• The Wall Street Journal

Aktienmarkt in Kairo bricht fast 10 Prozent ein

dapd

Ägypter protestierten am Sonntag auf den Straßen in Kairo gegen den Machtzuwachs von Präsident Mohammed Mursi. Am Aktienmarkt brachen die Kurse um fast 10 Prozent ein.

DUBAI—Die neu entflammten Proteste gegen den Machtzuwachs des ägyptischen Präsidenten Mohammed Mursi haben der Börse in Kairo erheblich zugesetzt. Der Leitindex EGX-30 brach am Sonntag um 9,6 Prozent auf 4.917,73 Punkte ein. Es war der größte Tageskurssturz seit den Volksaufständen vor anderthalb Jahren, die Ex-Präsident Husni Mubarak das Amt gekostet hatten.

Verunsicherte Anleger, die sich über die wirtschaftliche Zukunft Ägyptens ohnehin schon Sorgen gemacht haben, fürchten, dass dem Land wegen der Massendemonstrationen erneut ein politischer Stillstand droht und der Internationale Währungsfonds (IWF) und andere Geldgeber versprochene Finanzhilfen zurückhalten könnten.

Vergangene Woche hatte der IWF mit der ägyptischen Regierung ein vorläufiges Abkommen über einen Kredit in Höhe von 4,8 Milliarden US-Dollar getroffen. Daraufhin ging es am Aktienmarkt noch leicht nach oben. Am Donnerstagabend aber hatte Präsident Mursi neue Verfassungsdekrete erlassen, die seine Entscheidungen der Justiz entzieht und ihm fast absolute Macht einräumt. Tausende von empörten Ägyptern gingen daraufhin auf die Straße.

Reuters

Am Sonntag öffnete die Börse in Kairo erstmals nach zwei Tagen wieder. Die Unsicherheit der Anleger über die politische und wirtschaftliche Zukunft des Landes ist groß.

„Es gibt eine kurzfristige Stimmung, über die man sich Sorgen machen muss, aber auch eine mittelfristige, die sich auf die Fundamentaldaten auswirken wird", sagt Mike Millar, Forschungsleiter beim Kairoer Börsenmakler Naeem Brokerage. Er empfiehlt Anlegern, in defensive Aktien zu investieren, die von der innenpolitischen Lage in Ägypten unberührt blieben.

Die ägyptische Wirtschaft leidet seit den Volksaufständen im Februar 2011 unter dem harschen Rückzug von Touristen und ausländischen Investoren. Zuvor galt das Land stets als Star unter den Schwellenländern, weil es die größte Bevölkerung im Nahen Osten aufweist und jahrzehntelang politisch stabil war.

In der Kreditvereinbarung mit dem IWF versprach die ägyptische Regierung unter anderem, ihr System der Energiesubventionen zu reformieren und das Steuersystem zu erneuern. Das könnte in den nächsten Monaten den Volkszorn noch weiter anheizen. In Jordaniens Hauptstadt Amman gab es Anfang des Monats nach ähnlichen Kürzungen bei den Energiesubventionen weitreichende Proteste,

Associated Press

Am Freitag gab es in Kairo Zusammestöße zwischen Anhängern und Kritikern des ägyptischen Präsidenten Mohammed Mursi.

Analysten fürchten nun, dass neue Tumulte auf Ägyptens Straßen Touristen und ausländische Investoren weiter abschrecken könnten. „Die Eskalation der Ereignisse ist kurzfristig negativ, weil sie die politische Unsicherheit erhöhen und weitere Unruhen wahrscheinlich machen. Es könnte aber die Übergangszeit verkürzen", sagen Analysten beim Börsenhändler HC Brokerage.

Am Freitag und Samstag bleibt die Börse in Ägypten traditionell geschlossen. Sonntag war insofern der erste Handelstag nach dem Gesetzeserlass von Präsident Mursi.

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