• The Wall Street Journal

Rebellen in Mali rücken trotz französischer Luftangriffe vor

Islamistischen Rebellen gelang es am Montag, die malische Armee aus einer Garnisonsstadt mitten auf ihrem eigenen Territorium zu vertreiben. Die Aufständischen haben damit das schwächste Glied innerhalb der sich gerade bildenden internationalen Koalition ins Visier genommen, nachdem französische Kampfflugzeuge ihre Militärbasen tief in der Sahara angegriffen hatten.

Die Rebellen seien schwer bewaffnet gewesen, berichteten Augenzeugen. Ihr Überraschungsangriff verdeutlicht das Risiko, dass sich der französische Einsatz in Mali ausweiten könnte, während sich die Al-Qaida-Kämpfer über das gesamte Kerngebiet der größten Wüste der Welt verteilen.

Agence France-Presse/Getty Images

Französische Soldaten vor der Abreise nach Mali.

Die vorrückenden Rebellen hätten den kleinen Kasernenstandort Diabaly eingenommen, nachdem sie die malischen Streitkräfte dort angegriffen und besiegt hätten, sagte der französische Verteidigungsminister Jean-Yves Le Drian.

Hatten die Gefechte zuvor in den abgelegenen Gebieten im Norden des westafrikanischen Staates stattgefunden, sind die Kämpfer jetzt bis auf 400 Kilometer an die Landeshauptstadt Bamako herangerückt. Sie stellen die notdürftig ausgerüstete und schlecht ausgebildete Armee Malis auf eine schwere Probe. Der Druck auf andere internationale Streitkräfte steigt, in den Konflikt einzugreifen.

"Es wird nicht unsere Rolle sein, allein an der Seite Malis zu bleiben", hatte der französische Außenminister Laurent Fabius am Montag gesagt.

EU sendet Ausbilder, will aber nicht mitkämpfen

Nach Angaben von Fabius helfen die USA beim Transport, bei der Kommunikation und bei der Aufklärung. Großbritannien, Belgien und Dänemark seien beim Transport behilflich. Verschiedene westafrikanische Staaten, darunter Nigeria, Niger, Burkina Faso und Senegal, haben die Entsendung Hunderter Soldaten in Aussicht gestellt. Wann und wo sie eingesetzt werden sollen, muss allerdings noch festgelegt werden. Algerien, das sich früher traditionell gegen Interventionen ausgesprochen hatte, öffnete am Sonntag französischen Kampfflugzeugen seinen Luftraum für Überflüge, damit sie Ziele in Mali erreichen konnten.

Die EU will die Entsendung von eigenen Ausbildern – darunter auch welche aus Deutschland – für die malischen Streitkräfte beschleunigen, schloss aber eine Beteiligung an den Kampfhandlungen aus. Die Mitglieder des UN-Sicherheitsrats hätten sich bei ihrem Treffen am Montag nicht gegen die französische Intervention ausgesprochen, berichtete der französische Botschafter Gérard Araud. Sie hätten vielmehr zu verstehen gegeben, dass sie das Vorgehen Frankreichs unterstützten. Eine Resolution des Sicherheitsrats vom Dezember, mit der die Afrikanische Union zum militärischen Eingreifen ermächtigt wird, legitimiere das Handeln Frankreichs.

Agence France-Presse/Getty Images

Die malische Bevölkerung erfährt aus Zeitungen über den Kampfeinsatz der französischen Luftwaffe.

Der Einsatz der französischen Luftwaffe, der am Freitag begann, zielt darauf ab, islamistische militante Gruppierungen aus ihren Stützpunkten im Norden Malis zu vertreiben und dabei vor allem dem Terror-Ableger al-Qaida im Islamischen Maghreb, oder kurz AQIM, das Rückzugsgebiet zu nehmen.

