• The Wall Street Journal

Siemens entlässt 1.100 Mitarbeiter

DIETHER ENDLICHER/AP/dapd

Siemens will sparen. Weitere Entlassungen sollen helfen.

Der Technologiekonzern Siemens muss sparen - und baut deshalb erneut Mitarbeiter ab. Bis Ende 2014 sollen im Energiesektor knapp 1.100 Stellen wegfallen, sagte ein Siemens-Sprecher. Betroffen sind die Bereiche Fossil Power Generation sowie Oil & Gas. Nach Angaben des Sprechers steht kein bestimmter Standort im Fokus. Vielmehr seien die Arbeitsplätze über ganz Deutschland verteilt. Drei Viertel der Stellen entfallen auf Fossil Power Generation, das übrige Viertel auf Oil & Gas.

Medienberichte, wonach mindestens 100, aber weniger als 200 der insgesamt 3.500 Stellen im Gasturbinenwerk Berlin wegfallen sollen, wollte der Sprecher nicht bestätigen. Er betonte lediglich, die Zahl von 200 sei "deutlich zu hoch gegriffen". Es sei lediglich ein "minimaler Abbau" von Stellen in Berlin geplant. Siemens hatte dort in den vergangenen drei Jahren 700 Stellen aufgebaut. In dem Werk hatte Siemens im November seine Geschäftszahlen für das abgelaufene Geschäftsjahr per Ende September vorgestellt.

Zittern müssen auch die Beschäftigten im Spandauer Messgerätewerk. Die Gewerkschaft fürchtet, dass dort bis 2015 bis zu 200 Stellen nach Indien verlagert werden könnten. Siemens verweigerte dazu jeglichen Kommentar. Er werde sich zu einzelnen Standorten nicht äußern, sagte ein weiterer Sprecher.

Der angekündigte Stellenabbau kommt nicht überraschend. Bei einer Investorenkonferenz Mitte Dezember hatte Siemens angekündigt, der Konzern könnte sich aus dem Bau nicht-nuklearer Teile von Kernkraftwerken verabschieden. Zudem sollte das Geschäft mit Komplettlösungen für Dampfturbinenkraftwerke evaluiert werden. In genau diesen Bereichen sollen nun die Stellen gestrichen werden.

Die Divisionen Fossil Power Generation und Oil & Gas beschäftigen derzeit rund 10.400 beziehungsweise 3.200 Mitarbeiter in Deutschland.

Die Öl- und Gas-Sparte musste im vergangenen Quartal Belastungen in Höhe von 275 Millionen Euro für Neubewertungen von Forderungen und Kreditrisiken aus der Abarbeitung von Altverträgen mit dem Iran verbuchen. In diesem Zusammenhang sowie mit Blick auf die schwache Markt- und Auftragseingang-Entwicklung sei nun eine Anpassung der Kapazitäten in der Turboverdichterfertigung geplant.

Der Bereich Fossil plant nach Konzernangaben zwei Änderungen, mit denen auf die Entwicklungen in den Märkten vor allem für reine Dampfturbinenkraftwerke (Kohle- oder Kernkraftwerke) reagiert werden soll. Zum einen soll das Geschäft mit Komplettlösungen für Dampfturbinenkraftwerke "heruntergefahren" werden. Zudem sollen nach dem bereits im September 2011 kommunizierten Ausstieg von Siemens aus der Kerntechnik jetzt auch die verbliebenen Aktivitäten im Bereich der konventionellen Kraftwerkstechnik für Kernkraftwerke "zurückgefahren" werden.

Sparprogramm trifft vor allem Einkauf und Energiesparte

Neben dem konzernweiten Einkauf hat Siemens den Energiesektor als zweiten Pfeiler des geplanten Spar- und Effizienzprogramms gewählt. Während ein effizienterer Einkauf binnen zwei Jahren drei Milliarden Euro sparen helfen soll, sieht Siemens das Potenzial zur Produktivitätssteigerung im Energiebereich sogar bei 3,2 Milliarden Euro, darin sind allerdings bereits positive Beiträge von Seiten des Einkaufs enthalten.

Der größte Teil der geplanten Maßnahmen im Energiebereich umfasst Kosteneinsparungen in Höhe von 2,2 Milliarden Euro. Neben dem Einkauf will Siemens auch bei der Fertigung und Projektabwicklung ansetzen. Mehr Ausschreibungen via Internet sollen die Kosten um weitere 100 Millionen Euro reduzieren.

Die Sektormarge soll von zuletzt 7,8 Prozent bis 2013/14 auf mindestens 12 Prozent steigen. Derzeit tragen die einzelnen Divisionen höchst unterschiedlich zur Energy-Marge bei. Spitzenreiter ist mit 18,1 der Bereich Fossil Power Generation, in dem Siemens zum Beispiel Gasturbinen herstellt. Schlusslicht ist das Energieübertragungsgeschäft mit mageren 4,3 Prozent.

Kontakt zum Autor: ursula.quass@dowjones.com

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