Von MARKUS KLAUSEN
Nach Tagen der Spekulationen ist es nun offiziell: Die Wirtschaftszeitung Financial Times Deutschland (FTD) wird eingestellt. Auch eine reine Online-Ausgabe wird es nicht geben, teilte das Verlagshaus Gruner + Jahr mit. Die FTD soll letztmalig am 7. Dezember erscheinen.
Von den übrigen Wirtschaftspublikationen des Hauses soll lediglich das Magazin Capital erhalten bleiben. Für die Zeitschriften Impulse und Börse Online wird der Verkauf oder ein Management Buy-Out geprüft. Sollten die Gespräche scheitern, werden auch sie eingestellt.
Für das traditionsreiche Hamburger Verlagshaus ist es ein radikaler Schnitt, seine zentrale Wirtschaftsredaktion aufzulösen. Um Kosten zu sparen, hatte G+J schon vor einigen Jahren eine Gemeinschaftsredaktion mit insgesamt etwa 350 Mitarbeitern - davon ungefähr 250 Journalisten - für alle vier Medien gegründet. Das reichte aber nicht aus.
"Die Financial Times Deutschland schreibt seit ihrer Gründung im Jahr 2000 Verluste", sagte Julia Jäkel, Vorstand Gruner + Jahr Deutschland. "Vor diesem Hintergrund sehen wir keinen Weg, die FTD weiter zu betreiben." Gruner + Jahr habe ohne Erfolg versucht, einen Käufer für die FTD zu finden.
Dem Verlag zufolge werden bei den Wirtschaftsmedien nun insgesamt 314 der 350 Stellen gestrichen. Nur Capital soll von Berlin aus "voraussichtlich mit einer verkleinerten Redaktion" fortgeführt werden. Das Magazin soll neu positioniert und stärker wirtschaftspolitisch ausgerichtet werden.
Opfer der Anzeigenflaute
Die lachsfarbene FTD hat besonders unter der Anzeigenflaute gelitten, mit der auch andere Zeitungen zu kämpfen haben. Auch die gestiegene Neigung der Verbraucher, sich digital zu informieren, sorgte für Gegenwind. Medienberichten zufolge soll die FTD seit der Gründung im Jahr 2000 einen Verlust von 250 Millionen Euro angehäuft haben. Gruner + Jahr wollte sich dazu nicht äußern.
Alleiniger Eigentümer der Finanzzeitung ist Gruner + Jahr, an der wiederum Bertelsmann knapp 75 Prozent hält. Die Hamburger hatten Anfang 2008 die britische Mediengruppe Pearson Publishing aus dem Gemeinschaftsunternehmen herausgekauft, an dem beide Seiten mit je 50 Prozent beteiligt waren. Pearson ist Herausgeber der Schwesterzeitung Financial Times.
Im dritten Quartal kam die FTD bei den überregionalen Tageszeitungen in Deutschland mit einer verkauften Auflage von rund 100.000 Stück auf Platz sieben. Das Handelsblatt als direkter Wettbewerber lag mit 138.000 Exemplaren zwei Plätze vor der FTD. Platzhirsch ist Daten der IVW zufolge Bild mit gut 2,7 Millionen Stück, gefolgt von der Süddeutschen Zeitung und der Frankfurter Allgemeinen Zeitung.
Zweites prominentes Opfer
Die Krise im deutschen Zeitungsmarkt fordert mit der FTD das zweite prominente Opfer in kürzester Zeit. Am 13. November hatte die Eigentümergesellschaft der Frankfurter Rundschau Insolvenz angemeldet. Die Rundschau hing schon seit einigen Jahren am Tropf der Eigentümer, die immer wieder Millionenbeträge in das Blatt gesteckt haben. Angesichts wegbrechender Umsätze im Anzeigen- und Druckgeschäft sah die Geschäftsführung keine Chance mehr für ein Verlassen der Verlustzone. Der Insolvenzverwalter prüft nun, ob das Geschäft überhaupt noch fortgeführt werden kann.
Aber auch in anderen Ländern sind die Auswirkungen aus der Krise im traditionellen Printgeschäft zu beobachten. Vor wenigen Wochen erst hatte das traditionsreiche US-Wochenmagazins Newsweek angekündigt, zum Jahresende seine gedruckte Ausgabe einzustellen. Im Gegenzug soll das Angebot für Tablet-Computer deutlich ausgeweitet werden.
Kontakt zum Autor: markus.klausen@dowjones.com







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