• The Wall Street Journal

Mario Monti will mitmischen

Reuters

Ministerpräsident Mario Monti will den Reformkurs seines Landes garantieren.

ROM - Der italienische Ministerpräsident Mario Monti will, dass sein Land auch nach den Parlamentswahlen im neuen Jahr nicht vom Reformkurs abkommt. Laut Vertrauten aus der Umgebung Montis arbeitet sein Büro an einem Fahrplan für mehr Wettbewerbsfähigkeit und eine engere Bindung Italiens an die Eurozone.

Dieser Schachzug lässt darauf schließen, dass Monti weiterhin eine Rolle in der italienischen Politik spielen will, auch wenn noch nicht sicher ist, dass er bei den für Februar geplanten Wahlen kandidieren wird. Eine Sprecherin von Monti dementierte am Mittwoch, dass er die Gründung einer neuen politischen Partei plane.

Monti soll in dieser Woche in privaten Gesprächen mit Politikern ausgelotet haben, ob er nicht an der Spitze einer eigenen Partei in den Wahlkampf ziehen könnte. Dieser Partei würden nach Angaben aus Kreisen auch Mitglieder seines jetzigen Expertenkabinetts angehören. In der vergangenen Woche hatten ihn Mitte-Rechts-Politiker aufgefordert, bei den Wahlen für das Amt des Ministerpräsidenten zu kandidieren.

Presse: Monti unterstützt konservatives Parteienbündnis

Eigentlich hatte Monti angekündigt, von seinem Amt zurückzutreten, sobald das italienische Parlament den Haushalt für 2013 beschlossen hat. Doch die beiden großen Zeitungen Corriere della Sera und La Repubblica berichten übereinstimmend, dass Monti zumindest seine Chance wahren will.

Dazu unterstützt er laut den Berichten ein Bündnis dreier kleiner Parteien aus dem konservativen Zentrum. Demnach kann er nicht offiziell kandidieren, weil er bereits Senator auf Lebenszeit ist. Trotzdem erlaubt es das komplizierte italienische Wahlrecht, dass er erneut zum Ministerpräsidenten ernannt werden könnte.

Monti selbst gehört keiner dieser Parteien an, hat aber mehrfach seine Sympathie durchblicken lassen. Er will den Berichten zufolge am Wochenende - sobald das Haushaltsgesetz-Gesetz verabschiedet wird - seine Zurückhaltung aufgeben und seine Entscheidung offiziell bekanntgeben.

Konkurrenz bekommt er von seinem Amtsvorgänger Silvio Berlusconi, der sich überraschend zurückgemeldet hat und noch einmal in den Ring steigen könnte. Der Skandalpremier versucht die Italiener auf seine Seite zu ziehen, indem er die Steuererhöhungen Montis geißelt und seine Europapolitik ablehnt. Für Berlusconi nimmt der Regierungschef eine zu devote Rolle gegenüber Bundeskanzlerin Angela Merkel ein. Monti will verhindern, dass Berlusconi noch einmal die Geschicke des Landes in seine Hände bekommt.

—Mitarbeit: Christopher Emsden, Stefania Zampieri

Kontakt zum Autor: redaktion@wallstreetjournal.de

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