• The Wall Street Journal

Grönland will mit Zuwanderung die Wirtschaft ankurbeln

KOPENHAGEN— Grönlands Premierminister Kuupik Kleist ist überzeugt, dass das dänische Parlament im kommenden Monat seine Pläne unterstützen wird, die wenig besiedelte Insel wirtschaftlich unabhängiger zu machen. Möglich gemacht werden soll das mit einem Ausbau des Rohstoff-Sektors.

Kleist erklärte am Montag in einem Interview, er habe im Januar viel Zeit in Kopenhagen verbracht, um sich mit dänischen Abgeordneten über die Wachstumspläne auszutauschen. Einige von denen zeigen sich besorgt über Kleists' Pläne für mehr Zuwanderung.

Der zentrale Punkt: Kleist will eine Erlaubnis, mit der er Tausende ausländischer Arbeiter ins Land holen kann, die weniger als den Mindestlohn erhalten sollen, der in Grönland und Dänemark vorgeschrieben ist. Die Zuwanderer sollen die Infrastruktur auf der Insel verbessern. Die ist nötig, damit die Bodenschätze auf der Insel besser ausgeschöpft werden können, zu denen auch die so genannten Seltenen Erden zählen.

dapd

Auf Grönland gibt es nicht nur Eis: Die Regierung der Insel will in Zukunft den Abbau von natürlichen Ressourcen vorantreiben. Vorher braucht sie aber noch grünes Licht aus Dänemark.

Auch wenn Grönland weitgehend autonom ist – die 57.000 Einwohner sind seit über 200 Jahren Teil des dänischen Königreiches und abhängig von den Zuschüssen der dänischen Steuerzahler. Einige der grönländischen Gesetze müssen vor Inkrafttreten vom dänischen Parlament gebilligt werden.

Sollte es vorrübergehend keine finanzielle Unterstützung mehr aus Dänemark geben, wäre das ein schwerer wirtschaftlicher Verlust für die Insel. Ähnlich sieht es aus, wenn man über Probleme beim Fischfang nachdenkt. Die Fischindustrie ist einer der wichtigsten Wirtschaftsfaktoren Grönlands. Um weniger abhängig von Dänemark zu sein, hat Kleist darum in der Vergangenheit um ausländische Investoren geworben.

Der grönländische Premierminister erklärte, er rechne damit, dass das dänische Parlament seinen Plänen zur Regulierung ausländischer Arbeitskräfte im Februar grünes Licht erteilen werde.

Kritiker fürchten Einfall ausländischer Firmen

Das Parlament in Grönland hat bereits Richtlinien aufgestellt, in denen auch ein neuer Mindestlohn festgelegt wird. Doch Kritiker der Pläne befürchten, dass man damit die Tore öffne für eine Flut an Billigarbeitern aus anderen Ländern. Es werde ausländischen Firmen leicht gemacht, sich in Grönland niederzulassen. Sie könnten damit auf dem Fundament aufbauen, das dänische Steuerzahler gelegt haben. Dänische Regierungsmitglieder konnten nicht für eine Stellungnahme erreicht werden.

In den vergangenen Jahren sind die Verantwortlichen aus Grönland überall in der Welt herumgereist, um für ihre Idee von einer stärkeren Ausbeutung der natürlichen Ressourcen in Grönland zu werben. Sie besuchten Messen und Veranstaltungen in Australien, Kanada und China und machten sich für Kupfer-, Nickel- und anderen Minen im Land stark.

Agence France-Presse/Getty Images

Grönlands Premierminister Kuupik Kleist hat große Pläne für die Insel.

Zwar hat auch die Ölproduktion auf der Insel Potenzial, besonders viel verspricht man sich jedoch von Mineralienminen. Einige Experten sind zu dem Ergebnis gekommen, dass nicht weniger als ein Drittel der weltweit noch unentdeckten Seltenen Erden in Grönland zu finden sind. Kleist erklärte, dass ein erfolgreicher Abbau die Abhängigkeit von China bei diesen Elementen verringern könnte.

Auf dem Weg zur Unabhängigkeit will der Ministerpräsident die Einnahmequellen auf seiner Insel diversifizieren. „Die Wirtschaft in Grönland wird in den kommenden Jahrzehnten von den Säulen Fischerei und Minenaktivitäten getragen werden", sagte er.

Staatsfonds nach norwegischem Vorbild

Grönland hat vor kurzem einen Staatsfonds ins Leben gerufen, der die Einnahmen durch Lizenzen und Anteile an Unternehmen, die sich im Land niederlassen, bewahren soll. Norwegen nutzt solch einen Fonds bereits seit Jahrzehnten – auch wenn das Land größer und deutlich abhängiger von Gas und Öl ist als Grönland.

Doch die Bemühungen der Grönländer zahlen sich bislang noch nicht aus. „Wir haben erst einen Antrag [auf eine Minenlizenz] erhalten – wir haben erst einen in unseren Händen", sagte Kleist. „Hoffentlich bekommen wir 2013 noch mehr."

Damit das gelingen kann, müssen zunächst die Probleme mit Dänemark vom Tisch. Laut Kleist warten viele Unternehmen ab, bis alle politischen und regulatorischen Unsicherheiten aus dem Weg geräumt sind, bevor sie sich um eine Finanzierung bemühen. Ein „Ja" des dänischen Parlaments zu den Immigrationsplänen könnte die Tür öffnen für neue Projekte mit einem Investitionsvolumen in Höhe von fünf Milliarden dänischen Kronen (umgerechnet 666 Millionen Euro), erklärte der Premierminister. Er hofft, dass sich Firmen noch in diesem Jahr für zwei bestimmte Projekte entscheiden. Welche das genau sind, wollte er jedoch nicht sagen.

Kleist machte internes politisches Gehabe in Dänemark für die hitzige Debatte um die Zuwanderungspläne Grönlands verantwortlich. Um Bedenken über Grönlands Zukunft gehe es dabei nicht. Dabei müsse sich sein Land weiterbewegen, sagte er. „Die Wirtschaft wartet nicht auf uns."

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