• The Wall Street Journal

Ein überzeugter Mobilfunker kappt den Telekom-Anschluss

Er hat eine Karriere nach Maß bei der Deutschen Telekom hingelegt. Seit 1998 arbeitet Rene Obermann für den einstigen Staatskonzern. Über diverse Stationen bei T-Mobile rückte er im November 2006 dann an die Spitze des Konzerns, löste dort den letztlich glücklos agierende Kai-Uwe Ricke ab, ehe er zum Jahresende 2013 – wie es heißt – einvernehmlich, aber drei Jahre vor Vertragsende gehen wird.

Obermann mag in seiner sechsjährigen Amtszeit manches bei der Telekom bewegt haben. Dem darniederliegenden Aktienkurs konnte auch er nicht auf die Sprünge helfen. Der Kurs liegt auf gleichem Niveau wie bei seinem Amtsantritt.

dapd

Seit 15 Jahren bei der Deutschen Telekom, seit sechs an ihrer Spitze: Rene Obermann.

Gerade erst hat Obermann seine Strategie für die Telekom vorgestellt. Sicher, die Kürzung der Dividende schmeckt vielen Investoren nicht, die dies immer noch als kleinen Ausgleich für einen zu teuren Einstieg sehen, als die Aktie in der Spitze sogar die 100-Euro-Marke übersprang. Jetzt dümpelt sie unter 9 Euro, schon der kurze Hüpfer über 10 Euro in September war der höchste Stand seit fast 5 Jahren. Doch langfristig dürfte es der richtige Ansatz sein, um die dringend benötigten Mittel für einen zügigen Netzausbau frei zu bekommen, lobten Analysten.

Obermann hat das Unternehmen in die richtige Spur gebracht. Ohne schnelle Netze wird es kein Wachstum geben, nicht heute und nicht in fünf Jahren, sind sich Beobachter sicher. Doch die Frage, wann sich die neue Strategie tatsächlich in barer Münze auszahlen wird, konnte Obermann naturgemäß nicht beantworten. Und die Frage, ob er selbst diese neue Strategie dauerhaft umsetzen wird, hätte er Anfang Dezember sicher mit Ja beantwortet – zumindest öffentlich.

Vom eigenen Unternehmen an die Spitze des deutschen Branchenführers

Der Kampf um ein zukunftsfähiges Geschäftsmodell ist ein Dauerbrenner für das Unternehmen und seine Vorstandsvorsitzenden. Kaum eine Branche unterliegt einem so schnellen Wandel wie die Telekommunikation. Beim Mobilfunk hat es Obermann selbst und am längsten erlebt.

Er brach einst sein Volkswirtschaftsstudium in Münster ab, um sich ABC zu widmen, einem von ihm mit Partner gegründeten Unternehmen. Die ABC Telekom machte er in der deutschen Mobilfunkgründungsphase zu einem ertragsstarken Provider, ehe er 1998 verkaufte und – als angestellter Manager - bei der Telekom einstieg. Natürlich bei der Mobilfunktochter T-Mobile. Seine Erfolge dort brachten ihn schließlich an die Telekom-Spitze, als Ricke abgesägt wurde.

Obermann setzte von Beginn an auf die stärkere Verbindung von Festnetz und Mobilfunk. Doch seine Zeit, das operative Kerngeschäft auf Touren zu bringen, wurde in den Folgejahren durch Skandale beschnitten. Erst hatten sich Telekom-Mitarbeiter in bester Geheimdienstmanier als Abhörspezialisten hervorgetan. Dann waren Millionen Kundendaten einfach via Web einseh- und änderbar, dazu wurden offenbar 17 Millionen Datensätze bei einer Tochter gestohlen. Das Image der Telekom hatte arg gelitten, verstärkt noch durch den kontinuierlich kräftigen Stellenabbau.

Expansion im Ausland schlug zumeist fehl

Mit einer Serviceoffensive wollte (und musste) Obermann Kunden halten und zurückgewinnen. Denn die hatten immer mehr Alternativen zur Telekom – bei Mobilfunk, Festnetzanschluss wie auch Breitbandanbindung – und sorgten mit ihrem scharenweisen Abschied für Umsatz- und Gewinnerosion bei den Bonnern.

Einen dicken und öffentlichkeitswirksamen Pluspunkt konnte Obermann allerdings für sich und die Telekom verbuchen, als er sich den Exklusivvertrieb für das iPhone 2007 sicherte.

Das lahmende Wachstum in Deutschland wollte Obermann – wie schon seine Vorgänger – durch Expansion im Ausland vorantreiben. USA, Griechenland, Großbritannien, ein buntes Beteiligungssammelsurium in Mittel- und Osteuropa. Doch die Finanzkrise machte gerade die überzogenen Hoffnungen im Osten zunichte. Und aus Südeuropa mit Griechenland an der Spitze kamen nicht die erträumten Ergebnisbeiträge. Dass es die dortigen Konkurrenten noch schlimmer getroffen hat, mag Obermann kaum trösten.

dapd

Obermanns treuer Weggefährte und "ewiger Nachfolger" Timotheus Höttges wird ab 2014 die Deutsche Telekom führen.

Eine Niederlage für Obermann hat sich indes eher zu einem Positivum entwickelt. Das Sorgenkind T-Mobile USA drohte, ohne massiven Investitionen zwischen den riesigen Konkurrenten zerrieben zu werden. Doch das Geld hatte Obermann nicht, denn auch auf dem Heimatmarkt waren große Summen für die Infrastruktur nötig. Der Schachzug, die Tochter an AT&T verkaufen zu wollen, war klug. Noch klüger aber war es, eine satte Breakup Fee in den Vertrag zu schreiben, sollte die Fusion scheitern. Da die Kartellbehörden No sagten, landeten so 3 Milliarden Dollar in bar plus wertvolle Frequenzen bei der Telekom.

Verhandelt hatte diesen Deal inklusive der Entschädigungszahlung Obermanns langjähriger Weggefährte und Noch-Finanzvorstand Timotheus Höttges. Die beiden kennen sich seit 2000 und sind fast im Gleichschritt die Karriereleiter im Konzern hochgeklettert, Höttges allerdings immer einen Schritt hinter Obermann. Einst folgte er ihm als Chef von T-Mobile Deutschland nach. Jetzt übernimmt Höttges 2014 den Chefsessel des Konzerns von Obermann. Und der will „back to the roots", will wieder Zeit für Kunden, Produktentwicklung und Technik haben. Zeit, die er als Vorstandschefs eines Dax-Konzerns nicht hatte.

Kontakt zum Autor: hans-joachim.koch@dowjones.com

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