• The Wall Street Journal

Telekom-Chef René Obermann kündigt Rückzug an

Die Deutsche Telekom bekommt überraschend einen neuen Chef. Der aktuelle Vorstandsvorsitzende René Obermann tritt auf eigenen Wunsch zum Ende kommenden Jahres zurück. Finanzchef Tim Höttges wird ihm auf den Chefsessel folgen.

„Das Wort amtsmüde kommt mir noch nicht mal in den Mund, ich bin voll Energie und mache das ja auch noch ein Jahr", sagt der scheidende Manager. Es gebe nichts, was ihn zum Rücktritt zwinge, sagt der 49-jährige, dem der Sinn nach Luftveränderung steht. „Ich will wieder mehr Zeit für Kunden, Produktentwicklung und Technik haben", sagt er, „näher an die Basis, näher an den Maschinenraum."

dapd

Rene Obermann, Vorstandsvorsitzender der Deutschen Telekom, macht es noch ein Jahr - dann tritt er ab.

Wenn der geborene Düsseldorfer, der seine Kindheit in Krefeld verbrachte, Ende des kommenden Jahres sein Amt aufgibt und die Konzernzentrale in Bonn verlässt, wird er 16 Jahre für die Deutsche Telekom gearbeitet haben, davon elf im Vorstand und sieben Jahre an der Spitze des Unternehmens.

Sein Nachfolger ist bereits ausgeguckt: Finanzvorstand Timotheus Höttges soll ab 1. Januar 2014 an die Konzernspitze aufrücken. Er wird deshalb bereits in knapp zwei Wochen zusätzlich zu seinen bisherigen Aufgaben zum stellvertretenden Vorstandsvorsitzenden bestellt. Für Höttges hatte Obermann am Donnerstag nur lobende Worte übrig: "Er ist der beste, den man für diese Aufgabe gewinnen konnte."

Analystin hält Rücktrittsgründe für glaubwürdig

Robin Bienenstock, Analystin bei Bernstein und Kennerin der europäischen Telekomszene, hält Obermanns Rücktrittsgründe für glaubwürdig. Angesichts des Drucks, unter dem die Telekom-Branche in ganz Europa arbeitet, habe sich der Manager gut geschlagen, bescheinigt ihm die Analystin. Lobende Worte findet auch ihr Kollege Simon Weeden von der Citibank: Obermann hinterlasse ein Unternehmen, das mehr über den Tellerrand schaue und seine Ressourcen sinnvoller einsetze, als dies bei seinem Amtsantritt der Fall gewesen sei.

Obermann versprach, einen geordneten Übergang sicherzustellen. Aktuell sei ein geeigneter Zeitpunkt für eine Staffelübergabe, sagte er, auch wenn er zugab, dass kein Zeitpunkt ein idealer sei. Die Telekom hat ihm zufolge in den vergangenen Jahren Lösungen für die wesentlichen Probleme des Konzerns gefunden.

Eine der größten Baustellen ist das verlustreiche US-Geschäft, doch hier zeichnet sich eine mögliche Lösung ab. Nach der gescheiterten Fusion mit dem Telekomriesen AT&T könnte T-Mobile USA mit dem kleineren Wettbewerber MetroPCS verschmelzen. Obermann zeigte sich überzeugt, dass die MetroPCS-Aktionäre dem Geschäft ihren Segen geben werden. Zudem hat die US-Mobilfunktochter inzwischen eine Zusammenarbeit mit Apple vereinbart und wird das iPhone anbieten können, dessen Fehlen ein wichtiger Wettbewerbsnachteil für T-Mobile USA war.

Investitionen hoch, Dividende runter

Um den Bonner Konzern wieder zu Wachstum zu führen, hatte Obermann zuletzt die Investitionen erhöht und im Gegenzug die Dividende gekürzt. Im letzten Jahr seiner Amtszeit sollen konzernweit knapp 10 Milliarden Euro ausgegeben werden, nach 8,3 Milliarden Euro 2012. Den Aktionären bleibt dafür in den beiden kommenden Jahren wohl nur noch eine Dividende von je 0,50 Euro, für dieses Jahr wird es noch 0,70 Euro geben.

Die Telekom braucht das Geld: In Deutschland soll das Glasfasernetz ausgebaut und bestehende Leitungen mittels Vectoring leistungsfähiger werden. Nur so kann der Bonner Konzern den Kabelnetzbetreibern im Wettbewerb um die Kunden die Stirn bieten. Auch der Ausbau der neuen, schnellen LTE-Mobilfunknetze kostet viel Geld.

Auszahlen soll sich das alles ab 2014, dann rechnet die Telekom wieder mit Wachstum. Obermann wird das als Telekom-Chef nicht mehr erleben, aber es tangiert ihn nicht: "Einige Dinge wachsen ganz gut, da ist es in Ordnung, dass jemand anderes den Ball nach vorne treibt, mir macht es nichts aus, dass jemand anders die Früchte erntet," sagte er.

Die Börse reagierte entspannt auf die Staffelübergabe: Finanzvorstand Höttges kennt die Telekom gut, gilt als "Dealmaker" und pflegte einen konstruktiven Arbeitsstil mit seinem Boss. Der 50-jährige gebürtige Solinger arbeitet bereits seit dem Jahr 2000 für die Telekom, gehört seit 2006 dem Vorstand an und ist knapp drei Jahre für die Finanzen des Unternehmens verantwortlich.

Citibank-Analyst Weeden rechnet mit einem sanften Übergang. Seine Kollegin Bienenstock glaubt, dass die Ausführung von Plänen eine Stärke von Höttges ist, und da gebe es bei der Telekom immer noch viel zu tun.

Kontakt zum Autor: archibald.preuschat@dowjones.com und stefanie.haxel@dowjones.com

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