• The Wall Street Journal

Trennbanken-Pläne treffen Deutsche Bank härter als erwartet

Die Pläne für eine stärkere Regulierung der Finanzmärkte treffen die Deutsche Bank härter als bislang angenommen. Es zeichnet sich immer stärker ab, dass Deutschland keine Kompromisse macht und im Geschäft mit Hedgefonds besonders strenge Maßstäbe anlegen will. Wie mehrere mit der Angelegenheit vertraute Personen aus Regierungs- und Aufsichtskreisen sagten, soll auch das besicherte Geschäft mit Hedgefonds von den Kundengeldern abgetrennt werden. Als besichert gelten Kredite, wenn sie mit einer Sicherheit, etwa Wertpapieren, hinterlegt werden. Die Vorschläge Frankreichs gehen dagegen nicht ganz so weit und verlangen nur eine Trennung des unbesicherten Geschäfts mit Hedgefonds.

Der Gesetzesentwurf, über den das Kabinett am Mittwoch berät, deutet bereits eine harte Haltung Deutschlands an, lässt aber letztlich offen, welche „Kredit- und Garantiegeschäfte mit Hedgefonds" genau untersagt werden sollen.

Agence France-Presse/Getty Images

Logo der Deutschen Bank auf dem Hauptgebäude in Frankfurt: Dem deutschen Branchenprimus droht Ungemach von der Politik.

Damit läuft das geplante Gesetz zu den Trennbanken doch auf eine Lex Deutsche Bank hinaus, die hierzulande bei weitem am stärksten betroffen wäre. In einer Umfrage der größten Hedgefonds zählt die Bank weltweit zu den meistgenannten Banken, mit denen die Fonds Geschäfte machen. Laut den Tabellen der Fachpublikation „Global Custodian" spielt die Deutsche Bank in einer Liga mit JP Morgan, Bank of America Merrill Lynch, Barclays, Citigroup, Credit Suisse, Goldman Sachs, Morgan Stanley und UBS . Andere deutsche Institute tauchen unter den Top-Playern nicht auf.

Deutsche Bank baute Hedgefonds-Geschäft aus

Die Deutsche Bank gibt keine Zahlen zum Umfang des Hedgefonds-Geschäfts heraus, Analysten verschiedener Brokerhäuser jedoch sprechen von einem „signifikanten" Anteil am Investmentbanking des Instituts. Die Deutsche Bank habe in der Krise Marktanteile übernommen, als andere Instituten ausgestiegen sind, sagte ein Analyst. Eine Abtrennung des Geschäfts könnte die Bank daher teuer zu stehen kommen.

Die Deutsche Bank kämpft an allen Ecken und Enden mit Kosten, und das zu einer Zeit, in der sie wegen der hohen Anforderungen an das Eigenkapital jeden Cent zweimal umdrehen muss. Unter der Führung von Anshu Jain und Jürgen Fitschen soll die Bank deutlich effizienter und kostengünstiger aufgestellt werden, Boni- und Stellenkürzungen inklusive. Vor allem die Milliardenkosten für Prozesse sind eine hohe Belastung, die es dem Führungsduo erschwert, Erfolge sichtbar zu machen.

Aus der Bank selbst verlautete, dass bei einer Abtrennung des Risikogeschäfts mit „hohen" Kosten zu rechnen sei und letztlich auch die Produkte für die Kunden dadurch teurer würden. Doch hier schalten die Regulatoren auf taub. Ihr Argument: Es gibt keine belastenden Studien, die belegen, warum das Kundengeschäft wesentlich teurer werden sollte.

Das Volk ruft nach härteren Regeln

Der Aufsicht und Politik scheint es ernst. Beide Seiten wollen die Versäumnisse der vergangenen Jahre aufholen. In einer Zeit, in der eine Ausnahmesituation die andere jagte, kamen sie bei der Regulierung kaum hinterher. Vielmehr taumelten sie von einer Banken- und Staatenrettung zur nächsten.

