Von ETHAN SMITH
Wie jeder weiß, der sich an Jim Morrison, Whitney Houston oder Amy Winehouse erinnert, ist das Rockstar-Dasein mit erheblichen Risiken verbunden. Ein Forscherteam aus Großbritannien hat jetzt versucht, dieses Risiko genau zu messen.
Sie verglichen die Wahrscheinlichkeit eines vorzeitigen Todes bei Rockstars mit der bei Normalbürgern und fanden heraus: Wer lange leben will, sollte einen anderen Karriereweg wählen. Wenn man schon Musiker werden muss, dann am besten in einer Band – Solomusiker ereilt mit doppelt so hoher Wahrscheinlichkeit ein früher Tod wie Bandmitglieder.
Die Studie hat 1489 Stars aus Pop, Rock, Hip-Hop und Punk unter die Lupe genommen. 137 beziehungsweise 9,2 Prozent von ihnen starben in dem Zeitraum von 50 Jahren, den die Studie einbezieht. Fast 39 Prozent dieser Todesfälle hatten mit Gewalt, Alkohol oder Drogenkonsum zu tun.
Die Studie namens „Dying to be Famous" wurde nun im British Medical Journal veröffentlicht. Untersucht wurden nordamerikanische und europäische Musikstars, die zwischen 1956 und 2006 berühmt wurden. Künstler anderer Musikrichtungen wie Jazz und Folk, die nicht zum Mainstream gehören, sowie Künstler aus anderen Teilen der Welt waren von der Studie ausgeschlossen. Als Datum, an dem ein Künstler berühmt wurde, zählten die Forscher den Tag, an dem einer seiner Songs zum ersten Mal in den Top-40-Charts auftauchte.
Die Musiker wurden dann mit Normalbürgern mit ähnlichen demografischen Eigenschaften verglichen. „So wird Elvis Presley, dessen erstes Album im Januar 1956 erschien, mit den Überlebenschancen von 21-jährigen, weißen amerikanischen Männern im Jahr 1955 verglichen", sagen die Autoren. Verglichen mit Normalbürgern hatten nordamerikanische Popstars 40 Jahre, nachdem sie berühmt wurden, eine 87,6 Prozent so hohe Chance, noch am Leben zu sein. Das ist die niedrigste Wahrscheinlichkeit aller in der Studie untersuchten Gruppen.
Die Forscher nutzten frei zugängliche Informationen, um die Todesursache herauszufinden. Eine Überdosis an Drogen oder Alkohol war die am weitesten verbreitete Ursache. Außerdem suchten sie in Zeitungen nach Berichten, die darauf hindeuteten, dass der tote Star eine schwierige Kindheit durchgemacht hat. Auch das steht laut der Studie im Zusammenhang mit einem frühen Tod. So scheinen auch Wohlstand und Berühmtheit nicht vor den Konsequenzen eines frühen Traumas zu schützen.
Mark Bellis, Autor der Studie und Direktor des Centre for Public Health in Liverpool, veröffentlichte die Liste der untersuchten Stars erst mit der gesamten Studie, um vor der Veröffentlichung der Ergebnisse Debatten um Todesursachen oder Kindheitstraumata zu vermeiden.
Die Studie geht nicht auf die verbreitete Theorie ein, dass Schlagzeuger häufiger ein früher Tod ereilt als andere Musiker. Beispiele für verstorbene Schlagzeuger sind John Bonham von Led Zeppelin und Keith Moon von The Who. Der Film „This is Spinal Tap", der von einer fiktiven Heavy-Metal-Band handelt, beschreibt eine ganze Reihe toter Schlagzeuger. Bellis sagt, es gebe zu viele Musiker, die verschiedene Instrumente beherrschen, sodass eine solche Analyse nicht möglich sei.
In Nordamerika starben 23 Prozent aller Solomusiker verfrüht, verglichen mit zehn Prozent der Musiker, die Mitglied in einer Band waren, zeigt die Studie. In Europa sind es zehn beziehungsweise fünf Prozent. Die Studie ruft zu weiterer Forschung auf, die untersuchen soll, „ob Bands einen Unterstützungsmechanismus bilden, der die Gesundheit schützt."
Die Studie erklärt auch, dass Fans nicht über alle verfrühten Todesfälle der Stars Bescheid wissen. Zwar wissen viele vom Drogen- und Alkoholkonsum von Amy Winehouse, die 2011 starb, doch oft hat der Lebensstil der Rockstars auch langfristige Konsequenzen wie Krebs, Herzkrankheiten und psychische Probleme.
Einige Vorurteile bestätigt die Studie auch: So waren die 1960er und 1970er Jahre verkommener als die darauffolgenden Jahrzehnte. Oder, in den analytischen Worten der Studie: „Nach 1980 berühmt zu werden steht im direkten Zusammenhang mit einer höheren relativen Überlebenschance."
Bellis sagt, eine mögliche Erklärung sei die Professionalisierung der Musikindustrie. Heute wählen viele bewusst eine Karriere in der Musikwelt, während sie früher womöglich nur ein Fluchtweg aus schwierigen Umständen war.
Kontakt zum Autor: redaktion@wallstreetjournal.de









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