Autonomy zum Zeitpunkt des Deals angewendet habe. „Wie kommt es, dass HP jetzt plötzlich aufwacht und sagt, dass ihnen das erst jetzt gedämmert ist", fragt er. „Was eigentlich dahinter steckt, ist, dass das Geschäft aus unterschiedlichen Gründen unter der Führung von H-P nicht voran gekommen ist."
—Mitarbeit: Ben Rooney und Joann S. LublinKontakt zu den Autoren: redaktion@wallstreetjournal.de









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