Als es an den Finanzmärkten besonders turbulent herging, wurde zudem noch gern die Einschätzung von Bankenvorständen wie Josef Ackermann hinzugezogen, auch von Bundeskanzlerin Angela Merkel. Das hat sich nun geändert. Zwar hat die Bankenlobby immer noch eine starke Präsenz in Berlin und Brüssel, doch in Zeiten des Wahlkampfs bekommt sie weniger Gehör. Die Gesellschaft, so sagen Politiker, habe kein Verständnis mehr. Das Volk rufe nach härteren Regeln. Haftstrafen eingeschlossen.

Auch die Zeiten, in denen die Finanzaufsicht als zahnloser Tiger galt, sind vorbei. Welches Geschäft letztlich als zu riskant gilt, um zusammen mit dem Kundengeschäft geführt zu werden, solle die BaFin entscheiden, sagte eine Person aus Regierungskreisen. Die Aufsicht in Bonn wurde bereits personell aufgestockt. Weitere Verstärkung sei geplant, sagte die Person, ohne Zahlen zu nennen.

Mitarbeit: Laura Stevens und Andreas Kissler

Kontakt zum Autor: Madeleine.Nissen@wsj.com

Copyright 2012 Dow Jones & Company, Inc. Alle Rechte vorbehalten

Dieses Textmaterial ist ausschließlich für Ihre private, nicht kommerzielle Nutzung. Die Verbreitung und die Nutzung dieses Materials unterliegt unserem Abonnentenvertrag und ist urheberrechtlich geschützt.

Panorama

  • [image]

    Die Welt in Bildern: 18. Juni

    Beim berühmten Pferderennen im britischen Ascot trinkt man trotz äußerer Eleganz den Sekt gern aus der Flasche, in Indien huldigen Hindus dem heiligen Fluss Ganges und in Madrid rücken die Abrissbagger in ein Elendsviertel ein. Das und mehr sehen Sie in unseren Fotos des Tages.

  • [image]

    Obama in Europa: Tanzen mit Angie, Boxen mit Wowi

    US-Präsident Barack Obama kommt viel herum - nicht nur, aber öfter in Deutschland, auch in Frankreich, Tschechien oder Großbritannien jubelt ihm die Menge zu. Wir zeigen schöne, nachdenkliche und sportliche Momente mit Obama in Europa.

  • [image]

    Spektakuläre Formen - Autos wie Skulpturen

    "Sinnlicher Stahl: Autos des Art Deco", unter diesem Titel zeigt das Frist Center for Visual Arts in Nashville, Tennessee, 19 Autos und zwei Motorräder. Die Ausstellung ist gewissermaßen eine Hommage an das im Art Déco gehaltene Gebäude: Sie zeigt Fahrzeuge in sinnlicher Strenge.

  • [image]

    Vom Holzmotorrad zum Schuhauto - die kuriosesten Fahrzeuge

    Mit Kristallen besetzte Autos oder ein Motorrad aus recycelten Fahrradteilen: Wer mit diesen Fahrzeugen unterwegs ist, zieht mit Sicherheit die Blicke auf sich. Wir zeigen, wie Menschen auf der ganzen Welt ihre fahrbaren Untersätze verschönern.

  • [image]

    Hochhauspreise schießen in den Himmel

    Investoren haben zuletzt zunehmend sehr große Summen für Hochhäuser in New Yorks Stadtteil Manhatten bezahlt. Einige der Gebäude in unserer Bildergalerie.

  • [image]

    Was 3D-Drucker können

    Immer mehr Unternehmen setzen 3D-Drucker im alltäglichen Geschäft ein. Ford nutzt sie bisher nur zur Herstellung von Prototypen. Der Autohersteller träumt aber von einer Zukunft, in der Kunden ihre eigenen Ersatzteile drucken können.

  • [image]

    Steiniges Heim in Kalifornien

    Sonne, Strand, spanisch-mexikanische Straßenzüge und entspannte Menschen: Santa Barbara an der Westküste der USA lockt Hollywood-Stars und Musiker an, die keine Lust auf Trubel haben. Unser Haus der Woche in den Hügeln über der Stadt bietet Ruhe - und atemberaubende Ausblicke.

Erwähnte Unternehmen