• The Wall Street Journal

Groupon gewinnt im Wettbewerb mit Living-Social

Santa Claus scheint Groupon zu Weihnachten ein nettes Geschenk gemacht zu haben. Der letzte große Wettbewerber steckt finanziell gesehen in einer fragwürdigen Lage.

Das Quartalsergebnis für die Nummer zwei am Markt für Online-Kupons, LivingSocial, wurde vergangene Woche zusammen mit den Zahlen von Amazon.com bekannt. Living-Social ist zwar nicht an der Börse geliste, doch der Online-Händler Amazon ist daran beteiligt und veröffentlicht deshalb die Zahlen mit seinen eigenen. Und die zeigen eines ganz deutlich: Es läuft nicht eben gut für Living-Social.

Das Unternehmen hat eine wilde Reise hinter sich. In den vergangenen Jahren wurden 600 Millionen US-Dollar Investorengelder ausgegeben - Mittel die das Unternehmen auf Basis einer Bewertung von 4,5 Milliarden Dollar erhalten hatte.

Living-Social hat damit ein Geschäft aufgebaut, das im vergangenen Jahr 536 Millionen Dollar Umsatz gemacht hat. Das entspricht zwar dem doppelten Wert des Vorjahres, profitabel ist das Unternehmen deshalb aber noch nicht.

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In den vergangenen beiden Jahren hat Living-Social operative Verluste von zusammen 1,3 Milliarden Dollar angehäuft; eine Summe, in der substanzielle unbare Abschreibungen enthalten sind.

Living-Social hat den Boom der Deal-des-Tages-Offerten im Internet und das hohe Eigenkapital dazu genutzt, fleißig internationale Wettbewerber aufzukaufen, und zwar zu Höchstbewertungen. Einige sind seither schon vom Markt verschwunden.

Während die Barbestände deutlich geschrumpft sind, sind die Verbindlichkeiten zusammen mit den Umsätzen gestiegen. Nach den von Amazon veröffentlichten Zahlen sind die Vermögenswerte von Living-Social - überwiegend Barmittel - von 176 Millionen Dollar Ende 2011auf 76 Millionen Dollar Ende 2012 zusammengeschnurrt.

Zugleich stiegen die laufenden Verbindlichkeiten im gleichen Zeitraum von 210 auf 338 Millionen Dollar. Überwiegend sind das Schulden, die Living-Social gegenüber Geschäftsleuten hat, für deren Waren und Dienstleistungen das Unternehmen im Internet Kupons verkauft hat.

Noch kann Living-Social auf eine Kreditlinie zurückgreifen oder neues Kapital einwerben. Doch wenn das Unternehmen weiterhin Geld verbrennt, besteht das Risiko, dass die Händler eines Tages ihren Anteil an den Kupon-Erlösen nicht mehr bekommen.

Damit es soweit nicht kommt, hat das Unternehmen Kostensenkungsmaßnahmen eingeleitet: Internationale Tätigkeiten wurden aufgegeben, Mitarbeiter im Heimatland geschlossen. Insgesamt wurde die Belegschaft schon um ein Fünftel verkleinert, wie aus Insiderkreisen zu hören ist.

Nach Angaben dieses Informanten lag der Verlust vor Zinsen, Steuern sowie Abschreibungen - also auf Ebitda-Basis – im vierten Quartal um 85 Prozent unter dem Minus, das zweiten Quartal 2011, dem bisher schlechtesten der Firmengeschichte, verbucht wurde. Unternehmenschef Tim O'Shaughnessy hat den Beschäftigten jüngst in Aussicht gestellt, in diesem Frühjahr werde man schwarze Zahlen schreiben.

Unterdessen steht Groupon finanziell weit besser da. In den ersten neun Monaten 2012 verbuchte der Marktführer einen operativen Gewinn von 112 Millionen Dollar. Auch in der Bilanz sieht es besser aus. Das Verhältnis zwischen Vermögenswerten und Verbindlichkeiten lag per Ende September bei 1,3, während Living-Social gerade einen Wert von 0,2 schaffte. Das ist ein Vorsprung, der wahrscheinlich auch von Händlern nicht ignoriert wird, wenn sie sich entscheiden sollen, mit welchem Kupon-Anbieter sie kooperieren wollen.

Living-Social musste seinen Handelspartnern zunächst beweisen, dass aus Online-Schnäppchenjägern langfristige Kunden werden können. Jetzt wächst der Druck zu zeigen, dass die Kupon-Firma Gewinne machen kann und so langfristig ihre Zukunft sichert.

Kontakt zum Autor: redaktion@wallstreetjournal.de

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