• The Wall Street Journal

Hedgefonds-Attacke auf Herbalife elektrisiert die Wall Street

Von einem Krieg ist an der Wall Street die Rede. Belagert ist Herbalife, ein amerikanischer Hersteller von Nahrungsergänzungsmitteln. Der Angreifer: Bill Ackman, Hedgefonds-Manager mit dem Sagen über mehrere Milliarden Dollar. Ackmann hat eine Milliarde Dollar auf den Absturz der Herbalife-Aktie gesetzt. In einer Präsentation aus 334 Folien warf er dem Unternehmen Ende Dezember vor, ein illegales Schneeballsystem zu betreiben. Der Angriff schien zunächst zu gelingen, der Aktienkurs gab um rund ein Drittel nach. Doch mittlerweile schlägt Herbalife zurück.

Herbalife existiert seit mehr als 30 Jahren. Das Unternehmen verkauft auch in Deutschland Pulver und Tabletten, die gesund sein und oft schlank machen sollen. Die Nahrungsergänzungsmittel stehen nicht im Supermarkt: Herbalife setzt auf das so genannte Multilevel-Marketing. Nach Unternehmensangaben vertreiben 2,3 Millionen selbständige Berater die Produkte. Einige der Berater haben weitere Berater angeworben – und profitieren teils von deren Erfolg.

Ebendies ist Grundlage für die Kritik von Fondsmanager Ackman. Er behauptet in seiner Präsentation, die Berater verdienten das meiste Geld damit, andere Berater zu rekrutieren. Letztlich sei Herbalife nicht im Geschäft mit Nahrungsergänzungsmitteln, sondern verkaufe vor allem das Recht, Herbalife-Berater zu sein. Pulver und Tabletten seien nur das Vehikel, um ein verbotenes Schneeballsystem zu betreiben – ein System, in dem praktisch nur die Chefs auf den höchsten Hierarchiestufen verdienten.

Reuters

Investoren wetten auf einen Absturz der Herbalife-Aktie - hier ein Händler an der New Yorker Börse.

Ackman rechnet mit dem Zusammenbruch des Systems. Und eben daran will er verdienen: Seine Fondsgesellschaft Pershing Square Capital Management hat eine gigantische Short-Position aufgebaut. Mehr als eine Milliarde Dollar investierte Ackman in die Wette auf den Absturz der Herbalife-Aktie. Seine Vorwürfe gegen Herbalife erklärte er Investoren kurz vor Weihnachten in einem New Yorker Hotel. Daraufhin fiel die Aktie auf kaum mehr als 26 Dollar. Noch wenige Tage zuvor war sie 45 Dollar wert gewesen.

Ackmans Zwischenerfolg aber ist mittlerweile zerstoben. Die Aktie hat sich praktisch vollständig erholt: Der Kurs steht bei knapp 44 Dollar. Am Donnerstag vergangener Woche war Herbalife auf einer Investorenkonferenz den Anschuldigen Ackmans entgegengetreten. „Sie werden sehen: Wir sind ein seriöses Unternehmen mit seriösen Kunden", sagte Unternehmenschef Michael Johnson. Von einem Schneeballsystem könne keine Rede sein. Mehr als 80 Prozent der Berater verdienten mehr als diejenigen, die sie angeworben hätten, behauptete Herbalife-Manager Des Walsh.

Unterstützung erhielt Herbalife etwa von Investor Daniel Loeb. Sein Hedgefonds Third Point übernahm 8,2 Prozent der Anteile an dem Unternehmen. Loeb sprach in einem Brief an Investoren von ernsten Vorwürfen. Doch Third Point habe diese zusammen mit Beratern genau untersucht. „Wir glauben nicht, dass sie zutreffen."

Auch eine Professorin unterstützt Herbalife: Anne Coughlan, Wirtschaftswissenschaftlerin an der Northwestern University im US-Staat Illinois, erklärte, Multilevel-Marketing sei ein anerkanntes Prinzip. Im Übrigen bezahle Herbalife seine Berater nicht vorrangig für die Rekrutierung weiterer Berater. Coughlan hatte zuvor einen Forschungsauftrag von Herbalife.

Herbalife-Chef Johnson gab sich unbeeindruckt vom Angriff Ackmans: Der Gewinnausblick des Unternehmens bleibe unverändert, sagte er. Und: Herbalife plane Aktienrückkäufe im Wert von einer Milliarde Dollar.

Das setzt Investoren, die gegen das Unternehmen wetten, unter Druck. Steigt der Herbalife-Kurs weiter, müssen sich die Leerverkäufer mit immer mehr Aktien des Unternehmens eindecken – und der Kurs steigt noch mehr: Es droht ein sogenannter Short-Squeeze. Was das bedeuten kann, zeigte sich im Jahr 2008 bei Volkswagen, als die Aktie des Autobauers zwischenzeitlich auf mehr als 1.000 Euro schoss. Ackmans mögliche Verluste sind theoretisch unbegrenzt.

Doch die Schlacht ist noch nicht entschieden. „Der Kampf geht weiter", warnten die Analysten von Janney Capital Markets. Wie er ausgeht, komme unter anderem darauf an, ob Herbalife zum Fall für die Börsenaufsicht werde.

Darauf dürften derzeit einige Marktteilnehmer sehr genau achten. Ackman hat offenbar viele Spekulanten auf seine Seite gezogen: Bis Ende Dezember stieg der Anteil der frei verfügbaren Aktien, auf die Händler Short-Postionen eingegangen waren, nach Daten der New Yorker Börse auf 35 Prozent.

Kontakt zum Autor: hendrik.varnholt@dowjones.com

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