• The Wall Street Journal

Aufsichtsratschef Girsky: Opel kommt voran

Opel-Aufsichtsratschef Steve Girsky sieht den krisengebeutelten Autobauer auf einem guten Weg. "Wir haben in den letzten Wochen und Monaten viel erreicht", sagte der oberste Kontrolleur der Rüsselsheimer in einem Interview mit dem Wall Street Journal Deutschland. „Es liegt zwar noch viel Arbeit vor uns. Sowohl auf Kosten- als auch auf Produkt- und Imageseite haben wir aber große Fortschritte gemacht."

Mit dem bisher erreichten sei er sehr zufrieden, so der Vize-Chef der US-Muttergesellschaft General Motors und Leiter des Europageschäfts der Detroiter. Girsky zeigte sich zuversichtlich, dass General Motors im Europageschäft nach mehreren vergeblichen Anläufen dieses Mal die Wende schaffen werde.

In jüngster Vergangenheit hat sich in der Tat einiges getan bei der Rüsselsheimer Marke mit dem Blitz: Vergangene Woche beschloss der hessische Traditionskonzern zuerst das endgültige Aus für das Fahrzeugwerk in Bochum nach 2016, um die drückenden Überkapazitäten abzubauen. Am Donnerstagmorgen wurden dann die nächsten Schritte in der großangelegten Kooperation mit dem französischen Konkurrenten PSA Peugeot-Citroen besiegelt.

dapd

Der Opel-Schriftzug in Rüsselsheim. Aufsichtsratschef Steve Girsky sieht den Autobauer auf einem guten Weg.

Nägel mit Köpfen machten die Partner unter anderem beim gemeinsamen Einkauf in Europa sowie bei der gemeinsamen Entwicklung von drei Fahrzeugarchitekturen, auf deren Basis Opel und Peugeot-Citroen ab 2016 gemeinsame, aber eigene Modelle produzieren können. Zudem prüfen die Partner gemeinsame Projekte in Lateinamerika und anderen Wachstumsmärkten sowie die Entwicklung von kleinen, sparsamen Benzinmotoren.

Girsky sprach in diesem Zusammenhang von „wichtigen Fortschritten", die die Partnerschaft stärken würden. Beide Partner hätten nun die Möglichkeit, Projekte zu realisieren, die sie alleine nicht realisieren könnten. Zudem seien „signifikante Einsparungen" zu erwarten.

Girsky gilt als Fürsprecher von Opel in Detroit. Er war nicht nur einer derjenigen im Verwaltungsrat, der sich im November 2009 vehement gegen den Verkauf von Opel an den österreichisch-kanadischen Autozulieferer Magna aussprach, er gilt auch als Strippenzieher der Allianz mit PSA. Diese ist ein wichtiger Eckpfeiler für Opel, trotz der extrem schwierigen Lage auf dem elementar wichtigen europäischen Automarkt bis Mitte des Jahrzehnts wieder in die schwarzen Zahlen zurückzukehren.

Im Februar hatten General Motors und der französische Konkurrent PSA Peugeot-Citroën eine umfassende Allianz vereinbart, die vor allem ein Ziel hat: Die verlustträchtigen Europa-Geschäfte beider Autobauer wieder auf finanziell solide Füße zu stellen. Sowohl GM als auch die Franzosen schreiben auf dem alten Kontinent seit geraumer Zeit horrende Verluste.

Vorerst soll die Allianz auf drei Säulen basieren: Einer gemeinsamen Logistik, gemeinsamen Fahrzeugarchitekturen und einem gemeinsamen Einkauf. In Sachen Logistik wurde schon im Juli Vollzug gemeldet. Ab 2013 wird die ehemalige PSA-Tochter Gefco, die mittlerweile zu drei Vierteln der russischen Staatsbahn gehört, die Versorgung von GM-Werken und -Händlern in Europa mit Teilen, Komponenten und Autos übernehmen.

Im Oktober identifizierten die Partner dann vier Fahrzeugprojekte, deren Architekturen gemeinsam entwickelt werden sollen. Das erste gemeinschaftlich entwickelte Auto soll 2016 vom Band rollen. Dazu gehört unter anderem ein Kleinwagen.

