• The Wall Street Journal

10.000 US-Soldaten sollen in Afghanistan bleiben

Die US-Regierung unter Barack Obama will etwa 10.000 US-Soldaten in Afghanistan lassen, wenn die internationalen Truppen das Land Ende 2014 verlassen. Untervorbehalt der Zustimmung aus Kabul soll so auf lange Sicht eine begrenzte Zahl von Streitkräften im Land bleiben. Das erfuhr das Wall Street Journal von ranghohen US-Beamten.

Die Zahl würde ziemlich genau in der Mitte des Bereichs liegen, den General John Allen empfohlen hat. Der oberste Kommandeur der Koalitionstruppen schlug der Regierung vor, zwischen 6.000 und 15.000 Soldaten im Land zu lassen.

Sie sollen Sicherheitskräfte trainieren und den Terrorismus bekämpfen, wenn die Nato-Mission Ende 2014 vorbei ist, so die Mitarbeiter der US-Regierung weiter. Im Irak haben die USA keine Truppen – das wurde oft als wichtiger Grund angeführt, warum die Region so instabil ist.

Die Truppen sollen die afghanischen Streitkräfte entlasten. 10.000 Soldaten wären für Afghanistan allerdings eine überschaubare Zahl. In den Augen mancher Experten allzu überschaubar – sie sagen, die USA würden weit mehr Soldaten brauchen, um die afghanischen Truppen zu trainieren und das Land im Gleichgewicht zu halten. So etwa Kimberly und Frederick Kagan, Sicherheitsberater des US-Militärs.

Unabhängig von der Zahl – die Zustimmung des afghanischen Präsidenten Hamid Karzai bräuchte Obama in jedem Fall. Gerade diskutieren die beiden Parteien eine Vereinbarung über die langfristige Zusammenarbeit in Sicherheitsfragen.

Afghanische Regierungsvertreter sagten, dass Karzai US-Truppen auch nach 2014 im Land akzeptieren würde. Aber nur, solange seine Mindestbedingungen erfüllt werden. Eine besonders wichtige: Amerikas Truppen sollen unter die Zuständigkeit von afghanischen Gerichten kommen. An einer ähnlichen Forderung sind schon die Sicherheitsgespräche zwischen den USA und dem Irak gescheitert – so dass die USA ganz abgezogen sind.

Kimberly und Frederick Kagan haben das US-Militär in Afghanistan beraten. Eine Truppe von 10.000 Personen hätte nicht die Kapazität, afghanische Kräfte zu trainieren, sagen sie – die Soldaten wären vollkommen damit beschäftigt, den Terrorismus zu bekämpfen. Das könnte einer Einigung mit Kabul im Wege stehen. Denn für die afghanische Regierung ist Al-Qaida keine direkte Bedrohung. „Warum sollte Karzai sich auf einen Deal einlassen, der aus seiner Sicht nur uns nutzt", fragt Frederick Kagan.

Doch wie viele Truppen im Land bleiben ist nur eine der wichtigen Frage für das Weiße Haus. Noch kontroverser könnte werden, wie Amerika seine Soldaten abzieht. Jetzt sind 66.000 in Afghanistan. Wie schnell die Truppen zurückgeholt werden, könnte zu Streit zwischen dem Militär und der Regierung führen. Denn das Weiße Haus würde über die nächsten zwei Jahre gerne konstant und kräftig abziehen – während das Verteidigungsministerium den Ansatz von Oberkommandeur Allen bevorzugt. Er will die meisten Abzüge bis zu den Wintermonaten verschieben, wenn weniger gekämpft wird.

Kontakt zum Autor: redaktion@wallstreetjournal.de

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