• The Wall Street Journal

Die Deutschen vertrauen Merkel

Wem vertrauen die Deutschen in der Politik? Bei dieser Frage fällt das Urteil einhellig aus: den Politikerinnen. Im Politiker-Ranking landeten Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) und die nordrhein-westfälische Ministerpräsidentin Hannelore Kraft (SPD) mit großem Vorsprung auf den ersten Plätzen. Der Kanzlerin schenken die vom Meinungsforschungsinstitut Forsa für das Nachrichtenmagazin Stern Befragten mit 65 von 100 Punkten das größte Vertrauen. Auf Platz zwei folgt die populäre SPD-Landespolitikerin Kraft mit 57 Punkten. Die Ministerpräsidentin liegt damit auch vor Kanzlerkandidat Peer Steinbrück, der nur auf 53 Punkte kam. Steinbrück wurde zwar von der eigenen Partei bejubelt und auf einem Parteitag mit 93 Prozent zum Kanzlerkandidaten gekürt. Die Bürger geben ihm jedoch nicht die entsprechende Rückendeckung.

„Die Wähler wollen Glaubwürdigkeit", sagt Gero Neugebauer von der Freien Universität Berlin dem Wall Street Journal Deutschland. Das sei das wichtigste Kriterium, um Vertrauen zu gewinnen. Allerdings habe Merkel viele ihrer Versprechen, die sie im Zuge der Euro-Krise gemacht habe, nicht eingelöst, gibt er zu bedenken. „Die Menschen schenken Merkel auch Vertrauen, weil sie die Komplexität der Euro-Krise nicht durchschauen", fügt der Politikwissenschaftler hinzu. Auch die Medien malten das Bild einer Politikerin, die in der Euro-Krise für die Interessen der Deutschen kämpfe und alle Ansprüche der Süd-Länder stoisch zurückweist. „Solch ein Verhalten wird honoriert."

Deutsche Kanzler - wer blieb am längsten?

Wegen seiner kompromisslosen Haltung in der Euro-Krise wird auch Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble mit einem Vertrauensplus belohnt. Im Ranking rückte der CDU-Minister im Vergleich zur letzten Umfrage im August um zwei Punkte nach oben und liegt jetzt mit 57 Punkten gleichauf mit Kraft.

Auch nach Einschätzung von Forsa-Chef Manfred Güllner honorieren die Bürger bei der Kanzlerin vor allem, dass sie ihnen Orientierung im Euro-Dschungel gibt. „Merkel gibt ihnen das Gefühl, dass sich jemand kümmert", sagt er. Eine typisch weibliche Komponente in der Politik kann Güllner nicht erkennen. Erst als Merkel ins Kanzleramt eingezogen sei, habe sich ihre Popularität erhöht, sagt er. Als Kandidatin 2005 seien ihre Sympathiewerte im Vergleich zum damaligen Kanzler Gerhard Schröder schwach gewesen. Bei Kraft verweist Güllner auf den Mangel an Alternativen in Nordrhein-Westfalen. „Frau Kraft konnte klar an Sympathie gewinnen, weil kein Gegenpol aus der CDU da ist", betont der Forsa-Chef.

Kontakt zum Autor: susann.kreutzmann@dowjones.com

Copyright 2012 Dow Jones & Company, Inc. Alle Rechte vorbehalten

Dieses Textmaterial ist ausschließlich für Ihre private, nicht kommerzielle Nutzung. Die Verbreitung und die Nutzung dieses Materials unterliegt unserem Abonnentenvertrag und ist urheberrechtlich geschützt.

Panorama

  • [image]

    Die Welt in Bildern: 21. Mai

    In Sri Lanka fertigt ein Schneider eine kunterbunte Buddha-Fahne, in China hat sich wieder ein riesiger Straßenkrater aufgetan und beim Radrennen Giro d'Italia kämpften sich die Teilnehmer durch die Alpen. Das und mehr sehen Sie in unseren Fotos des Tages.

  • [image]

    Im Luxusreich der Teenager

    Damit sich ihre Kinder gern zu Hause aufhalten, lassen wohlhabende Eltern für sie luxuriöse Wohnbereiche mit Karaokeanlagen, Billardtischen und riesigen Computern gestalten. Einige treiben es dabei auf die Spitze.

  • [image]

    Die Welt in Bildern: 20. Mai

    In China explodiert eine Straßenüberführung, in Indien wütet eine Hitzewelle und in Israel kommt eine Geisel frei. Das und mehr sehen Sie in unseren aktuellen Fotos des Tages.

  • [image]

    Die Krise erreicht die Stierkampf-Arena

    Die Jahrhunderte alte spanische Stierkampf-Tradition steht vor dem Aus. Regionaler Nationalismus und Tierschützer setzen ihr schon seit Jahren zu. Die Rezession droht dem blutigen Spektakel aber den Gnadenstoß zu versetzen.

  • [image]

    Otto – ein deutsches Einkaufsimperium

    Die Otto Gruppe besteht nicht nur aus dem gleichnamigen Versand. Gegründet 1946, ist Otto heute in mehr als 20 Ländern aktiv - mit 123 Konzerngesellschaften wie SportScheck, Manufactum, Mirapodo oder Hermes. Überrascht? Wir zeigen, was noch alles zum Imperium gehört.

  • [image]

    Die SPD und ihre Gesichter

    In diesem Jahr feiert die SPD ihr 150 jähriges Bestehen. In der Geschichte der Bundesrepublik und des vereinigten Deutschlands hat sie die Politik entscheidend mitgeprägt. Wir zeigen einige der wichtigsten Politiker der altehrwürdigen Partei.

  • [image]

    Argentiniens versunkene Stadt taucht wieder auf

    Eine kleine Stadt in der Nähe von Buenos Aires versank nach einem Dammbruch vor 27 Jahren im Meer. Mehr als ein Vierteljahrhundert später erblickt die argentinische Geisterstadt Epecuén wieder das Licht.