• The Wall Street Journal

Berlin streitet um Erleuchtung

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Der Berliner Senat will 44.000 Gaslaternen durch moderne Elektrolampen ersetzen. Der Ausstoß des klimaschädlichen Kohlendioxyds soll um rund 9.200 Tonnen jährlich sinken. Die Umstellung auf die deutlich sparsameren LED-Leuchten wird rund 30 Millionen Euro kosten, soll sich aber in zehn Jahren amortisiert haben.

Aber: Nicht wenige Berliner wollen ihre Gaslaternen behalten. Im November protestierte die Initiative Gaslicht-Kultur e. V. mit mehreren Hundert Menschen vor dem Amtsgericht Berlin-Charlottenburg und sammelte mehr als 20.000 Unterschriften für den Erhalt der heimeligen Straßenbeleuchtung.

Wehret den Anfängen, sagte sich offenbar so mancher Protestler, und denkt an ein anderes Berliner Großprojekt, den kostspieligen Bau des neuen Flughafens. Ihnen scheint es, als würden die Stadtoberen auch das Lampenprojekt schön rechnen.

Zeitgleich warf Schauspieler Ilja Richter seine Prominenz in die Waagschale und diktierte der Berliner Lokalpresse seine Vorstellungen zur Rettung der Berliner Gaslaterne in den Block.

Dabei sollte es aber nicht bleiben. Mit Künstlerkollegen arbeitete Richter die Beleuchtungsfrage auch künstlerisch auf und präsentierte im Theater am Kurfürstendamm Sketche, Songs und Lesungen unter dem Motto „Rettet die Gaslaternen!"

Unterdessen ist in der Berliner Bevölkerung eine rege Diskussion um die schönste Gas- und Elektroleuchte entflammt. In der Berliner Lokalzeitung BZ darf jeder Bürger als Beleuchtungsexperte seine Vorschläge zum Besten geben. So titelte die BZ: Gasleuchten muss man ersetzen, aber nicht so.

Der Stromzähler bilanziert: Die Regierenden haben es wieder einmal versäumt, die Bürger in für sie wichtige Fragen frühzeitig einzubinden. Dabei wäre es doch ein Leichtes gewesen, sie in einem Volksentscheid selbst darüber abstimmen zu lassen, welche Straßenbeleuchtung ihrem Lebensgefühl am besten entspricht.

Vielleicht ließe sich das inzwischen hitzig diskutierte Thema in der Silvesternacht noch mittels eines „Laterna Magica Events" zu einem erfolgreichen Abschluss bringen: Ganz nach dem Vorbild von Ilja Richter, der ja bereits in den siebziger Jahren seine legendäre ZDF-Fernsehshow „Disco" mit den Worten „Licht aus – Womm! Spot an – Jaaaa!" eröffnete, könnte vor dem Brandenburger Tor ein Wettbewerb zu Ehren der schönsten Gaslaterne stattfinden.

Bedeutende Beleuchtungskünstler und Lichtakrobaten aus aller Welt könnten dabei ihre Entwürfe vor Tausenden Feierlustigen und Internetusern präsentieren, die aufgerufen wären, direkt vor Ort, über Twitter oder Facebook abzustimmen. Dazu würde der in die Kritik geratene Berliner Senat den „Berlin Light Millenium-Preis" ausloben – für die Lampe, die nach Meinung der Mehrheit die Stadt am schönsten erhellt.

Spot an für die große Licht-Show am Brandenburger Tor. Bis dahin bleibt mir nur eines: Allen Lesern des Stromzählers wünsche ich ein stets gut erleuchtetes neues Jahr 2013!

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Lothar Lochmaier arbeitet als freier Fach- und Wirtschaftsjournalist in Berlin. Er beschäftigt sich seit Jahren mit den Themen Energie, Informationstechnologie und Banken. Er betreibt zudem das Experten-Weblog „Social Banking 2.0 – der Kunde übernimmt die Regie".

Kontakt zum Autor: redaktion@wallstreetjournal.de

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