• The Wall Street Journal

USA verklagen Ratingagentur S&P

Reuters

Muss mit Klage rechnen: die Ratingagentur Standard & Poor's

Die Finanzkrise hat die Ratingagentur Standard & Poor's (S&P) wieder eingeholt. Das US-Justizministerium will die Rolle von S&P in der Finanzkrise gerichtlich klären lassen und hat dazu Klage eingereicht. Es ist das erste Mal, dass eine Bundesbehörde in der Heimat der Bonitätswächter gerichtlich gegen diese vorgeht.

Das Justizministerium wirft S&P vor, mit Immobilien besicherte Wertpapiere zu optimistisch bewertet und dabei die Risiken solcher Kreditderivate wissentlich nicht ausreichend berücksichtigt zu haben.

Solche Kreditderivate hatten während der Finanzkrise drastisch an Wert verloren, obwohl sie teilweise von den Ratingagenturen mit den Bestnoten ausgestattet worden waren. Die unaufhaltsame Erosion dieser Immobilien-besicherten Wertpapiere kostete Investoren damals Milliarden.

In der Klageschrift heißt es nun, die Ratingagentur habe von September 2004 bis Oktober 2007 gezielt den falschen Eindruck erwecken wollen, dass die betreffenden Kreditderivate - RMBS und CDOs - von ihr objektiv bewertet worden seien. Das Justizministerium wirft S&P dagegen vor, vielmehr von der Aussicht auf höhere Umsätze und Marktanteile zu fehlerhaften Bewertungen verleitet worden zu sein. Denn Auftraggeber für die Ratings waren die Emittenten der Wertpapiere, die Interesse an einer hohen Bonität der Kreditderivate hatten.

S&P wies in einer Stellungnahme jegliches Fehlverhalten von sich und erklärte, die Klage entbehre jeder rechtlichen und faktischen Grundlage.

Außerhalb den USA haben sich die drei großen Agenturen S&P, Moody's und Fitch schon diverse Male vor Gericht verantworten müssen. In Australien wurde S&P auch schon einmal verurteilt. Die Klage einer Bundesbehörde im Heimatland ist jedoch eine Premiere. Der Klage durch das Justizministerium schließen sich wahrscheinlich noch Staatsanwälte einzelner Bundesstaaten an.

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