• The Wall Street Journal

China leitet Konsolidierung in der Solarbranche ein

PEKING--Die chinesische Regierung geht die Überkapazitäten in der Solarbranche an. Das Reich der Mitte will Fusionen und Akquisitionen von Solarunternehmen künftig fördern und öffnet damit die Tür für eine Konsolidierung der Branche - und für Insolvenzen. Das ist ein kleiner Lichtblick für die Branche, die unter immensen Überkapazitäten leidet und herbe Verluste verkraften muss, sogar ein weltweiter Handelsstreit war die Folge.

Der chinesische Staatsrat kündigte am Mittwoch an, die staatliche Unterstützung für insolvente heimische Solarunternehmen zu verringern und solche Hilfen auch den Lokalverwaltungen zu verbieten. Die Regierung erklärte zudem kryptisch, einen "Mechanismus für Fehlschläge" nutzen zu wollen. Das deutet darauf hin, dass es Solarunternehmen künftig erlaubt werden könnte, rechtskräftig Insolvenz anzumelden - eine Seltenheit in der Branche und in China insgesamt.

Reuters

Die chinesischen Solarunternehmen produzieren weltweit die günstigsten Panele. Dennoch geht die chinesische Regierung jetzt daran, auch daheim die Überkapazitäten abzubauen.

Weitere Details nannte der Staatsrat nicht. Auch blieb unklar, ob Chinas Behörden nun mit spezifischen Richtlinien für die Abwicklung chinesischer Unternehmen und Fabriken nachziehen werden. Jeder Vorstoß in dieser Richtung dürfte auf erheblichen Widerstand von Städten, Bezirken und Provinzregierungen stoßen, denn sie sind auf die Unternehmen, ihre Steuereinnahmen, Arbeitsplätze und das von ihnen ausgehende Wirtschaftswachstum angewiesen.

In der Solarbranche tobt ein weltweiter Handelsstreit

Chinas Unterstützung der Solarunternehmen steht im Mittelpunkt eines globalen Streits um Solarsubventionen zwischen Peking, Washington und Brüssel. Die Europäische Union wirft China vor, Solarmodule zu unfair niedrigen Preisen auf den europäischen Markt geworfen zu haben. China beschuldigt seinerseits die USA und die EU, unfaire Subventionen gewährt zu haben und reichte im vergangenen Monat sogar Beschwerde bei der Welthandelsorganisation WTO ein.

Angesichts hoher Überkapazitäten und der harten Konkurrenz steht die gesamte Branche unter Druck. Die Bruttomargen für Solarmodule sind weltweit in kurzer Zeit auf unter 10 Prozent gesunken, 2010 waren es noch über 30 Prozent, wie die Investmentbank Maxim Group ausrechnete. Chinas Unternehmen haben im Zuge ihres Expansionskurses zwischen 2009 und 2011 hohe Schuldenberge angehäuft, doch nun müssen sie kämpfen, um die Zinsen bedienen zu können.

Wenn es chinesischen Solarunternehmen nicht erlaubt werde, in die Insolvenz zu gehen und ihre Kapazitäten zu verringern, werde das Überangebot im Markt für Solarmodule bis mindestens 2014 fortbestehen, hatte bereits Shyam Mehta gewarnt, Analyst bei dem Marktforscher GTM Research. "Chinas Unterstützung auch von nicht wettbewerbsfähigen Unternehmen schädigt die (chinesischen) Hersteller schwer, die andernfalls gut für den Erfolg positioniert wären", schrieb er in einer Studie.

Associated Press

Die chinesische Solarindustrie produziert weit günstiger als die deutsche Konkurrenz.

Der Staatsrat räumte ein, dass die Hauptprobleme der Branche unter anderem Überkapazitäten und eine übermäßige Abhängigkeit von ausländischen Märkten seien.

Laut Analysten und Branchenvertretern könnte nun der Waferhersteller LDK wegen seiner schwachen Bilanz zum Ziel eines Übernahme- oder Fusionsversuchs werden. LDK ist in den USA börsennotiert, ebenso wie Suntech. Die Aktienkurse dieser beiden großen chinesischen Solarunternehmen waren in den USA kürzlich unter einen Dollar gefallen, nun droht den Unternehmen sogar das Delisting.

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