• The Wall Street Journal

Amokläufer erschoss Opfer aus nächster Nähe

dapd

Trauernde legen nach dem Amoklauf an der Grundschule in Newtown Blumen für die Opfer nieder und zünden Kerzen an.

Nach dem Massaker an einer Grundschule im US-Staat Connecticut kommen immer neue schreckliche Details ans Licht. Die Gerichtsmedizin teilte am Wochenende mit, der Amokschütze habe Kinder und Lehrer der Sandy-Hook-Grundschule in Newtown mit einem halbautomatischen Gewehr getötet. Einige der Opfer seien am Freitag aus nächster Nähe erschossen und alle offenbar von mehr als einer Kugel getroffen worden, sagte Gerichtsmediziner H. Wayne Carver. US-Präsident Barack Obama will am Sonntag an einer Gedenkfeier für die Opfer in Newtown teilnehmen.

Die Behörden veröffentlichten am Samstag eine Liste der Todesopfer. Darunter sind sechs Erwachsene, allesamt Frauen. Die 20 getöteten Kinder waren zwischen sechs und sieben Jahren alt. „Ich glaube, sie waren alle in der ersten Klasse", sagte Carver.

Unter den Opfern ist auch die Direktorin der Schule, die nach Angaben von Mitarbeitern der Stadtverwaltung versuchte, den Schützen zu stoppen. Auch die Schulpsychologin wurde getötet. Die 27-jährige Lehrerin Victoria Soto wurde als Heldin beschrieben, weil sie einige der Schüler in einem Badezimmer und in einem Schrank versteckte, wie ihr Cousin sagte. Sie habe sich zwischen den Schützen und die Kinder gestellt.

Für die Ermittler sind nach der grausamen Tat noch viele Fragen offen. Unter anderem wollen sie herausfinden, welche Erfahrung der Amokschütze Adam Lanza im Umgang mit Waffen hatte und was ihn zu der Tat trieb. US-Medien berichteten unter Berufung auf die Ermittler, dass der 20-Jährige eine Auseinandersetzung mit Schulangestellten gehabt haben soll, bevor er am Freitag erst seine Mutter tötete, in die Schule fuhr, um dort 20 Kinder und sechs Erwachsene zu erschießen, und sich anschließend selbst das Leben nahm.

Die Gerichtsmedizin kündigte an, dass sie eine Autopsie der Leichen des Amokläufers und seiner Mutter vornehmen will.

Während sich einige Angehörige der Opfer zurückzogen, um in Stille zu trauern, äußerten sich andere in der Öffentlichkeit. Robbie Parker, Vater der getöteten sechsjährigen Emilie kämpfte vor den Fernsehkameras mit den Tränen. Er sprach den anderen Angehörigen sein Beileid aus. „Das gilt auch für die Familie des Schützen", sagte er. „Ich kann mir nicht vorstellen, wie schlimm diese Erfahrung für Sie sein muss. Ich möchte, dass Sie wissen, dass unser Mitgefühl und unsere Unterstützung auch Ihnen gilt."

Auch der Vater des Schützen wandte sich an die Öffentlichkeit. Peter Lanza erklärte in einer Stellungnahme, die Familie trauere mit all jenen, die von dieser Tragödie betroffen seien. "Worte können nicht ausdrücken, wie traurig wir sind", erklärte Lanza. Alle Verwandten seien fassungslos und suchten nach Antworten.

US-Präsident Obama will am Sonntag in Newtown mit Angehörigen der Opfer und Rettungskräften zusammenkommen. Bei der Gedenkfeier in der Newtown High School soll er eine Rede halten.

Kein Abschiedsbrief gefunden

Nach Angaben aus Polizeikreisen wurde bei Lanza kein Abschiedsbrief gefunden. Polizeisprecher Paul Vance betonte aber, dass Ermittler "sehr gute Beweise" gefunden hätten, die möglicherweise Aufschluss über das Motiv des Täters geben könnten. Unter anderem wurden in der Schule zwei Pistolen, eine Glock und eine Sig Sauer, sowie ein Gewehr vom Typ Bushmaster Kaliber 223 entdeckt. Außerhalb der Schule lag noch eine vierte Waffe.

Die Ermittler fanden entgegen ersten Angaben bisher offenbar keine Verbindung zwischen Lanzas Mutter und der Schule. Zunächst hatte es geheißen, sie habe in der Grundschule als Lehrerin gearbeitet. Die Polizei geht davon aus, dass Adam Lanza vor vielen Jahren die Sandy-Hook-Grundschule besuchte. Sie hatte jedoch noch keine Erklärung, warum er am Freitag ausgerechnet dorthin fuhr. Behördenangaben zufolge war der 20-Jährige nicht vorbestraft.

Lanza litt möglicherweise an einer Persönlichkeitsstörung, in Ermittlerkreisen war vom Asperger-Syndrom, einer leichten Form des Autismus, die Rede. Experten erklärten jedoch, es gebe keine Hinweise auf einen Zusammenhang zwischen dem Syndrom und einem gewalttätigen Verhalten.

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