• The Wall Street Journal

Warum Freitag (k)ein perfekter Tag für schlechte Nachrichten ist

dapd

Händler an der Börse in New York. Schlechte Nachrichten für Anleger kommen meistens Freitags.

Dieser Freitag könnte ein guter Tag für schlechte Nachrichten werden. Während die Märkte früh schließen und die US-Amerikaner sich am Black Friday eher in der Mall als im Büro aufhalten, könnten einige Unternehmen die Chancen nutzen, negative Nachrichten zu verkünden. Die Hoffnung ist, dass die Reaktionen der Investoren gedämpft ausfallen, wenn die Börsen kommende Woche wieder eröffnen.

Nicht nur der Black Friday bietet eine Chance für schlechte Nachrichten. Der Freitag scheint dafür generell ein populärer Tag zu sein, wobei Freitage vor Feiertagen besonders beliebt sind. Beobachter des Aktienmarkts haben sich an eine besondere Hektik der Unternehmenskommunikation zwischen 16 Uhr und 17.30 Uhr US-Ostküstenzeit an Freitagen gewöhnt. Das ist die kleine Lücke zwischen dem Schließen der Börsen und der US-Börsenaufsicht SEC.

Viele der Nachrichten an Investoren sind Routine. Oft genug allerdings enthalten sie auch kleine Nachrichten-Bomben, welche die Aktien des Unternehmens am Folgetag auf Talfahrt schicken könnten - wenn die Börsen geöffnet wären.

„Ich nenne das ‚den Müll rausbringen'", sagt Michelle Leder, Gründerin des Blogs Footnoted.com, der sich der Analyse des Kleingedruckten in der Investorenkommunikation widmet. Leder durchkämmt die sogenannte 8K-Files der Unternehmen nun schon seit fast einem Jahrzehnt und sagt, dass das Veröffentlichen der pikanten Nachrichten am Ende der Woche eine solche Routine geworden ist, dass inzwischen jedes an einem Freitag veröffentlichte Dokument ihre volle Aufmerksamkeit habe.

Häufig versuchen Unternehmen, potenziell peinliche Entwicklungen an einem Freitag zu veröffentlichen – beispielsweise einen unerwarteten Rücktritt eines Vorstands, eine großzügige Abfindung, eine Ermittlung der Bundesbehörden oder heftige Abschreibungen. Leder hat beobachtet, dass derartige Enthüllungen rund um Feiertage ansteigen, ebenso in Sommerloch-Wochen und während großer nachrichtlicher Ereignisse wie Apple-Produktankündigungen, die viel Medienaufmerksamkeit auf sich ziehen.

Ein Beispiel: Am Freitag, den 9. November um 17.11 Uhr – vor dem langen Wochenende durch den Veteranen-Gedenktag in den USA, zum Höhepunkt des US-Präsidentschaftswahlkampfs und in Erwartung auf Hurrikan Sandy – offenbarte die Citigroup, dass sie ihrem ehemaligen Chef Vikram Pandit 6,7 Millionen und dem ehemaligen COO John Havens 6,8 Millionen US-Dollar an Entschädigungen für entgangene Bonus-Zahlungen gestatten will.

Sieben Minuten später – und damit zwölf Minuten bevor das Büro der US-Börsenaufsicht SEC schloss – folgte Lockheed Martin mit der Nachrichten vom erzwungenen Rücktritt des designierten CEOs Christopher Kubasik wegen einer Beziehung zu einer Untergebenen. Zuletzt sorgte auch noch die Nachricht des Weißes Hauses, dass CIA-Chef David Patraeus wegen einer Affäre zurücktreten muss, für weiteres Nachrichtenchaos.

„Der Freitagabend-Müll türmt sich heute Abend auf", twitterte Leder an ihre beinahe 13.000 Follower. Citigroup wollte sich zum Zeitpunkt der Veröffentlichung nicht äußern. Loockheed-Sprecherin Jennifer Whitlow sagte, das Unternehmen habe das 8K-Dokument zur Information an die Anleger kurz nach der Entscheidung des Boards veröffentlicht, nachdem es bei einem Treffen an diesem Nachmittag über Kubasiks Entbindung entschieden hätte. „Wir haben die Öffentlichkeit so schnell wie möglich informiert", erklärte sie.

Bis heute sind 8,5 Prozent der Adhoc-Mitteilungen mittels 8K-Formblatt in diesem Jahr an einem Freitag nach 16 Uhr US-Ostküstenzeit veröffentlicht worden, stellt eine Analyse von Morningstar fest, die für das Wall Street Journal durchgeführt wurde. Wären die Veröffentlichungen über die gesamte Woche von 6 Uhr morgens bis 17.30 Uhr gleich verteilt gewesen, müsste die Zahl bei etwa 2,6 Prozent liegen.

Unternehmen nutzen diese Taktik schon lange. Bruce Ellig, ehemaliger Vice President der weltweiten Personalabteilung von Pfizer, glaubt, dass die Praxis auf eine Zeit vor dem Beginn der 24-Stunden-Nachrichten zurückgeht, als einige Zeitungen die Nachrichten vom Freitag erst in der Folgewoche abgedruckt haben. Er behauptet, dass in der Zeit der 1980er bis 1990er Jahre, als er aktiv war, derartige Freitagnachmittag-Veröffentlichungen weder bei Pfizer noch bei der Konkurrenz üblich waren. Die Praxis habe jedoch im vergangenen Jahrzehnt zugenommen, fügt er hinzu.

Allerdings können solche Freitagnachmittag-Nachrichten in einer Zeit, in der sich ein einzelner Tweet oder ein Facebook -Posting viral massenhaft verbreiten können, auch zum Bumerang werden, sagen Kommunikationsexperten.

Auch die Märkte bemerken die Praxis. An einem späten Freitag im März revidierte Groupon seine Quartalsergebnisse und offenbarte dabei größere Verluste als zuvor berichtet. Der Kurs der Aktie stürzte im nachbörslichen Handel ab und setzte die Verluste nach der Börseneröffnung am Montag fort.

„Sie können Berichterstattung nicht mehr wirklich unterdrücken", sagt Tony Fratto, ehemaliger Pressesprecher von George W. Bush, der inzwischen Hamilton Place Strategies in Washington leitet, eine Kommunikationsagentur, die sich auf strategische Krisenkommunikation spezialisiert hat.

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