Von HYUNG-JIN KIM und FOSTER KLUG, dapd
Die designierte südkoreanische Präsidentin Park Geun Hye will die Politik ihres Landes gegenüber Nordkorea neu ausrichten. Unter anderem hatte die erste Frau an der Spitze des südkoreanischen Staates bereits angekündigt, auf das Regime in Pjöngjang zugehen und die Hilfslieferungen an den nördlichen Nachbarn erhöhen zu wollen. In einer Fernsehansprache nach ihrem Wahlsieg betonte Park aber auch, dass der weltweit verurteilte Start einer nordkoreanischen Langstreckenrakete vergangene Woche deutlich gemacht habe, wie ernst die Sicherheitslage tatsächlich sei.
Während der fünfjährigen Amtszeit ihres scheidenden Vorgängers Lee Myung Bak war das Verhältnis zwischen den beiden Länder besonders angespannt gewesen. Nordkoreanische Staatsmedien hatten bereits mehrfach angezweifelt, dass es Park mit ihrem versöhnlichen Ansatz gegenüber Pjöngjang ernst meint, da sie und Lee aus der selben konservativen Partei stammen. Viele Südkoreaner hatten den Grund für die jüngsten Eskalationen im Konflikt zwischen den beiden Ländern in der unnachgiebigen Politik Lees gegenüber Pjöngjang gesehen.
Park hat sich für einen offenen Dialog mit dem Norden ausgesprochen und hat auch die Möglichkeit eines Treffens mit Machthaber Kim Jong Un in Aussicht gestellt. Gleichzeitig forderte sie aber auch Fortschritte bei der nuklearen Abrüstung in Nordkorea.
Park selbst Tochter eines Diktators
Park, Tochter des ehemaligen Diktators Park Chung Hee, setzte sich bei der Präsidentschaftswahl am Mittwoch in einem Kopf-an-Kopf-Rennen gegen den liberalen Kandidaten Moon Jae In durch. Nach Auszählung fast aller Stimmen kam die 60-Jährige Park auf 51,6 Prozent der Stimmen, Moon auf 47,9. Der frühere Menschenrechtsanwalt räumte seine Niederlage ein. Sie werde die "Präsidentin der Versprechen" werden, sagte Park. "Diese Wahl ist ein Sieg des Volkes." Auch US-Präsident Barack Obama gratulierte Park zum Wahlsieg. Ihr Amt wird sie im kommenden Februar antreten.
Der Entscheidung war ein harter Wahlkampf vorangegangen. In Umfragen lagen die beiden Kandidaten lange Zeit nahezu gleichauf. Einmal hatte Park, ein anderes Mal Moon einen leichten Vorsprung.
40 Millionen Wähler waren aufgerufen, über die Nachfolge von Präsident Lee zu entscheiden, der nach einer fünfjährigen Amtszeit nicht mehr antreten durfte. Die Wahlbeteiligung wurde auf beinahe 76 Prozent geschätzt, so hoch wie seit 15 Jahren nicht mehr. Experten hatten zuvor damit gerechnet, dass die rege Beteiligung vorteilhaft für Moon sein könnte, der besonders bei jungen Wählern beliebt ist.
Park hat ihre Anhängerschaft eher unter den Älteren, die sich positiv an die Amtszeit ihres Vaters Park Chung Hee erinnern. Dieser hatte 18 Jahre lang diktatorisch geherrscht, bis er 1979 bei einem Trinkgelage von seinem Geheimdienstchef getötet wurde. Am Donnerstag, dem Tag nach ihrem Wahlsieg, besuchte Park die Gräber ehemaliger südkoreanischer Präsidenten - darunter auch das ihres Vaters.
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