• The Wall Street Journal

Mit Zahlen gegen den Klimawandel

2777 Zivilisten wurden im Jahr 2010 durch den Afghanistan-Krieg getötet – 90.000 Menschen brachte dort im gleichen Jahr der Klimawandel um. Das zumindest will die Umweltorganisation Dara festgestellt haben. Vor allem sei für die Afghanen tödlich, dass es durch steigende Temperaturen zu Dürren und so zu Hungersnöten kommt.

Dara lässt sich von Einzelpersonen, Stiftungen und Institutionen bezahlen. Ihre Mission: Mit Lobbyarbeit auf den Klimawandel aufmerksam machen. Nach eigenen Angaben hat die in Madrid ansässige Organisation Studien für Regierungen, für die UN und für die die EU gemacht. Vor allem versteht Dara sich darauf, zu untersuchen, wieviel einzelne Hilfseingriffe gebracht haben. Doch die Aktivisten sind auch gut darin, in Zahlen und Grafiken auf das Problem aufmerksam zu machen.

Wo der Klimawandel die meisten Menschen tötet

Shahnoor Habib Munmun/Wikipedia

Laut den Madridern hat der weltweite Klimawandel und die Umweltverschmutzung durch den Gebrauch von fossilen Energieträgern im Jahr 2010 ganze fünf Millionen Menschen umgebracht. Im Jahr 2030 sollen es sechs Millionen werden. Die Kosten der Erwärmung der Erdkugel beziffern die Aktivisten für das Jahr 2010 auf 600 Milliarden US-Dollar – bis 2030 sollen es 4,35 Billionen werden.

Wissenschaftler und Experten haben höchst unterschiedliche Ansichten darüber, wie fatal der Einfluss des Menschen auf die Erhitzung unseres Planetens tatsächlich ist. Dazu kommt, dass Berechnungen etwa zu Toten infolge des Klimawandels oder zu dessen Kosten nicht nur stets sehr komplex, sondern auch immer höchst konstruktiv sind - die Berechnungsmethode gibt es nicht, selbst wenn man sich auf eine Meinung zum Klimawandel einigt.

Mit solchen Relativierungen halten sich die Mitarbeiter von Dara allerdings nicht auf. Sie setzen auf die Macht nackter Zahlen: So habe der Klimawandel im Jahr 2010 laut Dara weltweit fast 5 Millionen Menschen das Leben gekostet, im Jahr 2030 dürfte die Zahl nach den Berechnungen der Madrider auf 6 Millionen angestiegen sein. In ihrem jüngsten Bericht schreibt die Organisation, die Zahlen basieren „auf verschiedenen aktuellen Studien zum Klimawandel". Sprich: Die Madrider greifen sich das heraus, was zu ihrer Stoßrichtung passt.

Von den 5 Millionen Toten, die Dara für das Jahr 2010 dem Klimawandel zuschreibt, kommen 3,5 Millionen aus nur zehn Ländern. Das sind in erster Linie afrikanische und asiatische Länder mit einer hohen Bevölkerungsdichte. Und die Zahlen nicht nur mit Menschenleben, sondern auch mit einem geschmälerten Bruttoinlandsprodukt.

So gehen Äthiopiens Agrarsektor laut Dara jedes Jahr durch den Klimawandel 450 Millionen Dollar durch die Lappen – in 20 Jahren sollen es drei Milliarden pro Jahr sein. In Russland beziffern die Spanier die Zahl der Toten durch den Klimawandel für das Jahr 2010 auf knapp 100.000, in Bangladesch ist es die gleiche Zahl. Trauriger Spitzenreiter bei den Toten durch die globale Erwärmung ist aber Indien: Dort kommen schon jetzt pro Jahr etwa eine Million Menschen durch Klimawandel und Umweltverschmutzung unter die Erde.

Kontakt zum Autor: florian.bamberg@dowjones.com

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