Von MATT MOFFETT
MADRID – Der Streik der Müllabfuhr in Jerez de la Frontera ist beendet sein. Nach drei wöchigem Ausstand liegen aber immer noch Tonnen von Müll auf den Straßen der Stadt ganz im Süden Spaniens. Anwohner hatten die Müllhaufen wiederholt angezündet, um ihrem Unmut Luft zu machen.
Jerez und sein Müllproblem ist nur ein Beispiel für die wirtschaftlichen Engpässe und die nachfolgenden Spannungen, die viele spanische Städten jetzt bewältigen müssen. Die finanziell klamme Kommune hatte die Zahlungen an das Vertragsunternehmen, das den Müll abholt, um 20 Prozent gekürzt. Es trifft deren Arbeiter: Am Mittwoch einigten sich die Gewerkschaft und das Unternehmen auf eine Lohnkürzung, um Entlassungen zu vermeiden. Die Mitarbeiter stimmten am Donnerstagabend der Einigung zu
Am 2. November hatten die Müllmänner ihre Arbeit niedergelegt, weil sie fürchteten, dass nach der Kürzung der Gelder bis zu 125 Arbeitsplätze wegfallen könnten. Auf den Straßen der 200.000-Einwohner-Stadt haben sich bisher schätzungsweise 3.000 Tonnen Müll angesammelt. Allein in dieser Woche brannten 300 Container. Heranrückende Feuerwehrleute wurden mit Steinen beworfen. Jerez ist international vor allem als Zentrum der Sherry-Produktion bekannt.
In ganz Spanien haben vier Jahre nach dem Platzen der Immobilienblase viele Gemeinden enorme Probleme, mit knappen Haushaltsmitteln auszukommen. „Ein Großteil der Einnahmen der Gemeinden kam aus dem Immobilienbereich, denn in Spanien muss man Steuern zahlen, wenn man ein neues Haus bauen will", sagt Albert Marcet, Professor für Volkswirtschaft an der Barcelona GSE. „Einige Städte spielten verrückt und gaben zu viel aus, während andere klug gewirtschaftet haben."
Besonders zwischen den örtlichen Behörden und den Vertragsunternehmen der Kommunen entstehen viele Konflikte. Erst kürzlich traten die Apotheken in Valencia in den Streik, weil die Stadt ihnen noch 450 Millionen Euro schuldig war.
Jerez de la Frontera ist mit etwa 1 Milliarde Euro verschuldet. Bürgermeisterin María José García-Pelayo wertete die Übereinkunft mit den Müllentsorgern als Sieg für ihre Stadt. „Wir haben unser Ziel erreicht, 20 Prozent der Kosten einzusparen", sagte sie bei einer Pressekonferenz. Sie entschuldigte sich bei den Anwohnern für „all die schlimmen Dinge, die sie ertragen mussten." In drei Tagen soll die Stadt wieder müllfrei sein.
Es könnte noch eine Weile dauern, bis in Jerez wieder Normalität einkehrt. Die Stadt hat ein externes Unternehmen beauftragt, zumindest an kritischen Punkten wie Schulen den Müll wegzuräumen. Während des Streiks wurden Schulen und andere öffentliche Flächen von den Bewohnern zu Müllkippen umfunktioniert. „Am schlimmsten ist der Geruch, besonders weil es jetzt häufiger regnet"; sagt Carmen Mancilla, Angestellte in einem Reisebüro. Ihr Vater wohnt gegenüber einer Schule.
Nach Angaben der Gesundheitsbehörden geht von dem vielen Müll keine Gefahr für die Öffentlichkeit aus. Wegen Ratten mussten aber einige Schulen schließen. Weil immer mehr Müllsäcke auf der Autobahn landen, verschlimmern sich auch die Verkehrsprobleme in der Stadt.
Eine Lehre aus dem Streik ist, dass die Spanier künftig mit weniger öffentlichen Dienstleistungen leben müssen. Bisher wird der Müll täglich abgeholt, sagt Albert Marcet. „Wenn man ihn nur zwei oder drei Mal die Woche abholt, würde das die Kosten halbieren. Das würde etwas organisatorischen Aufwand, aber nicht das Ende der Welt bedeuten."
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