• The Wall Street Journal

Syriens Wiederaufbau soll mehr als 46 Milliarden kosten

[image] Associated Press

Gespenstische Szenerie: Eine Frau passiert ein zerstörtes Krankenhaus in der syrischen Großstadt Aleppo.

DUBAI – Syrien wird 60 Milliarden Dollar (etwa 46,5 Milliarden Euro) an Hilfsgeldern brauchen, um das Land wieder aufzubauen, sollte das Regime von Präsident Baschar al-Assad gestürzt werden, erklärte ein hochrangiger syrischer Oppositioneller am Mittwoch.

Die Opposition wolle arabische und andere Länder bald nach Krediten fragen, um beim Wiederaufbau des Landes zu helfen und die Flüchtlinge zu unterstützen, sagt George Sabra, Leiter des Syrischen Nationalrats. „Später werden wir den Rat der Freunde Syriens und die internationale Gemeinschaft um Hilfe bitten", sagte Sabra bei einer Konferenz in Dubai, wo für Investitionen in ein Syrien nach Assad geworben werden sollte. „Syrien ist ein Gründungsmitglied der Arabischen Liga und ein Mitglied der internationalen Gemeinschaft. Sie sind verpflichtet zu helfen."

Die 60 Milliarden Dollar würden während der ersten sechs Monate nach dem Ende des Assad-Regimes für den Wiederaufbau und andere Leistungen gebraucht, sagt er. Damit sollten Städte wie Homs und Aleppo wieder aufgebaut werden, wo durch Kämpfe zwischen der Regierung und Oppositionsgruppen schwere Schäden entstanden sind. Außerdem müsse fünf Millionen Syriern geholfen werden, die in andere Länder oder andere Regionen des Landes geflohen sind, sagt Sabra.

Der Syrische Nationalrat ist Teil der Nationalen Koalition der Syrischen Revolutionäre und Oppositionellen Kräfte, einer Dachorganisation, die sich Anfang dieses Monats gebildet hat und die die Anerkennung der Arabischen Liga, des Golf-Kooperationsrats, sowie von Frankreich und Großbritannien genießt.

Eine halbe Million gemeldeter Flüchtlinge

Trotzdem bleiben Sorgen über die Effektivität der Opposition und über Konflikte zwischen verschiedenen syrischen Lagern. Anfang der Woche veröffentlichten Vertreter von 13 islamistischen Gruppen eine Videostellungnahme, laut der sie die Koalition nicht anerkennen.

Noch muss die syrische Opposition formell Kredite von der internationalen Gemeinschaft erbeten. Doch stattdessen konzentriert sie sich mehr darauf, Investitionen in die Regionen des Landes zu sichern, wo die Rebellen die Oberhand haben. Osama Qadi, ein syrisches Oppositionsmitglied, der verschiedene Investitionsversprechen koordiniert, sagt, die Konferenz in Dubai habe die Investitionszusagen von syrischen und internationalen Unternehmen auf etwa fünf Milliarden Dollar erhöht.

Doch diese Investitionen werden wahrscheinlich erst ausgezahlt, wenn das Regime gestürzt ist, selbst in Regionen, wo die Opposition waltet. „Noch haben Geschäftsmänner Angst davor, in Syrien zu investieren, da sich das Regime womöglich rächen könnte", sagt Samir Seifan, ein syrischer Wirtschaftsexperte. „Doch der Wille ist da, zu investieren, sobald das Regime abgesetzt ist."

Laut dem UN-Beauftragten für Flüchtlinge gibt es fast eine halbe Million Syrer, die sich in UN-Lagern im Libanon, in Syrien, Jordanien oder der Türkei gemeldet haben. Doch die Zahl der Flüchtlinge könnte noch höher sein, da viele Familien Freunde in diesen benachbarten Ländern haben und sich nicht unbedingt bei den Vereinten Nationen melden.

Nur USA haben Koalition nicht anerkannt

Ein westlicher Diplomat genießt diese Zahlen jedoch mit Vorsicht. „Dass Syrien 60 Milliarden Dollar Hilfsgelder braucht, mag stimmen", sagt Volkmar Wenzel, persönlicher Beauftragter von Außenminister Westerwelle für die arabische Welt. „Doch der Zeitrahmen von sechs Monaten scheint mir falsch, da wir aus Erfahrung wissen, dass Wiederaufbaumaßnahmen Zeit brauchen." Wenzel, der von 2005 bis 2008 deutscher Botschafter in Syrien war, sagt, Deutschland sei bereit, Syrien zu helfen, bei Reformen und Wiederaufbau anzupacken und humanitäre Hilfe zu leisten.

Michael Corbin, der US-Botschafter in den Vereinigten Arabischen Emirate, sagte in einem Interview, dass es wichtig sei, die syrische Wirtschaft wiederaufzubauen, die sowohl von Baschar al-Assad wie auch von seinem Vorgänger Hafez Assad durch Korruption, Missmanagement und fehlgeschlagene Wirtschaftspolitik zerstört wurde.

Die USA haben die Koalition noch nicht als den einzigen Vertreter des syrischen Volkes anerkannt. Corbin sprach seine Unterstützung für die Rebellen aus, äußerte sich jedoch nicht dazu, ob die USA die Koalition anerkennen würden, um dadurch den ersten Schritt zu finanziellen Hilfen zu tun.

Die eintägige Investitionskonferenz in Dubai lockte 400 syrische und nicht-syrische Unternehmer an, sagt Qadi. Viele japanische und europäische Firmen, die in Syrien investiert sind, hätten die Opposition bereits kontaktiert, um darüber zu reden, wie sie ihre Projekte weiterführen könnten, sobald das Assad-Regime abgesetzt ist, sagt Qadi.

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