• The Wall Street Journal

Energieriese Eon droht der Streik

Nach 13 Jahren droht dem Energieriesen Eon erstmals wieder ein Streik. Denn mit dem Angebot des Konzerns zur Lohnerhöhung haben sich die 30.000 Beschäftigten im Tarifstreit auch in dritter Runde nicht zufriedengeben wollen. Die Gewerkschaften IG BCE und Verdi brachen die Verhandlungen in Hannover am Dienstag daraufhin ab, wie beide Arbeitnehmervertretungen mitteilten.

Am Mittwoch wolle die Verhandlungskommission nun der Großen Tarifkommission empfehlen, die Verhandlungen für gescheitert zu erklären, sagten die Gewerkschaften. Danach wäre der Weg für eine Urabstimmung über einen Streik frei.

Die beiden Gewerkschaften, die unter dem Namen "Tarifgemeinschaft Energie" zusammenarbeiten, hatten für die 30.000 Angestellten eine Lohnerhöhung von 6,5 Prozent über ein Jahr gefordert - zuviel für den Energieriesen. Der hatte am Dienstag sein Angebot zwar erhöht, jedoch nur marginal von 1,1 auf 1,7 Prozent über zwölf Monate. "Es ist nicht hinnehmbar, dass Eon den Beschäftigten trotz guter Ertragslage ein reales Minus zumuten will", sagte Verdi-Verhandlungsführer Volker Stüber mit Blick auf die Inflation. Die Arbeitgeber provozierten damit eine Auseinandersetzung, wie es sie in der Energiewirtschaft lange nicht mehr gegeben habe.

Eon teilte mit, dass "die unveränderte Forderung der Gewerkschaften von 6,5 Prozent allerdings sehr deutlich über das für das Unternehmen vertretbare Maß" hinausgehe und jeglicher realistischer Grundlage entbehre. Die Forderungen seien in der schwierigen wirtschaftlichen Lage des Konzerns überzogen. Die Gehälter lägen insgesamt auf einem guten Niveau und die Tarifabschlüsse der vergangenen Jahre im oberen Bereich. "So gab es bei Eon zum Beispiel keine Null- oder Minimalrunden", heißt es in der Stellungnahme.

Die Gewerkschaften hatten zudem die Übernahme der Auszubildenden für mindestens zwölf Monate nach erfolgreich absolvierter Lehre verlangt. Ab 2015 sollten sogar mindestens 250 fertig ausgebildete Mitarbeiter unbefristet angestellt werden.

Ein Streik käme für Eon zu einem besonders schlechten Zeitpunkt, versucht das Unternehmen doch, bis 2015 inflationsbereinigt zwei Milliarden Euro an Betriebskosten einzusparen. Weltweit sollen außerdem 11.000 Stellen gestrichen werden. Der Konzern hatte zuletzt mit sinkender Nachfrage und gleichzeitigem Preisverfall in Europa zu kämpfen. Außerdem machte Deutschlands hastiger Ausstieg aus der Atomenergie dem Unternehmen schwer zu schaffen.

Kontakt zum Autor: ilka.kopplin@dowjones.com

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