• The Wall Street Journal

Ex-Verteidigungsminister Peter Struck ist tot

dapd

Peter Struck starb nach einem Herzinfarkt.

Peter Struck ist tot. Der frühere Verteidigungsminister und langjährige SPD-Fraktionschef starb am Mittwoch völlig unerwartet nach einem Herzinfarkt in einer Berliner Klinik, wie ein Sprecher der Familie sagte. Spitzenpolitiker aller Parteien würdigten den Sozialdemokraten, der 29 Jahre dem Bundestag angehörte und von 2002 bis 2005 Bundesminister der Verteidigung war.

Struck, für seine oft knorrige und direkte Art bekannt, wäre am 24. Januar 70 Jahre alt geworden. Erst am Montag war er als Chef der SPD-nahen Friedrich-Ebert-Stiftung wiedergewählt worden.

Neben den Struck'schen Gesetz, wonach kein Gesetz so aus dem Bundestag herauskommt, wie es eingebracht worden ist, machte er sich vor allem mit seinem Einsatz für die Bundeswehr einen Namen. In Erinnerung bleibt der Satz aus dem Jahr 2002: "Die Sicherheit der Bundesrepublik Deutschland wird heute auch am Hindukusch verteidigt."

Kanzlerin Angela Merkel nannte Struck einen "bedeutenden Parlamentarier und großen Sozialdemokraten". Sie habe Struck in der Großen Koalition von 2005 bis 2009 "als einen hart argumentierenden, dabei jedoch stets verlässlichen Partner kennen- und schätzen gelernt", sagte die CDU-Vorsitzende. Außenminister Guido Westerwelle (FDP) nannte Struck einen "Mann der gelebten staatspolitischen Verantwortung".

Verteidigungsminister Thomas de Maizière (CDU) reagierte erschüttert. "Mit ihm verliert Deutschland einen aufrechten und authentischen Charakter, der wie kaum ein anderer die Verteidigungspolitik des Landes verkörpert hat", sagte de Maizière in Berlin. Der SPD-Politiker habe die Soldaten gemocht "und sie ihn".

SPD-Chef Sigmar Gabriel ehrte Struck als "großen Sozialdemokraten". Fraktionschef Frank-Walter Steinmeier sagte, sein plötzlicher und völlig unerwarteter Tod mache die Partei fassungslos. Wir werden ihn vermissen." Kanzlerkandidat Peer Steinbrück fügte hinzu, mit Struck verliere die SPD eine der prägenden Gestalten der letzten Jahrzehnte.

Lob für einen Menschen mit Ecken und Kanten

Unionsfraktionschef Volker Kauder nannte Struck einen "verlässlichen Freund und Wegbegleiter". Dieser habe sich um das Land als aufrechter Demokrat verdient gemacht. Als Verteidigungsminister habe Struck die Bundeswehr in schwierigen Zeiten sicher geführt. "Der überraschende Tod von Peter Struck hat mich tief getroffen", fügte der CDU-Politiker hinzu.

Der Vorsitzende der Linken im Bundestag, Gregor Gysi, lobte Struck für sein soziales Gewissen. "Er war fleißig, engagiert und verlor nie das Gefühl für die Situation der Bevölkerung, für Menschen in Armut. Er konnte sich freundschaftlich, kollegial und solidarisch verhalten, inzwischen eher eine Rarität in der Politik", erklärte Gysi.

Die Grünen ehrten Struck als "großen Sozialdemokraten und leidenschaftlichen Parlamentarier". Als Vorsitzender der SPD-Fraktion von 1998 bis 2002 und danach als Bundesminister der Verteidigung habe Struck entscheidend zum Zustandekommen und Erfolg der rot-grünen Regierungskoalition beigetragen, unterstrichen die Grünen-Fraktionschefs Renate Künast und Jürgen Trittin.

Ein Leben für das Parlament

Der studierte Jurist Struck zog 1980 erstmals in den Bundestag ein, wo er 29 Jahre lang seinen Wahlkreis Celle/Uelzen vertrat. Von 1990 bis 1998 organisierte der leidenschaftliche Pfeifenraucher als Parlamentarischer Geschäftsführer die Arbeit der SPD-Bundestagsfraktion, die er anschließenden als Fraktionschef vier Jahre lang führte.

2002 übernahm er das Verteidigungsministerium vom entlassenen Ressortchef Rudolf Scharping. Im Oktober 2005 musste der SPD-Politiker aus Gründen der Koalitionsstatik seinen Platz für den Christdemokraten Franz Josef Jung räumen und wurde erneut Fraktionschef der Sozialdemokraten im Bundestag.

2009 verzichtete Struck auf eine erneute Kandidatur und wurde 2010 Vorsitzender der SPD-nahen Friedrich-Ebert-Stiftung.

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