Die Tatsache, dass man sich nun vorerst auf nur drei gemeinsame Projekte geeinigt und die Pläne für eine gemeinsame Plattform für eine Mittelklasselimousine begraben hat, will Girsky nicht als schlechtes Signal verstanden wissen. Dem entstandenen öffentlichen Eindruck, der Umfang der Kooperation sei zurückgefahren worden, trat er deswegen entschieden entgegen. "Ich bin sehr optimistisch, dass wir noch einige weitere gemeinsame Fahrzeugarchitekturen finden werden. Im Laufe der nächsten Zeit wissen wir mehr."

Zwei Milliarden US-Dollar wollen Opel und PSA ab 2017 jährlich durch die Allianz einsparen, in deren Zuge sich GM mit 7 Prozent an den Franzosen beteiligte und damit der zweitgrößte Anteilseigner wurde. Dabei haben sich die Protagonisten stets offengehalten, die Kooperation auf weitere Felder auszuweiten.

Keine Unterstützung hat Opel bei der Rückkehr auf die Erfolgsspur im kommenden Jahr vom europäischen Markt zu erwarten. Auch im kommenden Jahr werde der Markt auf dem alten Kontinent weiter leicht schrumpfen, sagte Girsky. Die Schuldenkrise auf Opels mit Abstand wichtigster Absatzregion macht dem sowieso schon als weitgehend gesättigten Markt schwer zu schaffen. 2013 dürfte das niedrigste Niveau seit Anfang der 1990er Jahre erreicht werden.

Reuters

Die Allianz ist perfekt: Ein Peugeot-Auto vor einem Opel-Werk.

Zu den erwartenden Verkäufen für Opel und die britische Schwester Vauxhall wollte sich Girsky zwar nicht konkret äußern, gab sich jedoch trotz des schwierigen Marktumfelds zuversichtlich. Impulse verspricht sich der Manager unter anderem von den neuen Modellen wie dem Mokka und dem Adam.

Steve Girsky zog 2009 in den Vorstand von GM ein. Im Frühjahr 2010 wurde er zum Vize-Chef ernannt und ist seither für die globale Strategie des Automobilgiganten verantwortlich. Seit Ende 2011 ist der Harvard-Absolvent Aufsichtsratschef von Opel und lenkt mittlerweile auch die Geschicke von GM in Europa insgesamt.

Girsky ist ein wahrer Autoveteran. Bevor er zu GM kam, war er fast 20 Jahre lang federführender Autoanalyst für die US-Bank Morgan Stanley. Er verschonte das GM-Management nicht mit seiner Kritik. Vor allem Rick Wagoner, der Vorstandschef, mit dem GM 2008 in die Pleite schlitterte, hatte einen schweren Stand bei ihm.

Der 50-jährige bemängelte jahrelang vornehmlich die fehlende Flexibilität. Um das Problem zu beschreiben, nutzte er gerne des Vergleich mit einem unbeweglichen Supertanker. Entscheidungsprozesse galten bei GM lange Jahre als bürokratisch und langsam. Das stieß Girsky auf - nun will er es ändern.

Mittlerweile gilt er in Detroit als so etwas wie Mr. Opel. Seine vorrangige Aufgabe ist es, die Probleme des US-Konzerns in Europa in den Griff zu bekommen. Denn die sind es, die den Amerikanern seit geraumer Zeit die Bilanz verhageln. Seit der Jahrtausendwende fielen in Europa für GM Verluste in zweistelliger Milliardenhöhe an. Selbst die Rekordergebnisse auf Konzernebene geraten dadurch teilweise in den Hintergrund.

Bekommt Girsky die Schwierigkeiten auf dem alten Kontinent in den Griff, würde sich der GM-Vize für höhere Aufgaben empfehlen: Viele sagen ihm für diesen Fall Chancen voraus, Dan Akerson schon in ein paar Jahren an der Spitze des Autogiganten abzulösen.

Kontakt zum Autor: nico.schmidt@dowjones.com

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