• The Wall Street Journal

Bundesbank will Gold-Hardliner besänftigen

Die Deutsche Bundesbank beugt sich dem Druck des Bundesrechnungshofs und holt zumindest einen Teil der deutschen Goldreserven nach Deutschland zurück. Am Mittwoch will sie in Frankfurt ihr neues Lagerstellenkonzept vorstellen, Filmaufnahmen aus ihren Tresorräumen zeigen und die Prüfung von Goldbarren demonstrieren. Ihre schärfsten Kritiker, die Bürgerinitiative "Holt unser Gold heim" und den CSU-Bundestagsabgeordneten Peter Gauweiler, wird sie damit kaum besänftigen.

Gauweiler hat bereits klar gemacht, dass er nicht ruhen wird, ehe die Bundesbank einen Prüfbericht des Bundesrechnungshofs zur Bilanzierung des im Ausland lagernden Goldes der Öffentlichkeit zugänglich macht. Der Rechnungshof hatte seinen Bericht im Herbst vergangenen Jahres auf Intervention der Bundesbank nur unter Schwärzung ganzer Passagen veröffentlichen können.

Gauweiler erklärte jetzt: "Die Bundesbank sollte ihre Pressekonferenz zum Anlass nehmen, öffentlich Klarheit zu schaffen und den Bericht des Bundesrechnungshofs vom 25. September 2012 ungeschwärzt veröffentlichen. Darüber hinaus sollte sie einen Zeitplan für die Rückführung zumindest des größeren Teils der im Ausland gelagerten Goldreserven in die Tresore der Bundesbank in Frankfurt am Main vorlegen."

Die 20 größten Goldreserven der Welt

Dazu wird es aber wohl nicht kommen. Denn die Bundesbank will laut einem Bericht des Handelsblatt nur ihre in Paris lagernden Bestände - etwa 374 Tonnen - zurückführen und ihre New Yorker Bestände um etwa 120 Tonnen verringern. Einer weiteren Forderung Gauweilers und des Rechnungshofs, der "physischen Bestandsaufnahme" des im Ausland lagernden Goldes, stehen nach Aussage der Bundesbank die "Usancen zwischen Notenbanken" entgegen.

Peter Boehringer, Mitinitiator von "Holt unser Gold heim", hakt genau dort nach: "Es geht gar nicht um den ausländischen Standort, sondern um einen ordentlichen Audit, also die Barrenlisten. Es gibt die Angst, das ein Barren mehrere Eigentümer hat. Und die Gefahr, dass das Gold im Ausland verliehen wird, ohne dass die Bundesbank das weiß, kann man nur begrenzen, in dem man die Barrennummern veröffentlicht und mit allen anderen Barrennummern vergleicht."

Die Bundesbank hält eine über die Buchinventur hinausgehende Bestandsprüfung zwar prinzipiell für möglich, hat aber nach eigenen Angaben mit den einlagernden Zentralbanken Stillschweigen über derartige Maßnahmen vereinbart. Ob solche Maßnahmen tatsächlich stattgefunden haben, ließe sich im Zweifelsfall also nicht nachprüfen.

Aus geldpolitischer Sicht ist der Streit um die Lagerung des deutschen Goldes eher bedeutungslos. Gold stellt nur einen Teil der deutschen und europäischen Devisenreserven dar und ist nach weit überwiegender Einschätzung von Ökonomen zur Absicherung einer Währung nicht mehr notwendig. Allerdings hat es, wie die hohe öffentliche Aufmerksamkeit für das Thema zeigt, gerade in Krisenzeiten eine psychologische Bedeutung.

Deutschland besitzt Goldreserven von 3.396 Tonnen, von denen 1.536 Tonnen in New York lagern, 1.036 Tonnen in Frankfurt, 450 Tonnen in London und 374 Tonnen in Paris. Sie sind dort als Ergebnis deutscher Leistungsbilanzüberschüsse in den 1950er und 1960er Jahren angefallen und aus praktischen Gründen dort geblieben. Eine Rückholung dieser Bestände beziehungsweise ihre genaue Prüfung wird schon seit einiger Zeit gefordert. Entscheidende Unterstützung hat dieses Anliegen erst im vergangenen Jahr durch einen Bericht des Bundesrechnungshofs und eine Initiative des Haushaltsausschusses des Bundestags erhalten.

Kontakt zum Autor: hans.bentzien@dowjones.com

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