Von MATTHIAS GOLDSCHMIDT
Eine gewaltige Wertberichtigung hat den Computerhersteller Hewlett-Packard tief in die roten Zahlen gestürzt. Der Konzern musste wegen der Übernahme des Softwareherstellers Autonomy überraschend 8,8 Milliarden US-Dollar abschreiben. HP begründete dies mit Unregelmäßigkeiten in den Büchern von Autonomy. Die Anleger sind schockiert – die HP-Aktie bricht zum US-Börsenstart knapp 14 Prozent ein.
Die Geschichte von HP
Hewlett-Packard hatte den britischen Softwarehersteller 2011 für 10 Milliarden Dollar übernommen. Nun wirft HP Autonomy vor, Umsätze und Transaktionen mit Kunden falsch dargestellt zu haben. Ziel von ehemaligen Autonomy-Mitarbeitern sei es offenbar gewesen, Investoren und mögliche Käufer des Unternehmens hinters Licht zu führen, so der Vorwurf. Das damalige HP-Management hätte daher das Unternehmen nicht korrekt bewerten können. HP kündigte an, Schadenersatzforderungen zu prüfen.
Angesichts der hohen Abschreibung liegt der Nettoverlust von HP im Zeitraum von August bis Oktober bei 6,85 Milliarden US-Dollar, nach einem Gewinn von 0,2 Milliarden Dollar im Vorjahr. Das bereinigte Ergebnis je Aktie, aus dem HP Sonderposten wie Akquisitionen, bestimmte Abschreibungen und Restrukturierungskosten herausrechnet, hielt sich stabil bei 1,16 Dollar. Der Umsatz sank um 7 Prozent auf knapp 30 Milliarden Dollar.
Eine Baustelle mehr für Whitman
Das tiefrote Quartalsergebnis hat den Konzern im Gesamtgeschäftsjahr tief ins Minus gedrückt. Der Jahresverlust lag bei 12,7 Milliarden Dollar. Ein Jahr zuvor hatte HP noch 7,1 Milliarden Dollar verdient. Der Umsatz sank um 5 Prozent auf 120 Milliarden Dollar.
Den Kauf von Autonomy hatte der damalige CEO Léo Apotheker eingefädelt. Er wollte das Unternehmen radikal mit Schwerpunkt Software und Online-Dienste neu aufstellen. Kernpunkt seiner Strategie war neben der Übernahme von Autonomy der Verkauf des Kerngeschäfts mit PCs. Das war den Anlegern zu viel. Der ehemalige SAP-Chef musste nach weniger als einem Jahr an der HP-Spitze seinen Hut nehmen.
Apotheker und der Gründer von Autonomy, Mike Lynch, waren zunächst nicht für eine Stellungnahme zu erreichen.
Apothekers Nachfolgerin Meg Whitman hat mit Autonomy nun eine Baustelle mehr. Sie ist ohnehin dabei, die Scherben von Apotheker und den übrigen Vorgängern zusammenzukehren. So stoppte die einstige Ebay-Chefin den Verkauf der PC-Sparte, legte diese mit dem Druckergeschäft zusammen und strich 29.000 Stellen. Doch die Kritik der Investoren ist noch lange nicht verstummt.
Whitman selbst hatte Anfang Oktober ein düsteres Bild über die nahe Zukunft gezeichnet. Sie geht zwar davon aus, das es mit dem Unternehmen langfristig wieder aufwärts gehen wird. Zunächst dürften Umsatz und Gewinn aber weiter fallen. „Wie bereits angekündigt, war das zurückliegende Geschäftsjahr das erste in einer mehrjährigen Turnaround-Phase", sagte die Managerin.
Nur noch knapp vor Lenovo
Einfach dürfte das nicht werden. Aktuelle Daten zeigen, wie sehr die PC-Branche ins Hintertreffen gerät. Die Hersteller kämpfen nicht nur mit der zunehmenden Konkurrenz der Tablets, auch der sinkende PC-Absatz in den Schwellenländern und die allgemeine Wirtschaftsflaute machen Unternehmen wie HP und Dell zu schaffen. Mit traditionellen Desktop-Rechnern lässt sich nicht mehr viel Geld verdienen.
Hewlett-Packard ist nach wie vor der größte PC-Hersteller der Welt, kann sich aber nur noch knapp vor Lenovo halten. Die Chinesen haben sich mit aggressiver Preispolitik und einem guten Geschäft in den Schwellenländern nach vorne gekämpft. Platz 3 gehört Dell.
Die Texaner können ein Lied von den Problemen in der PC-Branche singen. Im dritten Quartal brach der Gewinn um die Hälfte ein. Da half auch die Neuorientierung hin zu Bereichen wie dem Speicher- oder Softwaregeschäft nichts. Auch der Ausblick bei Dell war wenig ermutigend.
HP will im ersten Quartal und im laufenden Geschäftsjahr wieder schwarze Zahlen schreiben. Das Ergebnis je Aktie soll 0,34 bis 0,37 Dollar erreichen. Für das Geschäftsjahr 2012/13 erwartet HP weiterhin einen Gewinn von 2,10 bis 2,30 Dollar je Anteil.
Kontakt zum Autor: matthias.goldschmidt@dowjones.com






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