• The Wall Street Journal

Wie die ICE sich an die Spitze spielte

Kevin Hagen for the Wall Street

Händler auf dem Parkett der ICE in Manhattan.

In wenig mehr als einem Jahrzehnt ist die ICE, der Käufer der New Yorker Börse NYSE, von einer kleinen Handelsplattform für Energie zu einem der größten Marktplätze für Rohstoffderivate aufgestiegen – geholfen dabei haben starke Expansion und das Vertrauen in den elektronischen Handel.

Die Intercontinental Exchange startete im Jahr 2000 als internetbasierte Plattform für den Handel von Rohöl, Erdgas und Strom. Seither hat das Unternehmen andere Börsen dazugekauft, die auf Termingeschäften spezialisiert waren, die von Benchmark-Öl-Futures bis zu Kontrakten auf gefrorenen konzentrierten Orangensaft reichen.

Wenn sich die ICE jetzt die NYSE Euronext einverleibt, dann gehört auch der Aktienhandel zu ihrem Angebot. „Keine große Überraschung" ist die Übernahmeankündigung für Craig Pirrong, Finanzprofessor an der Universität von Houston. Die ICE, sagt Pirrong, sei „immer sehr aggressiv aufgetreten."

Nur ein Jahr nach ihrem Start kaufte die in Atlanta ansässige ICE die International Petroleum Exchange in London. Hier werden Terminkontrakte auf Rohöl der Nordseequalität Brent gehandelt, der wesentliche Preisindikator für europäisches Öl. Im April 2005 gingen im Handelsraum der IPE in London die Lichter aus, und der komplette Handel mit Energiederivaten wurde komplett auf eine elektronische Plattform verlegt.

2007 übernahm die ICE das New York Board of Trade und die Winnipeg Commodity Exchange und erweiterten so ihr Handelsangebot um Terminkontrakte auf Orangensaft, Rapsöl und andere Agrarprodukte.

Aus dem Drittquartalsbericht der ICE geht hervor, dass Futures auf Energie und Emissionszertifikate sowie Energiegeschäfte im Freiverkehr zwei Drittel der Einnahmen ausmachten, während Geschäfte mit Agrarrohstoffen wie Orangensaft und Baumwolle für 11 Prozent standen.

Video auf WSJ.com

How did IntercontinentalExchange become a powerhouse in the exchange world? Jacob Bunge joins The News Hub with answers. Photo: AP.

Nicht immer liefen Übernahmevorhaben für die ICE erfolgreich. So gelang es 2007 nicht, mit einem Gegengebot die Fusion der weltältesten Terminbörse Chicago Board of Trade mit der Chicago Mercantile Exchange zur CME Group zu verhindern. CME wurde zur weltgrößten Terminbörse.

Auch beim ersten Versuch, NYSE Euronext zu übernehmen scheiterte ICE im vergangenen Jahr. Das zusammen mit Nasdaq OMX unterbreitete Gebot über 11 Milliarden US-Dollar zog ICE zurück, als klar wurde, dass das US-Justizministerium dabei nicht mitspielen würde.

Die ICE treibt vor allem den Ausbau der rein elektronischen Börsenplattformen voran. Im Oktober etwa wurde der Präsenzhandel für Optionen auf Orangensaft, Arabica-Kaffee, Rohzucker, Kakao und Baumwolle eingestellt. Agrarrohstoffe waren der letzte Bereich, wo die ICE auf ausschließlich elektronischen Handel umstellte.

„Elektronischer Handel dominiert inzwischen die Welt", sagte Jerry Markham, einst Rechtsbeistand bei der Commodity Futures Trading Commission, die die Terminmärkte mit Optionen und Futures in den USA überwacht. „Die Börsen haben lang am Präsenzhandel festgehalten. Die ICE hat die Gelegenheit zum Wechsel ergriffen, und es gab eine Generation, die hat das honoriert."

Kontakt zum Autor: redaktion@wallstreetjournal.de

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