• The Wall Street Journal

Facebook will Antworten geben

Facebook hat sein groß angekündigtes Geheimnis enthüllt: eine Funktion namens Graph Search. Die neue Suche ist jedoch bislang nur für einen kleinen Kreis auserwählter Tester verfügbar. Sie soll den Nutzern helfen, Informationen innerhalb des Netzwerks mit natürlichen formulierten Fragen ausfindig zu machen. Als Beispiele nannte Facebook-Chef Mark Zuckerberg bei der Präsentation am Firmensitz in Menlo Park Fragen wie „Personen, die gerne Fahrrad fahren und in meiner Heimatstadt wohnen" oder „Restaurants in London, die meine Freunde besucht haben".

AP

Facebook-Chef Mark Zuckerberg stellte am Firmensitz in Menlo Park eine neue Funktion namens Graph Search vor.

Damit ist die neue Funktion keine Websuche in direkter Konkurrenz zu Google, sondern vielmehr eine Datenbank über die eigenen Freunde und ihre Aktivitäten. „Social Graph gibt Antworten und zeigt keine Links an", hieß es bei der Präsentation. Dabei sollen beispielsweise Faktoren wie die Anzahl der „Gefällt mir"-Angaben eine Rolle spielen. Zuckerberg nannte auch Personalrekrutierung als einen möglichen Anwendungsfall. Während der Präsentation gaben die Aktie von Facebook und die des sozialen Businessnetzwerks Linkedin leicht nach, Google konnte gewinnen. Auch die Aktie der Website Yelp, eine Online-Bewertung lokaler Geschäfte, geriet unter Druck.

„Den gesamten Inhalt zu indizieren und ihn leicht auffindbar zu machen, ist ein wirklich schwieriges Problem", führte Zuckerberg aus. „Graph Search ist dazu gedacht, eine exakte Frage entgegenzunehmen und eine exakte Antwort zu liefern." Wie das praktisch aussehen soll, zeigt Facebook mit einer Beispielseite, auf der sich Interessierte auch für einen Beta-Test anmelden können.

An die Sorgen der Datenschützer dachten das Unternehmen bei der Präsentation offenbar auch: Das Facebook-Team betonte mehrfach, dass mit dem neuen Dienst keine neuen Informationen auffindbar seien, die bislang nicht öffentlich sind. Laut Facebook werden zehn Prozent der Rechenkapazitäten von Facebook darauf verwendet, die Privatsphäre zu gewährleisten.

Auch Google arbeitet bereits länger an einer Personalisierung der Suchergebnisse seiner Websuche und hat dazu die Facebook-Konkurrenz Google+ gegründet – und ist sehr kreativ dabei, möglichst viele Nutzer in das Netzwerk zu locken.

Weiß Google beispielsweise, dass ein Nutzer mit einem anderen in Beziehung steht, werden Links auf Suchergebnisse, die von einem der beiden Nutzer mittels des „+1"-Knopfs empfohlen wurden, höher in der Suche angezeigt.

Bei Facebooks Graph Search geht es ausschließlich darum, Informationen aus dem sozialen Netzwerk selbst auffindbar zu machen. Daher drehen sich die möglichen Suchbegriffe auch um die Informationen, die auf Facebook geteilt werden: Spiele, Videos, Bilder und Personen beispielsweise.

Facebooks Vorteil im Konkurrenzkampf mit Google ist die deutlich größere Nutzerschaft. Im Oktober hat Facebook die Grenze von einer Milliarde Nutzern überschritten . Auf dem Netzwerk wurden mehr als 240 Milliarden Fotos geteilt und Facebook kennt mehr als eine Billionen Verbindungen unter seinen Nutzern.

Microsoft und Facebook verbünden sich gegen Google

Das Facebook-Team betonte auf der Veranstaltung die Integration mit Microsofts Suchmaschine Bing, die größte Konkurrenz zum unangefochtenen Marktführer bei der Websuche Google. Microsoft hatte 2007 einen Anteil von 1,6 Prozent an Facebook erworben. Sobald Graph Search eine Frage nicht beantworten kann, werden stattdessen die Suchergebnisse von Bing angezeigt. „Wir glauben, dass das eine großartige Partnerschaft ist und wir arbeiten seit Monaten mit dem Team zusammen", sagte Zuckerberg. Allerdings bemerkte Zuckerberg auch, dass er es „lieben würde", auch mit Google zusammenzuarbeiten.

Derzeit steht die Funktion dem kleinen Kreis der Beta-Tester nur auf der normalen Facebook-Seite zur Verfügung. „Graph Search auf der mobilen Plattform ist unser nächstes Projekt", sagte Zuckerberg. Eines Tages sollen auch die Daten des sozialen Foto-Netzwerks Instagram integriert werden, das Facebook gekauft hat. Dem Facebook-Programmierer Lars Rasmussen zufolge dauerte die Arbeit an Graph Search mehr als ein Jahr. Die Funktion sei wegen der natürlichen Sprache und der Indizierung aller Daten „eine große technische Herausforderung" gewesen.

Kontakt zum Autor: stephan.doerner@wsj.com

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