Von ANN ZIMMERMAN
FLANDERS – Der Spielzeughersteller Toys-R-Us hat in den USA 600 Filialen, die regelmäßig mit Spielzeug beliefert werden. Eine Milliarde Dollar an Waren bestellen die Kunden zusätzlich im Internet. Ein Großteil des Geschäfts wird kurz vor Weihnachten gemacht. Marie Robinson ist die Frau, die das alles koordiniert und sicherstellt, dass die Geschenke rechtzeitig bei den Kunden ankommen. Das Handwerkszeug dazu hat sie in der Armee gelernt.
Die ehemalige Logistikoffizierin der US-Armee hat im ersten Golfkrieg Soldaten mit Nahrung und Munition versorgt und überwacht jetzt die Reise von Barbie-Puppen und sprechenden Furbys vom Frachthafen zu den Spielzeugläden oder zu den Kunden nach Hause.
Robinson hat eine wichtige Aufgabe, denn Toys-R-Us muss so schnell und günstig liefern wie möglich, um mit Rivalen wie Amazon.com mithalten zu können. Um das zu erreichen, hat Toys-R-Us seine Filialen Anfang des Jahres zu Verteilerzentren gemacht, wo Mitarbeiter Spielzeuge aus den Regalen nehmen und an die Online-Kunden schicken. Mit diesem komplizierten Modell sollen die Lager effizienter genutzt und die Internetkonkurrenz überflügelt werden.
Unerwartete Herausforderungen
„Als ich diese Stelle bekam, strahlte mein 17-jähriger Sohn und sagte: Meine Mama ist der neue Weihnachtsmann", sagt Robsinson, während sie durch die Vertriebszentrale geht, die 140 Filialen beliefert und in der Vorweihnachtssaison täglich 11.000 Internetbestellungen aus dem Nordwesten der USA erfüllt. „Wenn man an den Weihnachtsmann denkt, sieht man meistens eine hölzerne Berghütte vor sich", sagt Robinson. „Aber hier sieht es mehr wie in der Kontrollstation der Nasa aus."
Trotz starker Umsätze im Online-Shop haben die Umsätze von Toys-R-Us in den vergangenen zwei Jahren bei etwa 14 Milliarden Dollar stagniert, während der Gewinn gesunken ist. Das deutet darauf hin, dass die Kunden mehr im Internet als im Laden einkaufen, ohne dass insgesamt neue Kunden hinzukommen. Die Umsätze im US-Geschäft waren im dritten Quartal in Filialen, die seit mindestens einem Jahr geöffnet sind, um vier Prozent gefallen.
Robinsons Herausforderungen können auch unerwartet auftauchen: Nachdem der Wirbelsturm Sandy im Oktober die Region um New York verwüstete, hatte Toys-R-Us ein logistisches Problem. 30 Container mit Spielzeug sollten bis zum Black Friday, dem größten Einkaufstag des Jahres in den USA, die Läden erreichen. Doch die Schiffe steckten aufgrund des Wetters auf dem Meer fest.
Video auf WSJ.com
Ein Logistikunternehmen leitete die Schiffe daher von New Jersey in die Bahamas um. Doch Robinson überredete die Firma, zuerst in der Hafenstadt Baltimore zu halten, damit die Fracht es auf anderem Wege rechtzeitig in die Regale schaffen würde.
Toys-R-Us-Chef Jerry Storch glaubt, dass die Zukunft des Einzelhandels den Unternehmen gehört, die eine Kombination aus attraktiven Filialen und Online-Portalen bieten können. Kunden sollen im Internet einkaufen und ihre Bestellungen dann in den Filialen oder zu Hause abholen können.
„Reine Internet-Unternehmen werden bald entweder physische Filialen aufbauen, oder sie bekommen ein Service-Problem", sagt Storch. Andere Ketten wie Wal-Mart und Macy's haben auf ähnliche Modelle umgestellt, die Internet und Filialen kombinieren.
Spielraum für Verbesserungen
Einzelhandelsexperten glauben, dass eine solche Umstellung den Ketten einen Wettbewerbsvorteil gegenüber der Internetkonkurrenz verschaffen könne. Ihre Kosten könnten dadurch sinken, und womöglich wäre sogar eine Lieferung am gleichen Tag möglich.
„Wer es das als erster richtig schafft, der hat einen strategischen Vorteil", sagt Al Sambar, Einzelhandelstratege bei der Beratungsfirma Kurt Salmon Associates.
Doch es gebe im derzeitigen System noch Spielraum für Verbesserungen. Wenn eine Filiale zu sehr mit Paketepacken beschäftigt ist, könnte das die Käufer im Laden stören. Wenn sie nicht genug Versandhandel betreibt, wird das Modell teurer, als mit einer Vertriebszentrale zu arbeiten, wo die Arbeiter den ganzen Tag nichts anderes tun. „Die Kosten können dann um das Drei- bis Fünffache steigen", sagt Sambar.
Toys-R-Us hat eigene Analysten, um zu errechnen, welche Bestellungen auf welchem Weg kostengünstiger zu erledigen sind. Zum Beispiel kann es profitabler sein, ein Produkt von einer weiter entfernten Filiale aus zu schicken, wenn der Lagerbestand dort langsamer verkauft wird und ansonsten im Preis reduziert werden müsste.
Storch glaubt, dass sich die Anstrengungen am Ende auszahlen werden, da so im Internet mehr unterschiedliche Produkte angeboten werden könnten und sich der Gewinn des Unternehmens insgesamt verbessern werde. Außerdem werden die riesigen Filialen dadurch besser ausgelastet, in einer Zeit, da ein großer Teil des Umsatzes im Internet gemacht wird.
Toys-R-Us glaubt, dass die mittelmäßigen Umsätze der vergangenen Jahre damit zu tun haben, dass weniger Videospiele verkauft werden, die Konjunktur in Europa weiter schwächelt und Kinder ihre Zeit lieber mit digitaler Unterhaltung verbringen. Das Unternehmen hat im Mai 2010 angefangen, seinen Börsengang vorzubereiten, diesen Plan bisher jedoch nicht umgesetzt.
Kontakt zum Autor: redaktion@wallstreetjournal.de








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