Von MARIA ABI-HABIB
KABUL—In Afghanistan blüht der Opiumanbau. Wie eine am Dienstag veröffentlichte Studie belegt, stieg die Zahl der afghanischen Schlafmohnfelder in diesem Jahr um 18 Prozent. Versuche der internationalen Gemeinschaft, afghanische Bauern zum Anbau legaler, aber weniger ertragreicher Pflanzen zu bringen, haben bisher offensichtlich wenig gebracht.
Trotz des Anstiegs der Anbaufläche dürfte die „potenzielle Opiumproduktion" laut der Studie in diesem Jahr wegen einer Pflanzenpest und schlechten Wetters um 36 Prozent geringer ausfallen als im letzten Jahr. 154.000 Hektar Land würden in diesem Jahr zum Opiumanbau genutzt, heißt es in dem gemeinsamen Lagebericht des Büros der Vereinten Nationen für Drogen- und Verbrechensbekämpfung (Unodc) sowie des afghanischen Ministeriums gegen Betäubungsmittel. Im Jahr 2011 lag die Nutzfläche noch bei 131.000 Hektar.
Die afghanische Regierung konnte zwar einen kleinen Erfolg melden: Auf 9.600 Hektar Land – mehr als doppelt soviel wie im Vorjahr – wurden Schlafmohnfelder vernichtet. Aber der rasante Anstieg neuer Felder stellt diese Zahl in den Schatten.
Nach wie vor ist Opium Afghanistans größtes Exportgut, obwohl Milliardensummen darauf verwendet werden, Farmer zum Anbau von Weizen, Granatäpfeln oder Baumwolle zu bekehren. Die internationalen Soldaten im Land unter Führung der USA halten sich aus dem Opiumanbau heraus. Sie fürchten, dass Mohnbauern zur Taliban überlaufen könnten, wenn ihnen die derzeitige Existenzgrundlage weggenommen würde.
„Sicherheit und Stabilität standen lange ganz oben auf der Agenda. Allzu häufig wurde bei Korruption und bei der Drogenbekämpfung weggeschaut", sagt Jean-Luc Lemahieu, der Afghanistan-Beauftragte der Unodc. „Heute zahlen wir dafür den Preis."
Laut Studie liegt der Verdienst, den Bauern mit dem Opiumhandel machen, bei insgesamt rund 700 Millionen US-Dollar. Der afghanische Drogenhandel insgesamt ist allerdings weitaus wertvoller: Afghanistan liefert mehr als 90 Prozent aller Opiate weltweit, dazu gehören auch die Drogen Heroin und Opium. Nach Angaben von Unodc entspricht das einem Gewinn von rund 65 Milliarden Dollar, den das Land weltweit erwirtschaftet.
Wegen der jüngsten Ernteschäden steigen die Opiumpreise und davon profitieren die großen Drogenhändler, die noch die Ernte des Vorjahres in ihren Lagern horten. „Die hohen Opiumpreise sind ein Hauptgrund für den Anstieg in der Opiumzucht", sagt Unodc-Direktor Yury Fedotov. Er fordert „nachhaltige Anstrengungen der afghanischen Regierung und der internationalen Beteiligten, um dem gesetzwidrigen Anbau mit einem ausgewogenen Ansatz von Entwicklungs- und Strafverfolgungsmaßnahmen zu begegnen".
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