Von DAPD
Jerusalem--Der israelische Verteidigungsminister Ehud Barak scheidet überraschend aus der Politik aus. Er werde sein Amt noch bis zur Bildung einer neuen Regierung nach der Parlamentswahl im Januar bekleiden, erklärte Barak am Montag in einer kurzfristig anberaumten Pressekonferenz. Danach sei für ihn Schluss. "Ich habe diese Entscheidung nicht ohne Zögern getroffen, aber mit ganzem Herzen."
Barak, eine langjährige Größe in der israelischen Spitzenpolitik, galt innerhalb der Regierung von Ministerpräsident Benjamin Netanjahu als moderat und war vom Regierungschef immer wieder als inoffizieller Gesandter nach Washington geschickt worden, um Differenzen mit dem wichtigsten Verbündeten, den USA, auszuräumen.
Zuletzt waren die beiden Berichten zufolge aber darüber in Streit geraten, ob Israel bei seinen Plänen zu einem Angriff auf die Atomanlagen des Iran den USA nachgeben sollte. Die Unabhängigkeitspartei des 70-jährigen Barak hatte nach der jüngsten Militäroffensive Israels im Gazastreifen in Umfragen wieder zugelegt.
Grund für seine Entscheidung sei vor allem, dass er mehr Zeit für seine Familie haben wolle, sagte der hochdekorierte General und ehemalige Ministerpräsident. "Ich habe das Gefühl, dass ich meine politische Aktivität - die nie eine Wunschvorstellung von mir war - ausgeschöpft habe. Es gibt viele Wege, meinem Land zu dienen, nicht nur durch die Politik." Barak ist verheiratet und hat drei Kinder.
Fragen, ob er trotz der Ankündigung nach der Parlamentswahl am 22. Januar als außerparteilicher "Expertenminister" einer künftigen israelischen Regierung angehören könnte, wich Barak am Montag aus. Beobachter werteten das als Zeichen, dass er sich möglicherweise doch noch eine Hintertür für eine Rückkehr in die Politik offenhalten wollte.
Im Laufe seiner politischen Karriere hatte Barak eine Reihe hoher Ämter in verschiedenen israelischen Regierungen bekleidet. Der langjährige Vorsitzende der Arbeiterpartei war Verteidigungs-, Innen- und Außenminister. Von 1999 bis 2001 war er Ministerpräsident Israels.
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