• The Wall Street Journal

Wie Assad um Damaskus kämpft

DAMASKUS—Alles was von Abu Mohammeds Haus seiner Vorfahren in der syrischen Hauptstadt Damaskus übrig geblieben ist, sind zwei Räume aus Lehmsteinen und einige Feigen-, Wollmispel- und Maulbeerbäume.

Sam Dagher/ The Wall Street Jour

Eine Familie geht an von Syriens Regierung zerstörten Häusern in der Rebellenhochburg Qaboun in Damaskus vorbei.

Alles wurde im Rahmen eines Regierungsprogramms niedergewalzt. Offiziell dient es zur Beseitigung von Slums, doch dahinter steckt offenbar ein politisches Motiv: Es geht darum, Wohngegenden zu isolieren, die mit Syriens bewaffneten Aufständischen sympathisieren - und sie dann auszulöschen. Das ist zumindest die Darstellung von Kritikern der syrischen Regierung, von Menschenrechtsgruppen und sogar von einigen Beamten der Regierung selbst.

„Wir leben jetzt wie Zigeuner", sagt Abu Mohammed, der mit seiner Frau und fünf Kindern in einen anderen Teil der Stadt gezogen ist, nachdem Teile seines Viertels namens Qabun – eines der ersten, in dem Aufstände gegen Syriens Regime stattfanden – niedergewalzt und von Militär umstellt wurden.

Viertel auslöschen statt Häuserkampf

Das Regierungsprogramm steht im Gegensatz zum heftigen Häuserkampf in der Stadt Aleppo in Syriens Norden. In der Hauptstadt Damaskus scheint die Strategie darauf ausgerichtet zu sein, die Rebellen durch die Zerstörung und militärische Umstellung von Wohnvierteln zu bekämpfen, in denen sie operieren.

Für das Regime von Präsident Baschar al Assad geht es in Damaskus um nichts weniger als die Frage, ob es die Kontrolle auch über das gesamte Land wiedererlangen kann. „Wenn sie Damaskus verlieren, verlieren sie den Staat", sagt Patrick Seale, Autor und Syrien-Experte aus Großbritannien.

Hohe Sicherheitsbeamte innerhalb des Assad-Regimes sagen, die teilweise Zerstörung von Wohnvierteln, deren Bewohner mit den Rebellen sympathisieren, sei ein Schlüsselfaktor für einen Aufstandsbekämpfungsplan, der sich gerade entfaltet. Der Plan beinhaltet auch die Ausweitung von staatlich finanzierten Milizen, die als „Volkskomitees" in der Hauptstadt bekannt sind.

Die Beamten sagen, dass die Strategie ein Ergebnis von dem sei, was man bei anderen Offensiven gegen Rebellen gelernt habe, seit der Konflikt vor mehr als 20 Monaten ausgebrochen war.

Die offizielle Regierungsposition lautet, dass die Zerstörung Teil eines schon lange geplanten Entwicklungsvorhabens sei, Damaskus von illegalen Slums zu befreien. Stadtbeamte sagen, dass illegale Siedlungen fast 20 Prozent der rund eine Millionen Quadratmeter Fläche der Hauptstadt ausmachen.

Minderheiten halten zu Assad

Die Strategie ist rund um die sogenannten „Volkskomitees" aufgebaut. Diese werden aus zur Regierung loyalen ethnischen Minderheiten wie Alawiten, Christen, Drusen, schiitischen Muslimen und palästinensischen Flüchtlingen rekrutiert, die die überwiegend sunnitischen Rebellen fürchten und sich daher vom Schutz des Assad-Regimes abhängig fühlen.

Die Hisbollah hat jeder aktiven Rolle in Syrien widersprochen. Die schiitische Regierung des Iran bestätigte dagegen, dass man Assad bei der Bildung der Milizen helfe. Mitglieder dieser „Volkskomitees" werden von der Regierung mit Waffen ausgestattet, mit einem monatlichen Sold entlohnt und sie erhalten Essensrationen. Mittels dieser gut bewaffneten Milizen ist es dem Regime gelungen, Damaskus und seine Vororte in eingegrenzte Sicherheitszonen aufzuteilen.

Video auf WSJ.com

Residents say entire sections of mostly Sunni enclaves in northeastern Damascus have been bulldozed to the ground by government troops. WSJ's Sam Dagher reports from the Syrian capital.

Ganz Stadtviertel der Hauptstadt wurden in den vergangenen Monaten plattgewalzt. Im südwestlichen Viertel Mezze wurden Wohnungen und Läden von bekannten sunnitischen oppositionellen Familien zerstört. Unterdessen bleibt eine illegal errichtete alawitische Siedlung auf einem benachbarten Hügel namens Mezze 86 von den Zerstörungs-Truppen unberührt – auch wenn sie in diesem Monat von mehreren verheerenden Bomben der Rebellen getroffen wurde.

Es handelt sich um eine gekürzte Version des Originalartikels auf WSJ.com.

Kontakt zum Autor: redaktion@wallstreetjournal.de

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