Von SPENCER JAKOB
Während Manager stets geradezu besessen auf das Ergebnis schauen, muss die trostlose Wissenschaft stets das gesamte Bild betrachten. Einige Volkswirte haben in den jüngsten US-Unternehmenszahlen einen Grund zur Sorge ausfindig gemacht: die Umsätze. Ist das nur eine realitätsferne Debatte von Ökonomen im Elfenbeinturm oder bedeuten die enttäuschenden Unternehmensumsätze wirklich Ärger für das vierte Quartal?
Nachdem inzwischen fast sämtliche US-Unternehmen des S&P 500 ihre Ergebnisse des dritten Quartals veröffentlicht haben, zeigt sich, dass sie die Gewinne in etwa stabil halten konnten – und damit etwas besser als erwartet abschnitten. Anfang Oktober rechneten von Thomson Reuters befragte Analysten im Schnitt mit einem Rückgang des Gewinnwachstums von zwei Prozent gegenüber dem Vorjahr. Das wäre der erste Rückgang seit der Rezession. Letztlich sieht es aber so aus, als sei die Zahl doch noch einmal gewachsen – wenn auch nur ganz knapp.
Doch die Umsätze der Konzerne waren überraschend schwach. 61 Prozent der Unternehmen verfehlten die Erwartungen. Ihre Umsätze sanken um fast einen Prozentpunkt – der erste Rückgang seit 2009.
Warum die schwächen Umsätze Warnsignal sind
Das ist bedeutsam. Denn während die Margen immer schwanken, zeichnen die Umsätze normalerweise das Bruttoinlandsprodukt nach. Das Wirtschaftswachstum in den USA im dritten Quartal schlug mit (auf das Jahr gerechnet) 2 Prozent die Prognose und wird wahrscheinlich sogar noch größer ausfallen, wenn die aktuellen korrigierten Zahlen in dieser Woche veröffentlicht werden. Unterdessen wurden die Schätzungen für das Wachstum im vierten Quartal auf annualisiert 1,8 Prozent nach unten korrigiert, zeigt eine Umfrage des Wall Street Journals. Selbst diese Zahl könnte allerdings noch zu hoch gegriffen sein, wenn die Absätze weiter zurückgehen.
Eine Aufstellung der Gewinne unter den S&P-500-Unternehmen gibt allerdings Anlass für begrenzten Optimismus. Die Branchen mit dem geringsten Wachstum waren Rohstoffe, Energie und Versorgungswirtschaft. Niedrigere Rohstoff- und Energiekosten können den Rest der Wirtschaft stützen.
Internationales Geschäft ist schwach
Ein anderer Grund für Gelassenheit bezüglich der US-Wirtschaft ist, dass die enttäuschenden Umsätze mit dem schwachen internationalen Geschäft korrelieren. Verlangsamtes Wachstum im Ausland und ein starker Dollar haben die Umsätze belastet.
So musste McDonald's im dritten Quartal stagnierende Verkäufe im Vergleich zum Vorjahr melden. Doch ohne Währungseffekte wären die Umsätze um 4 Prozent gestiegen. Anderseits sind die Aussichten des Fastfoodriesen für das vierte Quartal besorgniserregend: Im Oktober gingen die Umsätze erstmals seit neun Jahren zurück. Diesmal führte vor allem das US-Geschäft zu dem Rückgang.
Nicht Wechselkurse und Rohstoffpreise könnten die nächste Runde für schwache Umsatzzahlen begründen, sondern hausgemachte Gründe in den USA wie die Fiskalklippe. Mit einem derart schwachen Wirtschaftswachstum müssen Amerikas Unternehmen einen Zahn zulegen.
Kontakt zum Autor: redaktion@wallstreetjournal.de







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