Die Aufständischen machen sich allerdings eine ihrer Stärken zu Nutze: Sie sind äußerst beweglich. "Die können innerhalb von fünf Minuten ein ganzes Lager räumen", erzählt der kanadische Diplomat Robert Fowler, den AQIM-Terroristen im Jahr 2009 fünf Monate lang als Geisel gehalten hatten.

Terroristen wollen Scharia durchsetzen

AQIM beherrscht große Teile der Sahara. Die Terrorgruppe hat malische Rebellen mit Waffen und neuen Rekruten versorgt und sie ausgebildet. Ihr Ziel ist es, in Westafrika, so weit es nur irgend geht, die islamische Rechtsprechung der Scharia in ihrer strengsten Auslegung durchzusetzen.

Am Montag gelang den Aufständischen der Durchbruch vom von den Rebellen beherrschten Norden nach Süden. Sie eroberten Diabaly, das rund 50 Kilometer innerhalb des Gebiets liegt, das von malischen Regierungstruppen kontrolliert wird.

"Sie waren extrem gut mit Waffen ausgerüstet. Sie hatten Raketenwerfer - einfach alles", berichtete Pierre Krone, ein Lehrer aus Diabaly. Mit 30 Lastern seien die Rebellen in die Stadt eingefallen, erzählt er.

Seine Kämpfer hätten Diabaly nicht überfallen, um einen Angriff auf die Hauptstadt vorzubereiten, erklärte ein Sprecher einer der islamistischen Rebellengruppen. Sie hätten nur die malischen Regierungstruppen aus dem Gleichgewicht bringen wollen. "Unsere Strategie ist ganz klar", sagte er. "Wir werden unseren eigenen Krieg führen. Die werden nicht bestimmen, welche Art von Krieg wir führen."

Die Einwohner von Diabaly versuchten, sich in Sicherheit zu bringen, wurden aber von den Rebellen abgefangen. "Sie kamen herein und stellten sich vor. Sie sagten, sie seien hier, um den Islam zu verteidigen und um gegen die malische Armee zu kämpfen", berichtete Krone.

Kampf um Kleinstadt Konna

Die malische Armee habe Verstärkung geschickt, um die Stadt zurückzuerobern, sagte Nouhoum Togo, der Sprecher des malischen Verteidigungsministeriums.

Kurz vor dem Angriff auf Diabaly hatten französische und malische Streitkräfte gemeldet, die Kleinstadt Konna in Zentral-Mali wieder aus den Händen der Aufständischen befreit zu haben. Die Rebellen hatten Konna in der vergangenen Woche eingenommen. In der Nähe der Stadt liegt ein Flugplatz, der nach Angaben französischer und malischer Regierungsvertreter für einen Befreiungsfeldzug von entscheidender Bedeutung ist.

Associated Press

Malische Soldaten haben einen Kleinbus nahe der Stadt Markala gestoppt.

Am Wochenende hatte die französische Luftwaffe Ziele weit innerhalb der Territorien angegriffen, die sich in der Hand islamistischer Gruppierungen befinden. Hauptziel war die Großstadt Gao. Die Jagdbomber nahmen außerdem Standorte entlang der Grenze zu Mauretanien unter Beschuss sowie den abgelegenen Handelsposten Kidal in der Nähe der algerischen Grenze. Wie viele Menschen dabei starben oder verletzt wurden, ist nicht bekannt.

Die islamistischen Rebellen bekamen Aufwind, nachdem der Konflikt in Libyen 2011 beendet worden war und militante Kämpfer mit Waffen, die sie in Libyen geplündert hatten, nach Mali strömten. Die schwer bewaffneten Aufständischen setzten dann die malische Armee unter Druck, die die Kontrolle über die nördlichen Regionen des Landes verlor. Im März 2012 putschte das Militär, stürzte den malischen Präsidenten und übernahm die Kontrolle der Regierung.

Mitarbeit: Joe Lauria

Kontakt zum Autor: redaktion@wallstreetjournal.de

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