• The Wall Street Journal

Tech-Firmen mischen den Mietmarkt auf

Technologiefirmen gewinnen in Europa schneller Mietflächen hinzu als Finanzdienstleister, belegt eine neue Studie. Das zeigt, wie wichtig diese Unternehmen für den Immobilienmarkt werden. Doch sie haben auch ganz neue Ansprüche an ihre Büroflächen, die die Vermieter oft nur schwer befriedigen können.

Technologiefirmen siedeln sich mit Vorliebe in trendigen Vierteln fernab von den traditionellen Bürogegenden an, wo die Mieten noch relativ niedrig sind. Das könnte die Mieten in den besten Bürogegenden unter Druck setzen, wo Flächen seit vergangenem Jahr langsamer vermietet werden.

[image] Derwent London

Der Londoner Entwickler Derwent Group hat ein "Fabrik"-Konzept speziell für Technologiefirmen im Angebot.

In der ersten Jahreshälfte 2012 mieteten Technologie- und Telekomfirmen in europäischen Großstädten 520.000 Quadratmeter an Büroflächen an, berichten Analysten der CBRE Group . Diese Zahl überstieg zum ersten Mal die Fläche, die von Finanzfirmen gemietet wurde, berichtet CBRE, nämlich 420.000 Quadratmeter.

Dank staatlicher Unterstützung und der gestiegenen Bereitschaft der Banken, Kredite an Start-ups zu vergeben, konnte der Technologiesektor in letzter Zeit schnell wachsen. Immer mehr neu gegründete Firmen suchen passende Flächen, während etablierte Technologiekonzerne mehr Platz brauchen oder sich in weiteren europäischen Städten ansiedeln wollen, solange die Nachfrage nach Technologiedienstleistungen steigt.

Bauunternehmer passen sich zunehmend an die ganz unterschiedlichen Ansprüche der Technologiefirmen an. „Technologiefirmen suchen aussagekräftige Immobilien", sagt Ben Munn, Leiter des Bereichs Arbeitsplatzstrategien bei CBRE. „Das kann eine ganz einfache Fläche sein, solange es sich nicht wie ein altbackenes Büro anfühlt. Auf keinen Fall darf es aussehen, als säße man in einem professionellen Dienstleistungsunternehmen."

Weiterhin geringe Nachfrage aus der Finanzbranche

Anders als Finanzfirmen suchen Technologie- und Telekommieter anstatt nach einer hohen Gebäudesicherheit eher nach „kreativen", interessanten Flächen, sagt Munn. Ein Beispiel: Ein ehemaliges Parkhaus in Paris beherbergt heute Illumination Entertainment, eine Firma, die Computeranimationen herstellt.

Interessante Büroflächen können auch Talente an ein Unternehmen binden. „Die Angestellten sollen die Kultur im Büro selbst entwickeln", sagt Tom Adeyoola, Gründer und Chef von Metail, einer Londoner Firma, die virtuelle Umkleiden programmiert.

Banken hingegen sind derzeit mehr damit beschäftigt, ihre Belegschaft abzubauen, und zögern geplante Umzüge hinaus. Die UBS hat angekündigt, weltweit 10.000 Stellen zu streichen, da sie sich vom Investment-Banking entfernen wolle, und auch Nomura sowie die Deutsche Bank haben ihre Belegschaft in Europa verkleinert. Im vergangenen Jahr legte der Vermögensverwalter Schroders aufgrund der Finanzkrise einen Umzugsplan in London auf Eis.

Die Top-Mieten für die besten Büroflächen von Großstädten haben sich in den ersten drei Quartalen 2012 immer langsamer gesteigert, nachdem sie im vergangenen Jahr stetig gewachsen waren, berichtet der Immobilienmakler Jones Lang Lasalle. Die Nachfrage von Finanzfirmen, die typischerweise solche Flächen anmieten, ist weiterhin gering.

Technologiefirmen wie der Antivirus-Software-Hersteller Kaspersky, Groupon, Google und der E-Mail-Anbieter Mail.ru sind hingegen in den vergangenen 18 Monate alle in größere Büros umgezogen. Davon profitieren Städte wie London und Dublin, wo fast ein Viertel aller neuen Flächen an Technologie-, Medien- und Telekomfirmen geht.

Google spart bei der Miete

Dank der robusten deutschen Wirtschaft sind auch Büroflächen in Berlin, München und Hamburg bei diesen Unternehmen beliebt. Google und Groupon haben in den vergangenen 18 Monaten Büros in Berlin eröffnet. In Osteuropa kann vor allem Moskau vom Zuzug von Kaspersky und Mail.ru profitieren.

Doch verschwenderisch sind die Technologieunternehmen bei ihren Umzugsplänen nicht. Google hat vergangenes Jahr eine neue Zentrale im Londoner West End eröffnet, zahlt dort aber 50 Prozent weniger Miete, als die durchschnittlichen Top-Büroflächen in der Londoner Innenstadt kosten, da die von Google angemietete Immobilien nicht an der Hauptverkehrsstraße liegt.

Das Bauunternehmen Derwent London hat ein Bürokonzept entwickelt, das besonders auf Technologiefirmen abzielt. Es soll hohe Decken, große, offene Räume und sogar Fenster geben, die sich öffnen lassen.

„Reine Technologiefirmen, anders als Telekom- und Medienunternehmen, wollen nicht viel Miete zahlen", sagt Celine Thompson, Leiterin des Leasing-Bereichs bei Derwent London. Die Firma spezialisiert sich auf Büros am Rande der traditionell hochwertigsten Immobiliengegenden, dem West End und der City, wie der historische Finanzdistrikt genannt wird. „Doch mit der steigenden Nachfrage werden auch im Randmarkt die Preise steigen."

Kontakt zum Autor: redaktion@wallstreetjournal.de

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