• The Wall Street Journal

Gauck besucht deutsche Soldaten in Afghanistan

[image] dapd

Bundespräsident Joachim Gauck besucht am Montag in Masar-i-Scharif in Afghanistan stationierte Bundeswehr-Soldaten.

MASAR-I-SCHARIF -- Vorweihnachtliche Überraschung in Masar-i-Scharif: Bundespräsident Joachim Gauck hat am Montag gemeinsam mit seiner Lebensgefährtin Daniela Schadt die deutschen Soldaten in Afghanistan besucht. Die Lage am Hindukusch sei zwar "nicht mehr so bedrohlich" wie früher. "Öffentlicher Dienst in Uniform hier in Afghanistan ist aber doch etwas anderes als zu Hause", lobte das Staatsoberhaupt im größten deutschen Feldlager den Einsatz der Bundeswehr.

Ausdrücklich verwies Gauck auf die Erfolge beim Wiederaufbau des Landes. "Wir sind nicht am Ziel", doch könne man von einem "Erfolg" des Einsatzes sprechen. Zugleich äußerte das Staatsoberhaupt den Wunsch, die deutsche Debatte über die Situation am Hindukusch möge "weder Schwarzmalerei noch Schönfärberei, sondern Realismus" prägen.

In Teilen des Landes herrschten weiterhin "kriegsähnliche Zustände", sagte Gauck und griff damit den politischen Wechsel in der früher lediglich als Unterstützungseinsatz bezeichneten ISAF-Mission auf. Doch sei das eben nicht die ganze Realität. Vor deutschen und internationalen Soldaten, Polizisten und Entwicklungshelfern fügte der Bundespräsident hinzu: "Von verwundeten oder getöteten Soldaten hören wir verlässlich - von neuen Stromanschlüssen, gelungenen Unternehmen, erfolgreichen Schulabschlüssen selten."

Hilfe auch nach 2014 nötig

Gauck versprach, die Afghanen auch nach dem für Ende 2014 geplanten Truppenabzug nicht allein zu lassen. "Und wer meint, dass wir in Afghanistan nach 2014 nichts mehr gestalten könnten, der ist hyperoptimistisch oder leichtsinnig oder schlicht und einfach unsolidarisch". Denn nicht ein "Übermut der Verbündeten" habe Deutschland in den Konflikt eingreifen lassen, sondern die Verantwortung für Sicherheit und Frieden.

Der Bundespräsident drückte in Masar-i-Scharif den Soldaten und zivilen Mitarbeitern aus Deutschland und weiteren 18 Nationen seine "Wertschätzung" aus. "Sie leisten Außerordentliches. Sie bringen Opfer. Sie zeigen Mut", sagte Gauck. Daher werde Deutschland Afghanistan auch nach dem Abzug der Bundeswehr nicht allein lassen. Derzeit sind rund 4.500 Bundeswehrsoldaten im Land eingesetzt, wobei diese Zahl bis Anfang 2014 auf 3.300 Mann sinken soll.

Landung der Regierungsmaschine direkt in Masar

Zuvor war Gauck wie kürzlich Verteidigungsminister Thomas de Maizière (CDU) direkt auf dem internationalen Flughafen der nordafghanischen Stadt gelandet. Früher erfolgten solche Reisen mit einem geschützten Transportflugzeug der Bundeswehr über Usbekistan. Die Reise von de Maizière war der erste Direktflug mit einer deutschen Regierungsmaschine nach Afghanistan und sollte als Zeichen für ein verbessertes Sicherheitsumfeld gelten.

Der mehrtägige Besuch Gaucks findet unter schärfsten Sicherheitsvorkehrungen statt und wurde erst nach Ankunft des Staatsoberhauptes öffentlich bekannt gemacht. Es ist die vierte Reise eines deutschen Staatsoberhaupts nach Afghanistan. Gaucks Vorgänger Christian Wulff hatte dem Land im Oktober 2011 einen Staatsbesuch abgestattet. Dessen Vorgänger Horst Köhler war 2010 zu einem Blitzbesuch am Hindukusch, trat kurz darauf aber zurück, nachdem er den Bundeswehreinsatz mit wirtschaftlichen Interessen in Verbindung gebracht hatte. Im März 1967 hatte als erster Bundespräsident Heinrich Lübke Afghanistan besucht.

Der ISAF-Einsatz startete Anfang 2002. Bis Ende 2014 sollen alle Kampftruppen das Land verlassen haben. Bereits Mitte 2013 sollen die Soldaten der Internationalen Schutztruppe ISAF in ihre Stützpunkte zurückkehren und nur noch eine unterstützende Rolle spielen. Dann will Afghanistan selbst für die Sicherheitsverantwortung im Land sorgen.

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