Von LIAM DENNING
Kanadier verschenken ihre Weihnachtsgeschenke diesmal sehr frühzeitig: Öl im Fass für unter 50 US-Dollar. Doch wer die Sorte Western Canadian Select haben will, die gegenwärtig mit 45 Prozent Abschlag auf die weit verbreitete Sorte West Texas Intermediate angeboten wird, muss mit einem Tankwagen kommen, um es abzuholen.
Für das empfindliche Geschäft der Ölförderung sowie der Erkundung und Erschließung neuer Lagerstätten sind die jüngsten Preismeldungen aus Kanada allerdings schlechte Nachrichten. Genau an dem Tag, als kanadisches Öl für 48 Dollar je Barrel gehandelt wurde, sah sich der Ölfeldausrüster Baker Hughes gezwungen, sein Gewinnziel für das vierte Quartal zu senken. Damit folgte Baker Hughes dem Rivalen Schlumberger, der seinerseits die Prognose schon am Freitag zurückgenommen hatte.
Beide Unternehmen nannten geringere Gewinnmargen im Nordamerikageschäft zur Begründung. Teils lässt sich das auf die Überkapazitäten zurückführen, die im Rahmen des Schiefer-Gas-Booms dort mittlerweile entstanden sind.
Internationaler aufgestellte Ölfirmen können sich immerhin noch auf andere Geschäfte stützen. Doch in Nordamerika steht die Branche zunehmend unter Druck. Dabei wird massiv investiert. Analysten von Sanford C. Bernstein ermittelten, dass Ölfirmen im dritten Quartal 144 Prozent ihres Cashflow investierten. Das bedeutet, die Unternehmen mussten sich zusätzliche Mittel beschaffen.
Bei Bernstein rechnet man damit, dass die Branche in diesem Jahr bis zu 49 Milliarden Dollar frisches Geld aufnimmt, das wären vier Mal soviel wie 2011. Überwiegend dürfte es sich dabei um Fremdmittel, also Schulden handeln. Der Verschuldungsgrad von Firmen, die in der Exploration und Förderung tätig sind, dürfte damit wieder auf Höhen springen, die man zuletzt 2009 gesehen hat.
Höhere Preise für Gas und Erdöl werden daher 2013 nötig sein, um die Investitionen wenigstens teilweise zu decken und mit ihnen auch das Wachstum der Branche zu sichern. Allerdings zeigen die kanadischen Discountpreise, wozu ein starkes Wachstum beim Angebot führt. Und die jüngste Rally beim Gaspreis verliert auch an Druck, nachdem die milde Witterung wieder ihre Macht bei der Preisbestimmung gezeigt hat. Ob es für Öl- und Gasförderer ein glückliches Neues Jahr wird, ist damit noch offen.
Kontakt zum Autor: liam.denning@wsj.com





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