Von GAUTAM NAIK
Die Ausgaben für Forschung und Entwicklung von Staaten und Unternehmen in Europa und den USA dürften im nächsten Jahr zurückgehen. Grund sind laut einer aktuellen Studie das schleppende Wirtschaftswachstum und die hohe Staatsverschuldung.
In den USA werden die entsprechenden Ausgaben 2013 inflationsbereinigt wohl um 0,7 Prozent sinken, meint das Battelle Memorial Institute, eine gemeinnützige Organisation, die wissenschaftliche Studien für Regierungen und Unternehmen verfasst.
Die Prognose unterstellt dabei schon, dass die US-Politiker die drohende Fiskalklippe umschiffen, die sonst zu Jahresbeginn massive Steuererhöhungen und Ausgabenkürzungen auslösen würde. Gelingt dies nicht, würden die Ausgaben noch stärker sinken.
Der erwartete Rückgang bei den F+E-Ausgaben in den USA "ist insofern bedeutsam, als er weit jenseits der historischen Wachstumsrate liegt und damit langfristig die Wettbewerbsfähigkeit des Landes gefährdet", sagt Martin Grueber, Forscher bei Battelle und Co-Autor der Studie, die im R&D Magazine erscheint.
Das in Columbus, Ohio, ansässige Institut sammelt jedes Jahr weltweit Informationen über Forschungspläne von Staaten, Unternehmen und Universitäten. Zudem gewinnt Battelle zusätzliche Informationen über weltweite Umfragen unter Forschern.
Im Zeitraum von 2004 bis 2007 sind die F+E-Ausgaben in den USA inflationsbereinigt im Schnitt um jährlich 4 Prozent gewachsen. Aber seit 2009 kletterten sie nicht mehr schneller als die Inflation.
China, volkswirtschaftlich betrachtet der größte Konkurrent der USA, steigert seine Forschungsausgaben dagegen deutlich stärker. Während die Inflationsrate hier im nächsten Jahr wohl bei 3,6 Prozent liegen wird, dürften die F+E-Ausgaben um 11,6 Prozent steigen.
China holt bei Forschungsausgaben schnell auf
In absoluten Beträgen liegen die USA natürlich noch weit vor China: Hier wurden in diesem Jahr für Forschung und Entwicklung 418,6 Milliarden Dollar ausgegeben, in China dagegen ‚nur' 197,3 Milliarden Dollar. Aber das asiatische Land holt schnell auf. Global dürften die F+E-Ausgaben im nächsten Jahr um 3,7 Prozent oder 53,7 Milliarden Dollar auf fast 1,5 Billionen Dollar zulegen. Der größte Teil davon, 22,9 Milliarden Dollar, dürfte aus China kommen.
Früher hatte Battelle den Gleichstand bei den Forschungsaufwendungen der USA und China für das Jahr 2027 prognostiziert. Im vergangenen Jahr korrigierte das Institut die Prognose auf 2023, und jetzt auf 2022. "Wenn die USA über die Fiskalklippe stürzen", sagt Grueber, "wird es sogar schon 2019 passieren."
Auch in Europa sieht es bei Forschung und Entwicklung nicht gut aus. Vor einem Jahrzehnt hat sich die EU noch das Ziel gesetzt, das die F+E-Ausgaben 3 Prozent der jährlichen Wirtschaftsleistung entsprechen sollen. Aktuell liegt diese Zahl laut Battelle bei weniger als 1,9 Prozent. Ein EU-Programm, das in einem Jahr startet, nimmt das 3-Prozent-Ziel nun für das Jahr 2020 wieder in Angriff.
Die Ausgaben für Forschung und Entwicklung sind von großer Bedeutung für die Volkswirtschaften. So generieren die 423,7 Milliarden Dollar, die im kommenden Jahr in den USA für Forschung und Entwicklung ausgegeben werden sollen, laut Battelle insgesamt eine Wirtschaftsleistung von 1,24 Billionen Dollar. Gleichzeitig stützten diese die direkte Beschäftigung von 2,5 Millionen Voll- und Teilzeitangestellten. Indirekt seien es sogar 8,3 Millionen Stellen, heißt es in der Studie von Battelle.
Kontakt zum Autor: redaktion@wallstreetjournal.de

dapd


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