• The Wall Street Journal

Facebook-Analysten schwenken um - Anleger folgen

Reuters

Die Facebook-Aktie klettert weiter - Analysten gehen davon aus, dass das soziale Netzwerk bald mehr mit mobiler Werbung verdienen wird.

Eine der größten Facebook-Bären hat seine Meinung zu dem Sozialen Netzwerk geändert und der jüngsten Kursrally der Aktie damit neuen Schub verliehen.

Bernstein Research, das Analysehaus, das sich seit dem Börsengang von Facebook im Mai am skeptischsten zu dem Unternehmen geäußert hat, hob seine Einschätzung der Aktie am Montag auf "outperform" von "market perform" an. Die Wall Street unterschätze womöglich Facebooks Umsatzpotenzial in den nächsten 12 bis 24 Monaten, erklärten die Analysten.

"Aktuell und über kurze bis mittlere Frist wird die Wachstumskurve des Umsatzes (von Facebook) der wichtigste Treiber für die Entwicklung der Facebook-Aktie sein", sagt Bernstein-Analyst Carlos Kirjner. Facebook dürfte es schaffen, mehr mit mobiler Werbung und neuen Geschäftsfeldern wie Facebook Gifts zu erlösen, meint er. Sein Kursziel nahm er deshalb von 23 auf 33 Dollar nach oben.

Die Facebook-Aktie machte daraufhin einen kräftigen Sprung nach oben. Zum Handelsschluss an der Nasdaq lagen die Papiere bei 25,94 Dollar acht Prozent höher als am Freitag. Bereits in den vergangenen zwei Wochen hatte die Aktie 25 Prozent zugelegt.

Eine weitere Hochstufung gab es für Facebook zu Wochenbeginn vom Brokerhaus BTIG. Zwar ist die Entscheidung von Facebook, die Telefon-Displays seiner Nutzer mit mehr Werbung zu versehen, aus Sicht der Analysten "ein ernsthafter Fehler". Das schließe aber nicht aus, dass ein kurzfristiger Aufschwung bei den Anzeigeerlösen die Ergebnisse positive beeinflusse. BTIG erwartet nun, dass Facebook mit seinen Zahlen für das vierte Quartal die Erwartungen übertreffen wird und bewertet die Aktien jetzt mit "neutral". Im Oktober hatten das Haus sein Anlageurteil auf "sell" gesenkt und dies damit begründet, dass das Unternehmen mit seiner Strategie das langfristige Wachstum aufs Spiel setze.

Trotz der jüngsten Rally liegt die Facebook-Aktie noch weit von ihrem Ausgabepreis entfernt. Beim IPO im Mai kosteten die Papiere 38 Dollar je Stück.

Bernstein-Analyst Kirjner hatte die Beobachtung der Facebook-Aktie am 4. Juni mit dem negative Votum "underperform" und einem Kursziel von 25 Dollar begonnen. Damals sagte er, das Unternehmen stehe vor "beträchtlichen Risiken", weil die Anleger daran zweifelten, dass es seine Ziele für 2013 erreichen könne. Auch zu den Chancen von "sozialer Werbung" zeigte er sich skeptisch. Ende Juli nahm er sein Kursziel weiter zurück auf 23 Dollar. Auch wenn Facebooks einzigartige Wachstumsmöglichkeiten einen kleinen Aufschlag rechtfertigten, reiche dies nicht für eine positive Sicht auf die Aktie, sagte er damals.

Jetzt hat Kirjner das Lager gewechselt. "Die weitere Monetarisierung des (mobilen) Newsfeeds wird der Hauptwachstumstreiber sein", sagt er. "Wir glauben, dass Facebook in den nächsten 18 bis 24 Monaten wahrscheinlich die Anzahl der an jeden Kunden ausgelieferte Werbung Werbemittel erhöhen kann". Die Wahrscheinlichkeit, dass die Nutzererfahrung darunter leide, sei gering.

Aber auch wenn Kirjner die kurz- und langfristigen Aussichten von Facebook optimistischer als zuvor einschätzt, weist der Analyst auf zahlreiche Risiken der Aktie hin. "Facebook bleibt ein riskantes Investment, es hängt immer noch vom langfristigen und noch nicht erwiesenen Erfolgs der Werbung im sozialen Umfeld ab, der Umsetzung der Möglichkeiten der Plattform und dem Potenzial, neue Geschäftsfelder zu erschließen", sagt er.

Doch zurzeit scheint es mehr zu geben, das für den Kauf statt den Verkauf der Aktie spricht. "Bei einem Kurs von 24 Dollar sehen wir für die nächsten zwölf Monate eher eine Aufwärts- statt Abwärtsbewegung,, vorausgesetzt, dass der tatsächliche Umsatz unsere konservative Schätzung übertrifft."

—Mitarbeit: Drew Fitzgerald

Kontakt zum Autor: redaktion@wallstreetjournal.de

Berichtigung
Bernstein Research hob seine Einschätzung der Aktie am Montag auf "outperform" von "market perform" an. In einer früheren Version hieß es irrtümlich, das Analysehaus habe von "underperform" auf "market perform" hochgestuft.

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