Von JOHN REVILL
ZÜRICH—Das hochprofitable Geschäft mit Kaffeekapseln hat bei Nestlé auch schon bessere Zeiten erlebt. Das Wachstum in Europa lässt nach, und der Wettbewerb etwa mit Starbucks wird immer härter. Jetzt gibt es einen Wechsel an der Spitze der Nespresso-Sparte: Richard Girardot, der den Bereich seit 2007 führt, wird durch Jean-Marc Duvoisin ersetzt, derzeit Personalchef des schweizerischen Lebensmittelkonzerns.
Duvoisin, der seit 26 Jahren bei Nestlé arbeitet, wird im März 2013 zu Nespresso wechseln, während Girardot Chef des Frankreich-Geschäfts wird, Nestlés zweitgrößtem Markt.
Nespresso, für die auch der US-Schauspieler George Clooney geworben hat, gehört zu den am schnellsten wachsenden Marken von Nestlé. 2011 kletterte der Umsatz um mehr ein Fünftel auf 3 Milliarden Franken. Aber in diesem Jahr verlangsamt sich das Wachstum angesichts der schwächeren Konjunktur und des verschärften Wettbewerbs.
"Es wird schwerer, weil immer mehr Unternehmen ebenfalls solche Maschinen anbieten", sagt Jon Cox, Analyst bei Kepler Capital Markets. Der Marktanteil von Nestlé am globalen Kaffeekapsel-Markt ist laut Daten von Euromonitor International von 32 Prozent im Jahr 2009 auf 27 im vergangenen Jahr gesunken, während Senseo von Sara Lee und Tassimo von Kraft Foods im Sektor immer besser Fuß fassen.
Das größte Problem für Nespresso ist Westeuropa, wo 80 Prozent der Erlöse herkommen. Die Konkurrenz verschärfte sich hier im September, als Starbucks sein Ein-Tassen-System Verismo auf den Markt brachte. Damit soll man viele der Espressos und Milchkaffees, die es in den Läden gibt, auch zu Hause trinken können. Keurig, die Marke von Green Mountain Coffee Roasters, hat ebenfalls ihr Ein-Tassen-Espresso-System Rivo gestartet, während Nespresso seinen Maschinenpark weiter ausgebaut hat.
Aber der Kaffeekapsel-Sektor insgesamt wächst weiter rasant und bleibt für die Lebensmittelkonzerne attraktiv. Immer mehr Konsumenten wollen den Kaffee aus der Einzelpackung – sowohl als Statussymbol als auch wegen des vermeintlich besseren Geschmacks im Vergleich zum Filterkaffee. Euromonitor erwartet, dass der Markt von 3,6 Milliarden Dollar im Jahr 2009 bis 2016 auf 9,4 Milliarden Dollar wachsen wird.
"Es gibt weiter gute Wachstumsmöglichkeiten in Europa", glaubt auch Patrik Schwendimann, Analyst bei der Zürcher Kantonalbank . "Aber außerhalb Europas ist das Potenzial noch viel größer."
Auch für Nestlé bleibt die Nespresso-Sparte trotz des nachlassenden Wachstums wichtig. Die operative Marge schätzt Schwendimann hier auf mehr als 30 Prozent, während es beim löslichen Kaffee nur rund 25 Prozent seien.
Erfahrungen in Südamerika gesammelt
Cox von Kepler sagt, dass Duvoisin seine vielfältigen Erfahrungen als Nestlés Regionalchef für Kolumbien, Venezuela, Ecuador und später für Mexico nutzen wird. "Die internationale Erfahrung von Duvoisin bedeutet, dass ich nicht überrascht wäre, wenn sie das Geschäft auch außerhalb Westeuropas ankurbeln würden, in Lateinamerika zum Beispiel", sagt er.
Ausgelöst wurde der Managementwechsel bei Nespresso von der Pensionierung von Marc Caira, dem Leiter von Nestlé Professional. Den Bereich, der Lebensmittel- und Catering-Maschinen an Hotels und Restaurants vertreibt, übernimmt Martial Rolland, derzeit noch Chef von Nestlé France.
Analysten sorgten sich nicht um die HR-Vorgeschichte von Duvoisin und verweisen dabei auf dessen frühere Erfahrungen auf Länderebene. Auch der Wechsel von Girardot nach Frankreich ist für sie kein Abstieg. "Der Schritt nach Frankreich ist eine Beförderung für den guten Job, den er bei Nespresso gemach hat", sagt Cox.
Kontakt zum Autor: redaktion@wallstreetjournal.de






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