Von DANA CIMILLUCA und VIVEK AHUJA
Ein Londoner Geschworenengericht hat den früheren UBS -Aktienhändler Kweku Adoboli in zwei Anklagepunkten des Betrugs für schuldig befunden. Von dem Vorwurf der Bilanzfälschung sprachen die Geschworenen Adoboli frei. Der Händler hatte bei der Schweizer Großbank mit eigenmächtigen Wertpapiergeschäften einen Verlust von 2,3 Milliarden US-Dollar verursacht. Der Skandal hatte im vergangenen Jahr die Bankenwelt erschüttert. Der 32-Jährige muss nun für sieben Jahre in Haft.
Tage hatte die Jury beraten. Das Verfahren vor dem Strafgericht in Southwark südlich der City of London gegen den Ex-Händler hatte zuvor schon gut acht Wochen gedauert.
Seine Verteidiger räumten vor Gericht ein, dass Adoboli so genannte Dachkonten eingerichtet habe, um die Gewinne aus Transaktionen zu verstecken, die gegen die Regeln der Bank verstießen. Gleichzeitig versuchten die Verteidiger, ihren Mandanten als einen Händler darzustellen, der von der Bank dazu angetrieben wurde, Risiken einzugehen. Er sei erst dafür zur Rechenschaft gezogen worden, nachdem seine Wetten auf dem Aktienmarkt während einer der volatilsten Phasen der europäischen Schuldenkrise im Sommer 2011 dramatisch platzten und der UBS den Milliardenverlust bescherten.
Die Jury folgte dieser Argumentation größten Teils nicht. Warum sie letztlich die Beweisführung der Anklage bei den Betrugsvorwürfen akzeptierten, nicht aber bei den weniger schwerwiegenden Vorwürfen der Bilanzfälschung, ist unklar.
Richter Brian Keith kritisierte Adoboli bei der Urteilsverkündung sehr scharf für seine Taten. "Egal, wie die Urteile der Jury ausgefallen wären, Sie werden für immer als der Mann bekannt sein, der für den größten Handelsverlust in der britischen Bankengeschichte verantwortlich ist", sagte er. "Die Verurteilung durch die Jury zeigt zudem, dass das, was Sie getan haben, auch kriminell war."
Die Anklage verbuchte das Urteil als Sieg für sich. Adoboli muss länger ins Gefängnis als der vor kurzem ebenfalls wegen Betrugs von einem französischen Gericht verurteile Ex-Händler der Societe Generale, Jerome Kerviel, obgleich dessen Betrug größer war.
"Abseits all des technischen Finanzjargons in diesem Fall, stand die Jury vor der Frage, ob Kweku Adoboli unehrlich gehandelt hat, als er der Bank den Verlust von 2,3 Milliarden Dollar beschert hat", sagte Ankläger Andrew Penhale in einer Mitteilung. Adoboli habe dafür die Vorschriften verletzt, vertuscht und gelogen. "In jedem geschäftlichen Kontext handelt es sich dabei schlichtweg um Betrug."
Adoboli hatte im Januar in allen Punkten auf "nicht schuldig" plädiert. Im Juni kam er nach einer mehrmonatigen Haft auf Kaution frei. Der Handelsskandal hatte weitreichende Konsequenzen für die Schweizer Bank. Die Konzernspitze wurde umgebaut - zunächst nahm Bankchef Oswald Grübel seinen Hut. Später wurde Risikomanagerin Maureen Miskovic ersetzt.
Dem 32-Jährigen Adoboli, der in Ghana geboren ist, war ursprünglich in zwei Anklagepunkten Bilanzfälschung und in weiteren Punkten Betrug vorgeworfen worden. Später kamen im Zusammenhang mit den Dachkonten zwei weitere Punkte wegen Bilanzfälschung hinzu.
Ihm drohten bis zu zehn Jahre Gefängnis für jeden Anklagepunkt wegen Betruges und bis zu sieben Jahre für die Punkte wegen Bilanzfälschung. In einem Betrugsfall verurteile ihn der Richter zu vier Jahren Haft, in einem anderem zu sieben Jahren. Die Freiheitsstrafen sitzt der Ex-Händler gleichzeitig ab, er kann aber vorzeitig entlassen werden. Fast ein Jahr hatte der Ex-Händler bereits in Untersuchungshaft gesessen, dies wird ihm auf die Strafe angerechnet.
Die UBS äußerte sich froh darüber, dass das Strafverfahren abgeschlossen sei. Die Zürcher Bank baut derzeit ihr Investmentbanking um und verkleinert es, um weniger Risiken einzugehen.
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