Von PHRED DVORAK
Takashi Amano liegt auf dem Boden seines Wohnzimmers und demonstriert, wie man am besten sein fast 9000 Liter großes Aquarium bestaunt. „Legen Sie sich auf den Rücken", fordert der 58-jährige Fotograf und Designer, während er die Schwärme von silbernen Fischen betrachtet. Äste aus dem Amazonas zieren das Aquarium, auf denen Wasserpflanzen wachsen. „Es fühlt sich an, als wäre man mittendrin", sagt er.
Amano stellt Luxusaquarien her, die mindestens so komplex und schön sein sollen wie die Natur selbst. Dafür ist er auf der ganzen Welt in Flüsse und Meere getaucht und hat dort das Ökosystem fotografiert. In den vergangenen drei Jahrzehnten hat sich Amanos Einfluss um die ganze Welt verbreitet. Heute gibt es eine ganze Reihe von Aquaristen, die von Texas bis Katar sogenannte Naturaquarien für Unternehmen und Reiche Privatkunden herstellen.
Amanos Spezialgebiet sind dicht bepflanzte Aquarien, in denen Steine, Sand und Holz eine zentrale Rolle spielen. Fische sollen dabei die „Nebenrolle" haben, erklärt er. Viele seine Aquarien haben keinen Deckel, sodass die Pflanzen auch über die Wasseroberfläche hinauswachen. Die Aquarien verändern sich ständig, während die Pflanzen wachsen.
Ein speziell angefertigtes Aquarium ist teuer. Ein 860 Liter großes Naturaquarium wie das, das Amano für die Lobby des Midori-Krankenhauses in Niigata-Stadt gebaut hat, kostet etwa 32.000 Euro. Darin sind das Design, der Aufbau und die Materialien inbegriffen, von selbst gesammelten Steinen bis hin zur Beleuchtung. Zusätzlich kostet es monatlich etwa 450 Euro, dass ein Angestellter die Pflanzen zurechtschneidet und das Wasser wechselt.
„Beim Süßwasser kann ich gewinnen"
Amano nimmt nicht jeden Auftrag an. Seine Firma nimmt nur die größten und kompliziertesten Projekte an, so wie die 9.500 und 11.300 Liter großen Aquarien für das Sumida Aquarienhaus in Tokio.
Zauberhafte Aquarien von Takashi Amano
Der Aufbau eines solchen Aquariums kann aufreibend sein. Amanos Angestellte platzieren die Pflanzen mit Pinzetten in der Erde, bevor Wasser in das Aquarium gefüllt wird. Oft sind diese so groß, dass sie nicht von außen bepflanzt werden können, doch innen zu stehen, würde die bisherige Bepflanzung beschädigen. Für das Sumida-Aquarium befestigten sich die Angestellten mit Saugern an den Glaswänden, während Amano Anweisungen gab. Ein Mann hing so lange kopfüber, dass er Nasenblutungen bekam.
Amano baut seit kurzem keine Salzwasseraquarien mehr. „Egal wie sehr man es versucht, man kann die Natur bei der Schönheit nicht übertrumpfen", sagt er. „Ich tue nichts, bei dem ich nicht gewinnen kann. Beim Süßwasser kann ich gewinnen."
Amanos eigenes Aquarium steht in seinem Wohnzimmer in Niigata-Stadt. In elf Jahren hat es drei große Erdbeben überstanden, bei denen Mini-Tsunamis durch sein Wohnzimmer schwappten. Doch nie sei etwas zerbrochen.
Seine Firma beschäftigt 86 Menschen
Amano ist ein offenherziger Mann mit leicht ergrauten Haaren und einem gepflegten Bart. Augewachsen ist er in derselben Region, in der er auch heute noch lebt – einer sumpfigen Ebene auf der Tokio entgegengesetzten Seite der japanischen Alpen.
Video auf WSJ.com
Amano hat keinerlei künstlerische Ausbildung. Früher war er professioneller Radrennfahrer und hat bei den 1.078 Rennen, die er in 17 Jahren gefahren ist, 1,2 Millionen Euro an Preisgeldern gewonnen. Das meiste davon hat er für seine zwei großen Hobbys, Fotografie und Aquarien, ausgegeben.
Amano lernte aus Erfahrungen. Unzählige Pflanzen seien ihm eingegangen, heißt es in der offiziellen Chronologie seiner Firma. Außerdem habe er eine Reihe von Werkzeugen selbst entwickelt. Amano sagt, er habe manchmal Wochen damit verbraucht, die Steine in einem Aquarium zu arrangieren. „Ich dachte oft bis zwei oder drei Uhr morgens darüber nach, und als ich morgens wach wurde, fand ich es wieder schrecklich", erinnert er sich. „Also fing ich wieder von vorne an."
Amano gründete seine Firma Aqua Design Amano im Jahr 1984. Ende der 1990er Jahre verkaufte er ein breites Spektrum an Aquariumszubehör, das er selbst entwickelt hatte – von Kohlendioxidpumpen bis hin zu Pflanzenscheren. All diese Dinge sollten das perfekte Aquarium ermöglichen.
Heute arbeiten bei ADA 86 Menschen. Das Unternehmen setzt jährlich 9,2 Millionen Euro um und sponsert regelmäßig einen Aquarien-Designwettbewerb. Dieses Jahr gab es 2.021 Einsendungen aus 63 Ländern.
Aquarien zu schaffen sei seine große Leidenschaft, sagt Amano, während er in seinem Wohnzimmer vor seinem riesigen Exemplar sitzt. „Natur zu erschaffen", sagt er, „ist der ultimative Luxus."
Kontakt zum Autor: redaktion@wallstreetjournal.de



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