Von KEITH JOHNSON
Die amerikanische Großstadt Indianapolis will ihre Fahrzeugflotte aus energiepolitischen Gründen so umrüsten, dass sie ab 2025 keinen Tropfen Benzin und Diesel mehr verbraucht. Die mehr als 800.000 Einwohner zählende Hauptstadt des Bundestaates Indiana gehört damit zu den Vorreitern unter amerikanischen Metropolen, was den Einsatz alternativer Treibstoffe betrifft.
Bürgermeister Greg Ballard will alle Pkw, Nutzfahrzeuge und sogar die Streifenwagen der Stadt mit Strom und Erdgas oder einer Kombination aus beidem betreiben. Während die Stadt damit einerseits Benzinkosten einspart, will der republikanische Politiker andererseits ein Zeichen an die nationale Energiepolitik senden und die Stadt vom Öl unabhängiger machen.
„Die Verkehrspolitik der USA ist vom Öl getrieben, doch das hat riesige finanzielle und strategische Kosten", argumentiert Ballard, in dessen Stadt einmal jährlich eines der berühmtesten Autorennen der Welt gefahren wird, bei dem ein Verzicht auf Benzin undenkbar wäre.
Andere Großstädte wie New York, Houston, Chicago und Los Angeles haben in den vergangenen Jahren bereits "grüne" Flotten von Pkw, Taxis und Bussen aufgebaut. Kleinere Städte stellten immerhin einen Teil ihrer Fahrzeuge auf alternative Treibstoffe um und bauen mit öffentlichen Geldern eine passende Infrastruktur auf. So installieren einige Städte elektrische Ladestationen, um die Nutzung von Elektroautos voranzutreiben.
Erdgas mit ins Spiel
Doch den kompletten Umstieg wie ihn Indianapolis gerade plant, hat noch keiner versucht. Er ist auch weniger von Umweltbewusstsein oder der Angst vor dem Klimawandel getrieben. Stattdessen will Ballard, der 23 Jahre bei der Marine war, die finanziellen und geopolitischen Kosten der Abhängigkeit Amerikas vom Öl aufzeigen und dagegen angehen. „Ich fand es wichtig, dass jemand aufsteht und sagt: ‚Wir müssen diese Politik ändern'. Und ich werde versuchen, diese Veränderung hier zu erzwingen", sagte Ballard.
Ballard steht damit nicht allein. Erst kürzlich plädierten Unternehmenschefs, Ex-Militärs und Politiker aus dem Rat für Energiesicherheit dafür, im Transportgewerbe die Abhängigkeit vom Öl zu verringern, um einerseits die Wirtschaft zu stärken und andererseits außenpolitische Zwänge zu umgehen.
Die Umstellung, glaubt Ballard, „wird einige technische Veränderungen, Investitionen, verlässliche Partner und die Unterstützung von Vertretern der Stadt nötig machen. Doch es ist zu schaffen."
Initiativen wie die von Ballard sind oft schwer durchzusetzen. Als das Pentagon weniger abhängig vom Öl werden wollte, rebellierten führende republikanische Politiker dagegen. Außerdem bezweifeln viele Politiker, dass die teuren Elektroautos mit ihrer geringen Reichweite wirklich eine sinnvolle Investition aus Sicht der Steuerzahler sind.
Ballard umgeht diesen Streit, indem er auf Hybridfahrzeuge umstellen will und außerdem Erdgas mit ins Spiel bringt. Doch Elektro- wie auch Erdgasfahrzeuge sind teurer als normale Autos mit Verbrennungsmotor, und für beide ist eine neue Infrastruktur nötig.
Spritpreise bleiben hoch
Der örtliche Stromanbieter hat bereits Ladestationen in der Stadt aufgestellt. Erdgasfirmen spielen derzeit verschiedene Varianten durch, wie man Erdgastankstellen aufstellen kann. Ballard will Gelder vom Energieministerium beantragen, um die Kosten für die Umstellung der 3135 Fahrzeuge umfassenden städtischen Flotte abzufedern. Das Ministerium unterstützt mit seinem Clean Cities Program Investitionen in alternative Treibstoffe.
Obwohl die USA ihre heimische Energieproduktion in den vergangenen Jahren stark ausgebaut haben, hängt das Land noch immer von den globalen Energiepreisen ab. Vergangene Woche erreichte die US-Ölförderung ihren höchsten Stand in 15 Jahren. Bis 2020, so die Internationale Energieagentur IEA, könnten die USA bei der Ölförderung an Saudi-Arabien vorbeiziehen.
Trotzdem bleiben die Spritpreise in den Vereinigten Staaten hoch. Laut IEA kostete Benzin am 10. Dezember durchschnittlich umgerechnet 0,677 Euro pro Liter, ein neuer Rekord für dieses Datum.
Schon wegen des hohen Niveaus der Benzin- und Dieselpreise glaubt Ballard, dass sich die teure Umstellung lohnen wird und Indianapolis am Ende Geld sparen kann. Er schätzt, dass die Stadt mit der Umstellung auf Hybridantriebe bei kleineren Fahrzeugen jeweils 12.000 Dollar an Benzin- und Reparaturkosten über die gesamte Lebensdauer sparen kann.
Verkehrsexperten glauben an Erfolg
Mit Erdgas allein wäre der Spareffekt noch größer. Billiges Gas ist in den USA in Hülle und Fülle verfügbar und kostet in komprimierter Form weniger als halb so viel wie Diesel. In Indianapolis sollen bald Müllautos, Räumfahrzeuge und Feuerwehrautos mit komprimiertem Gas betrieben werden, sagte Ballard.
Einige Unternehmen haben die Umstellung ihrer Lasterflotten schon gewagt. Der Entsorger Waste Management wird bis zum Jahresende 2.000 Mülltransporter auf Erdgasbetrieb umgerüstet haben. Bis 2020, wenn die komplette Flotte umgestellt ist, hofft Waste Management eine Milliarde Dollar Treibstoffkosten gespart zu haben.
Verkehrsexperten glauben, dass örtlichen Initiativen wie der von Indianapolis mehr Erfolg bei der Energieumstellung beschieden ist, als der Bundesregierung, deren Vorschläge oft im Parteienstreit aufgerieben werden.
„Um unsere Städte und unser Land mit Energie zu versorgen, müssen wir jetzt unsere Infrastruktur erneuern und unsere Abhängigkeit vom Öl reduzieren", sagt Tom Cochran, Vorsitzender der amerikanischen Bürgermeisterkonferenz, einer parteilosen Vereinigung.
Kontakt zum Autor: redaktion@wallstreetjournal.de









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