Von MADELEINE NISSEN
Die von Wirbelsturm Sandy verursachten Schäden fallen weitaus höher aus als bislang angenommen. Die Risikoanalysten von AIR Worldwide rechnen inzwischen mit Gesamtkosten von 16 bis 22 Milliarden US-Dollar. Selbst im günstigsten Fall ist das mehr als die auf Abschätzung von Risiken spezialisierte Agentur maximal erwartet hatte: Bislang umfasste ihre Schadensprognose eine Spanne von 7 bis 15 Milliarden US-Dollar.
Vor einem Monat war Sandy zunächst durch die Karibik gefegt und hatte schwere Verwüstungen in Haiti angerichtet. Dann traf der Sturm auf die Ostküste der USA und richtete vor allem im Großraum New York große Schäden an.
Wie hoch sie sind, betrifft jetzt vor allem Rückversicherer, die mit ihrem Kapital dafür sorgen, dass die Erstversicherer auch im Fall von Naturkatastrophen den betroffenen Menschen und Unternehmen ihre Schäden ersetzen können. Der zweitgrößte Rückversicherer Swiss Re hat sich schon aus der Deckung gewagt und eine Schadensschätzung abgegeben, die höher ausfiel, als Beobachter erwartet hatten.
Auch Munich Re und Hannover Rück müssen angesichts der wahrscheinlich höheren Gesamtschäden ihre internen Prognosen überdenken. Sie halten sich aber noch mit Aussagen zurück. Die Unsicherheit ist zu groß.
Analysten halten es für realistisch, dass die Kosten der Verwüstung, die Sandy hinterlassen hat, am oberen Ende der von ihnen genannten Spannen liegen werden. Einige gehen gar von einer Schadenssumme von bis zu 25 Milliarden Dollar aus.
Hier zieht auch Swiss Re die Obergrenze. Für sich selbst rechnen die Schweizer aktuell mit einer Schadensbelastung von 900 Millionen Dollar vor Steuern. Sandy und die Folgen seien mit ungewöhnlich großen Unwägbarkeiten verbunden, so dass eine nachträgliche Anpassung eventuell nötig werde, erklärte Swiss Re.
So hatten etwa die Analysten von AIR mit niedrigeren Schäden als Folge von Überschwemmungen in Küstengebieten gerechnet. Aber auch darüber hinaus gibt es noch viele Unbekannte.
Grund genug für die deutschen Rückversicherer, mit Prognosen vorsichtig zu sein. Die Hannover Rück will sich noch Zeit mit konkreten Aussagen lassen bis sie die Lage besser einschätzen kann, wie ein Sprecher am Dienstag dem Wall Street Journal Deutschland sagte.
Wie Sandy die amerikanische Ostküste heimsuchte
Hannover Rück ist wegen der ansonsten geringen Großschäden in diesem Jahr allerdings gut mit Kapital ausgestattet. Nach neun Monaten war nur rund ein Drittel des Budgets für das Gesamtjahr verbraucht. „Wir haben ein gutes Polster für Sandy, um einen etwas größeren Schaden abfedern können", bekräftigte der Rückversicherer.
Branchenführer Munich Re hat die eigene Belastung aus Sandy auf einen mittleren dreistelligen Millionenbetrag in Euro geschätzt. Basis für diese Prognose sind Gesamtschäden in der Größenordnung von bis 20 Milliarden Dollar. Die eigene Schätzung halte auch dann, wenn der tatsächliche Marktschaden am oberen Ende liegen sollte, betonte Munich Re am Dienstag und bestätigte damit bisherige Aussagen.
Sandy ist vom Schadensvolumen her vergleichbar mit dem Hurrikan Andrew, dem zweitteuersten Sturm in der amerikanischen Geschichte. Der Wirbelsturm, der im August 1992 über Florida hinwegfegte, verursachte einen versicherten Schaden von 15,5 Milliarden Dollar. Inflationsbereinigt entspricht das heute 23 Milliarden Dollar. Nur der Hurrikan Katrina im August 2005 war noch teurer.
—Mitarbeit: Ulrike DauerKontakt zum Autor: Madeleine.Nissen@wsj.com



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