• The Wall Street Journal

Anleger setzen wieder auf Bankenanleihen

Fünf Jahre, nachdem sie sich in der Finanzkrise die Finger verbrannt haben, setzen US-Anleger erneut auf Bankenanleihen. Dieser Stimmungsumschwung lässt die Kurse steigen und die Renditen sinken. Zum ersten Mal seit 2007 stehen in Dollar lautende Anleihen von Banken kurz davor, weniger Rendite abzuwerfen als die von Großkonzernen wie AT&T .

Die Preise für Schuldtitel von Finanzinstituten sind im vergangenen Jahr durchgehend gestiegen und haben damit die Rally bei anderen Anleihen noch hinter sich gelassen. Am Freitag lag die Rendite im Schnitt noch 0,14 Prozentpunkte höher als bei anderen Unternehmensanleihen mit Investmentstatus. Vor einem Jahr waren es noch 1,29 Prozentpunkte, wie ein Index von Barclays zeigt.

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Autobauer Ford hat seine Dividende verdoppelt. Das schreckt Anleiheinvestoren ab.

Das stellt einen Wendepunkt im Verhalten der Anleger dar, sagt Justin D'Ercole, Anleiheexperte bei Barclays. Man könnte es auch eine Rückkehr zu der Lage bezeichnen, die vor der Finanzkrise als Normalität galt. Banken galten üblicherweise als eine sicherere Wette als viele andere Unternehmen und hatten daher geringere Verschuldungskosten.

D'Ercole erwartet, dass in diesem Jahr noch mehr Anleger wieder bei Schulden von Finanzinstituten zugreifen, auch weil diese aufgrund der strengeren Vorgaben der Regulierer ihre Bilanzen in Ordnung bringen. Zudem stehen Industrieunternehmen immer stärker unter Druck, ihre Dividenden und Aktienrückkäufe zu erhöhen und andere Firmen zu übernehmen. Alle diese drei Schritte sind bei Anleiheinvestoren unbeliebt, da sie Barmittel verschlingen, die sonst für die Rückzahlung von Schulden zurückgestellt werden könnten. „Die Bilanzen in der Industrie haben ihren Zenit überschritten und fallen wieder ab", sagt D'Ercole. „Aber bei der Finanzbranche hat man viel geringere Marktvolatilität, was zu besseren Ergebnissen führt."

Bank-Bonds gelten wieder als sichere Wette

Viele Banken nutzen die niedrigen Renditen. Goldman Sachs, die Bank of America und J.P. Morgan Chase haben in diesem Monat jeweils Anleihen über sechs Milliarden US-Dollar verkauft. Bei Goldman war es die größte Emission aller Zeiten. Mehr als 55 Milliarden Dollar umfassen die Anleihen von Finanzunternehmen, die im Januar bisher ausgegeben wurden. Im Januar 2012 waren es nur 41 Milliarden, zeigen Daten von Dealogic.

Kritiker warnen, dass die Risiken eines Zusammenbruchs des Bankensektors noch nicht vom Tisch sind. Diese Gefahr sei in vielen Anleihen nicht eingepreist. Es sei schwierig, sich vorzustellen, dass die Verschuldungskosten von Banken unter die von Industrieunternehmen fallen könnten, „nach allem, was wir erlebt haben", sagt David Brown, Portfoliomanager bei Neuberger Berman. Dort wird ein Vermögen von 94 Milliarden Dollar verwaltet. Brown hat seinen Anteil von Bankpapieren in seinem Anleiheportfolio im Vergleich zum Vorjahr von 35 auf 25 Prozent abgesenkt.

2008 führten die Turbulenzen auf den Finanzmärkten und die Angst vor einem Zusammenbruch großer Kreditinstitute dazu, dass die Anleger viele Anleihen von Banken abstießen. Ein Rettungspaket der US-Regierung verhinderte schließlich den Kollaps. Auch ihre hohen Positionen bei europäischen Staatsanleihen haben den Anlegern seitdem immer wieder Kopfschmerzen bereitet.

Aber jetzt gelten Banken-Bonds wieder als sichere Wette. „Banken sind ein sicherer Ort, um heute Geld zu verleihen", sagt Brian Hess, Portfoliomanager bei Brandywine Global Investment Management, wo 34 Milliarden in festverzinslichen Anlagen verwaltet werden. Er setzt seit Ende 2012 wieder auf Anleihen von Finanzinstituten. Ihn ermutige, dass die Banken ihre Kernkapitalquote deutlich aufgestockt haben. Im vierten Quartal lag diese bei den sechs größten Banken der USA im Schnitt bei 12 Prozent, so Zahlen von RBS Securities. Vor fünf Jahren waren es noch 5,9 Prozent.

Höhere Dividenden lassen Anleihepreise purzeln

Unterdessen verschulden sich Unternehmen außerhalb der Finanzbranche stärker oder schütten mehr Barmittel an ihre Aktionäre aus. Das stößt Anleiheinvestoren sauer auf. Die Nettoverschuldung als Anteil am Gewinn stieg laut Barclays im dritten Quartal 2012 auf 150 Prozent. Das ist so viel wie seit dem ersten Quartal 2009 nicht mehr.

Der Telekomkonzern AT&T verlängerte im vergangenen Jahr seinen Aktienrückkauf und erhöhte die Kapitalausgaben. Der Autobauer Ford verdoppelte kürzlich seine Dividende. Beide Nachrichten ließen prompt die Anleihepreise sinken. Und die Berichte, dass Computerhersteller Dell sich von der Börse verabschieden und sich damit noch höher verschulden könnte, unterstreicht das Risiko für Bond-Anleger.

Die Preise von Dell-Anleihen fielen innerhalb weniger Tage um 20 Prozent. Das gilt auch für andere Unternehmen, die als Ziele für einen Buyout gelten. Wenn Dell mehr Schulden aufnimmt, um den Buyout zu finanzieren, würden die Anleihen wahrscheinlich ihren Investmentstatus verlieren, hat die Ratingagentur Fitch gedroht.

„Es scheint klar, dass die Unternehmen von ihren Aktionären unter Druck gesetzt werden, die Aktien-Performance zu erhöhen", sagt Susanna Gibbons, Portfoliomanagerin bei RBC Global Asset Management, wo 43 Milliarden Dollar verwaltete werden. „Wir glauben, dass dies das größte Risiko für den Anleihemarkt in diesem Jahr ist. Unter diesem Aspekt könnten Banken tatsächlich der neue Sektor mit niedrigem Risiko werden."

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